Licht war ihr Me­tier

Zum Tod der Künst­le­rin und Büh­nen­bild­ne­rin ro­sa­lie

Pforzheimer Kurier - - KUL­TUR -

Licht war ihr Me­tier. Licht war das Me­di­um (oder die Ma­te­rie), mit der ro­sa­lie erst so rich­tig be­kannt wur­de. Und so war es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis man der Künst­le­rin im Karls­ru­her Zen­trum für Kunst und Me­di­en (ZKM) Ge­le­gen­heit bot, ih­re spektakulär leuch­ten­den und schil­lern­den Licht­in­stal­la­tio­nen zu prä­sen­tie­ren. Ein Jahr lang, vom Ok­to­ber 2008 bis zum Ok­to­ber 2009 war im Foy­er des ZKM ih­re 27 Me­ter brei­te und über neun Me­ter ho­he Ar­beit „Hy­pe­ri­on_Frag­ment“zu er­le­ben. 3 150 com­pu­ter­ge­steu­er­te Be­leuch­tungs­ein­hei­ten zeig­ten sei­ner­zeit ei­nen kon­ti­nu­ier­li­chen Licht­fluss zwi­schen un­ter­schied­lichs­ten Farb­tö­nen.

In Wer­ken wie die­sem ka­men ro­sa­lie ih­re Er­fah­run­gen als Büh­nen­bild­ne­rin zu­gu­te. Im Thea­ter hat­te sie erst­mals ein grö­ße­res Pu­bli­kum er­reicht, so konn­te sie in der Pra­xis um­set­zen, was sie wäh­rend ih­rer Stu­di­en an Wis­sen und krea­ti­vem Hand­werks­zeug er­wor­ben hat­te. Am 24. Fe­bru­ar 1953 in Gemm­rig­heim bei Lud­wigs­burg als Gudrun Mül­ler ge­bo­ren, wid­me­te sie sich nach dem Abitur zu­nächst an der Uni­ver­si­tät Stutt­gart den Fä­chern Ger­ma­nis­tik und Kunst­ge­schich­te. Par­al­lel da­zu be­gann ro­sa­lie ab 1975 an der Stutt­gar­ter Kunst­aka­de­mie zu stu­die­ren, wo­bei sie sich ab 1977 auf das Fach Büh­nen­bild kon­zen­trier­te; ihr Leh­rer war der als Büh­nen- und Ko­s­tüm­bild­ner, aber auch als Opern­re­gis­seur tä­ti­ge Jür­gen Ro­se.

Opern wur­den auch für ro­sa­lie ein An­zie­hungs­punkt. So be­sorg­te sie be­reits 1981 für die Urauf­füh­rung von Hans Wer­ner Hen­zes „Pol­li­ci­no“die Aus­stat­tung. Spä­ter er­reich­ten sie un­ter an­de­rem Auf­trä­ge der Ham­bur­ger Staats­oper („Ido­me­neo“, 1990), der Oper Nürn­berg („Elek­tra“, 1995) oder der Sem­per­oper in Dres­den („Die Frau oh­ne Schat­ten“, 1996). Als ei­nen Hö­he­punkt ih­rer Kar­rie­re mag sie wohl die Ein­la­dung ver­stan­den ha­ben, in den Jah­ren 1994 bis 1998 für Al­f­red Kirch­ners Bay­reu­ther „Ring“Büh­nen­bild, Licht­in­stal­la­tio­nen und Ko­s­tü­me zu ge­stal­ten.

Richard Wa­gner führ­te sie auch an das Ba­di­sche Staats­thea­ter. 2003 schuf sie un­ter der Ge­ne­ral­in­ten­danz von Achim Thor­wald Büh­nen­bild und Ko­s­tü­me für Bed­fˇ­rich Sme­ta­nas Oper „Da­li­bor“, neun Jah­re spä­ter (jetzt un­ter Pe­ter Sp­uh­ler) ge­stal­te­te sie den vi­su­el­len Rah­men für Wa­g­ners „Tann­häu­ser“. Nicht zu­letzt mit dem Karls­ru­her Bal­lett und sei­ner Di­rek­to­rin Birgit Keil stand ro­sa­lie in en­ger, freund­schaft­li­cher Ver­bin­dung. Trotz ih­rer Thea­ter­er­fol­ge ver­stand sich ro­sa­lie im­mer auch als bil­den­de Künst­le­rin, wo­bei sie kei­nes­wegs nur auf Licht­ge­stal­tun­gen fi­xiert blieb, son­dern mit spie­le­ri­scher Lust die bun­tes­ten und ba­nals­ten Ob­jek­te zu­sam­men­brach­te. Ih­re Aus­stel­lun­gen hie­ßen dann et­wa „ge­ni­al tri­vi­al“(Re­si­denz­schloss Lud­wigs­burg, 1997), „In the Gar­den of Dan­de­li­ons“(Kunst­hal­le Göp­pin­gen, 1998) oder „Im Ge­wit­ter der Ro­sen“(Gras­si Mu­se­um Leip­zig, 2003).

Be­son­ders wich­tig war der Künst­le­rin ei­ne ih­rer letz­te Ar­bei­ten, der „Ma­ra­thon der Tie­re“, mit der sie 2015 auf der von Pe­ter Wei­bel ku­ra­tier­ten Licht­sich­tBi­en­na­le in Bad Ro­then­fel­de ver­tre­ten war. Die be­weg­ten Licht­bil­der, die auf die kris­tal­li­nen Salz­schich­ten ei­nes Gra­dier­werks pro­ji­ziert wur­den, wa­ren ge­prägt von ein­fühl­sa­mer Nä­he zu den Wun­dern bio­lo­gi­schen Le­bens. Die­ses Le­ben hat ro­sa­lie in­zwi­schen ver­las­sen. Die Künst­le­rin ist im Al­ter von 64 Jah­ren ge­stor­ben. Micha­el Hübl

„HY­PE­RI­ON_FRAG­MENT“hieß die 27 Me­ter brei­te Licht­in­stal­la­ti­on, die ro­sa­lie von Ok­to­ber 2008 bis Ok­to­ber 2009 im ZKM Karls­ru­he zeig­te. Fo­to: dpa

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