„Sir Erich“und der „Kai­ser“

Erich Rib­beck wird 80 – statt Bun­des­trai­ner-Nach­ruhm gab‘s für ihn ver­ba­le Prü­gel

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Fuß­ball-Bun­des­li­gist RB Leip­zig hat den In­nen­ver­tei­di­ger Ibra­hi­ma Ko­na­té ver­pflich­tet. Der 18-jäh­ri­ge In­nen­ver­tei­di­ger kommt vom fran­zö­si­schen Zweit­li­gis­ten FC Sochaux und un­ter­schrieb ei­nen Fünf-Jah­res-Ver­trag.

Mit­tel­feld­spie­ler Ma­ka­na Ba­ku ist der sechs­te Neu­zu­gang der SG Son­ne­hof Groß­as­pach. Der 19-Jäh­ri­ge wech­selt von der U 19 des FSV Mainz 05 zum Fuß­ball-Dritt­li­gis­ten und er­hält ei­nen Ver­trag bis zum 30. Ju­ni 2019.

Tor­hü­ter Ra­pha­el Wolf wech­selt vom Bun­des­li­gis­ten Wer­der Bre­men zu Fortu­na Düs­sel­dorf in die zwei­te Li­ga. Der 29-Jäh­ri­ge ist ab­lö­se­frei. Er hat laut Fortu­na-An­ga­ben ei­nen Ver­trag bis 30. Ju­ni 2018 un­ter­schrie­ben. dpa/sid

Auch mit 80 Jah­ren spielt Fuß­ball ei­ne be­deu­ten­de Rol­le im Le­ben von Erich Rib­beck. Ins Sta­di­on geht der ehe­ma­li­ge Bun­des­trai­ner zwar nur sel­ten. Aber wie jetzt beim an­ste­hen­den Con­fe­de­ra­ti­ons Cup wird „Sir Erich“bei den meis­ten Spie­len als Zu­schau­er und Ex­per­te vor dem TV-Ge­rät sit­zen. Wo­bei das The­ma Con­fed Cup bei dem Ju­bi­lar, der heu­te im rhei­ni­schen Pul­heim im Krei­se sei­ner Fa­mi­lie Ge­burts­tag fei­ert, ganz per­sön­lich „aus­nahms­los furcht­ba­re“Er­in­ne­run­gen weckt.

18 Jah­re ist es her, als Rib­beck als Na­tio­nal­trai­ner den Un­ter­gang der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft beim Kon­fö­de­ra­tio­nen-Po­kal in Me­xi­ko zu ver­ant­wor­ten hat­te. Er muss­te 1999 aus­ba­den, was ihm der DFB und die Bun­des­li­ga­ver­ei­ne ein­ge­brockt hat­ten. „Ein To­des­kom­man­do war es nicht“, sag­te Rib­beck beim Blick zu­rück. Aber er war da­mals doch „der Depp der Na­ti­on“. Von je­dem Ver­ein durf­te er nur zwei Spie­ler mit­neh­men nach Me­xi­ko, wo Deutsch­land als Eu­ro­pa­meis­ter nach ei­nem kra­chen­den 0:4 ge­gen Bra­si­li­en, ei­nem 2:0 ge­gen Neu­see­land und dem ab­schlie­ßen­den 0:2 ge­gen die USA nach der Vor­run­de aus­schied. „Ich wuss­te von vor­ne her­ein, dass wir chan­cen­los sind“, sagt Rib­beck, der die Prü­gel ein­ste­cken muss­te. Ne­ben da­ma­li­gen Jung-Na­tio­nal­spie­lern wie Micha­el Bal­lack und Bernd Schnei­der ka­men in Me­xi­ko Ak­teu­re wie Ro­nald Maul oder Hei­ko Ger­ber zu Län­der­spie­leh­ren. Rib­beck er­in­nert sich bis heu­te leb­haft an ei­ne Sit­zung in der Frank­fur­ter DFB-ZenNa­tio­nal­trai­ner. tra­le. „Franz Be­cken­bau­er hat zu mir ge­sagt: ,Erich, es ist doch egal, mit wel­chen Spie­lern du da da­hin­fährst. Haupt­sa­che, du fährst!‘“Rib­beck fuhr, vor al­lem um Deutsch­lands Be­wer­bung um die WM 2006 nicht zu ge­fähr­den. „Die hät­ten wir sonst nie ge­kriegt“, be­tont Rib­beck. Der Zu­schlag er­folg­te im Ju­li 2000, kurz nach dem bla­ma­blen Aus der DFB-Aus­wahl bei der EM in Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den mit dem un­rühm­li­chen En­de von Rib­becks Amts­zeit als Joa­chim Löw wird in die­ser Wo­che eben­falls oh­ne das Gros sei­ner Welt­meis­ter zum Con­fed Cup nach Russ­land auf­bre­chen. Trotz­dem sei die Si­tua­ti­on völ­lig an­ders, meint Rib­beck: „Jo­gi ver­fügt über ei­nen ganz an­de­ren Fun­dus an jun­gen Spie­lern.“Zehn Sie­ge, sechs Un­ent­schie­den und acht Nie­der­la­gen stan­den nach knapp zwei Jah­ren in Rib­becks Ne­ga­tiv­bi­lanz als Na­tio­nal­coach. Nach dem Rück­tritt von Ber­ti Vogts im Herbst 1998 war er eher als x-te Wahl ins von ihm so lan­ge er­sehn­te Amt ge­kom­men. Wunsch­kan­di­da­ten wie Jupp Heynckes, Ot­to Reh­ha­gel und Ott­mar Hitz­feld stan­den nicht zur Ver­fü­gung. DFB-Prä­si­dent Egi­di­us Braun plan­te bei der hek­ti­schen Su­che kurz­zei­tig so­gar mit Paul Breit­ner, dem ewi­gen Re­bell. Am En­de über­nahm Rib­beck, so­zu­sa­gen mit 14 Jah­ren Ver­spä­tung. Der ge­bür­ti­ge Wup­per­ta­ler hat­te ei­gent­lich nach dem EM-Aus 1984 da­mit ge­rech­net, dass er als da­ma­li­ger Ko-Trai­ner von Jupp Der­wall des­sen Nach­fol­ge an­tre­ten dürf­te. Die Wahl fiel je­doch auf Be­cken­bau­er, der Deutsch­land 1990 in Ita­li­en zum drit­ten WM-Ti­tel­ge­winn führ­te.

Rib­beck, mit 31 einst jüngs­ter Bun­des­li­ga­trai­ner, wur­de mit 61 Jah­ren der am spä­tes­ten be­ru­fe­ne Bun­des­trai­ner. Die­se Her­aus­for­de­rung ha­be ihn „am meis­ten ge­reizt“. Als Fuß­bal­ler war der Wup­per­ta­ler ein be­grenz be­gab­ter Ver­tei­di­ger. Als Trai­ner war er elo­quent und ein gu­ter Ver­käu­fer. Der gro­ße Er­folg ge­lang ihm 1988 als Ue­fa-Cup-Sie­ger mit Bay­er Le­ver­ku­sen. Klaus Berg­mann

FUSSBALLFREUND ge­blie­ben ist Erich Rib­beck, hier auf ei­ner Auf­nah­me aus dem ver­gan­ge­nen Jahr. Fo­to: dpa

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