Erb­las­ten im Amts­ge­richt Pforz­heim

Zu we­nig Platz und vie­le neue An­for­de­run­gen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

„Char­mant, aber et­was be­schwer­lich“fin­det Oli­ver Weik sei­ne ar­chi­tek­to­ni­sche Um­ge­bung. Der Amts­ge­richts­di­rek­tor sitzt in sei­nem von Son­ne mild er­wärm­ten Chef­zim­mer auf der Süd­sei­te, wäh­rend er über neue An­for­de­run­gen für den 50er-Jah­re-Bau spricht. Ein paar Grad mehr, er und ein Gut­teil sei­ner 120 Mit­ar­bei­ter wür­de un­ter der Hit­ze stöh­nen, denn „an Ja­lou­si­en ist nicht zu den­ken“in dem denk­mal­ge­schütz­ten Am­bi­en­te.

Es geht um Bau­li­ches. Weik hat vor ei­nem Jahr mit dem Amt eben­so die seit Jah­ren ge­for­der­te Sa­nie­rung der Flie­sen­fas­sa­de am 2007 fer­tig­ge­stell­ten, preis­ge­krön­ten Neu­bau über­nom­men wie Raum­not, Si­cher­heits­an­for­de­run­gen und EDV-Qua­li­tät. Seit Jah­ren klagt das Amts­ge­richt über zu we­nig Ver­hand­lungs­sä­le und Richt­er­zim­mer. An­wäl­te müs­sen sich bei War­te­zei­ten in den Gän­gen rum­drü­cken oder das Freie auf­su­chen. Bei grö­ße­ren Be­spre­chun­gen ha­ben al­le nicht Be­tei­lig­ten kei­nen So­zi­al­raum mehr.

Ver­schärft wird die La­ge durch ei­ne an­ge­streb­te Tren­nung von öf­fent­li­chen und nicht­öf­fent­li­chen Be­rei­chen. Denn da­mit fal­len aus Si­cher­heits­grün­den all die Rich­ter­bü­ros weg, die ak­tu­ell noch bei Zi­vil- und fa­mi­li­en­recht­li­chen Ver­fah­ren für Ver­hand­lun­gen ge­nutzt wer­den. Das ist zwar bei ei­ner Grö­ße von über­schlä­gig 16 Qua­drat­me­tern oh­ne­hin nicht wün­schens­wert, aber an­ge­sichts der Raum­not schwer zu ver­kraf­ten.

Ab­hil­fe soll­te der bis­lang von der Po­li­zei ge­nutz­te Sand­stein­bau in der Bahn­hof­stra­ße brin­gen. Das his­to­ri­sche Ge­bäu­de ist al­ler­dings zu schwach für ei­nen Sit­zungs­saal. Das zeig­te wie be­rich­tet ein Sand­sack-Test vor ei­nem Jahr. Hin­zu kommt, dass dort jetzt oh­ne­hin nichts geht, so­lan­ge nicht ent­schie­den ist, ob Pforz­heim nicht doch wie­der ein Po­li­zei­prä­si­di­um be­kommt. „Die wirt­schaft­li­che Be­trach­tung liegt der­zeit auf Eis“, weiß Weik aus Ge­sprä­chen mit der Lan­des­bau­be­hör­de.

„Das wirft uns ein hal­bes Jahr zu­rück“, sagt der Amts­ge­richts­di­rek­tor. Denn so­lan­ge hier al­les of­fen ist, kann er mit Ar­chi­tek­ten und Fi­nanz­ver­wal­tung auch nicht dar­über ver­han­deln, wie Al­ter­na­ti­ven aus­se­hen könn­ten, die in spä­tes­tens sie­ben Jah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen müss­ten. Der Zei­t­raum ist durch die In­te­rims­lö­sung vor­ge­ge­ben, die das Lan­des­amt für Vermögen und Bau auf der an­de­ren Sei­te der Lin­den­stra­ße im Haus von Bau und Grund ver­ein­bart hat. Wie im Pforz­hei­mer Ku­ri­er be­reits aus­führ­lich be­rich­tet, ist dort 2018 Schluss für das noch staat­li­che No­ta­ri­at. Die Bü­ros wer­den dann für die fünf Rich­ter der Pforz­hei­mer Au­ßen­stel­le des Land­ge­richts Karls­ru­he ge­nutzt, die bis­lang im Amts­ge­richt und bei der nicht min­der be­engt ar­bei­ten­den Staats­an­walt­schaft re­si­die­ren.

Mehr Platz bringt die Auf­lö­sung des No­ta­ri­ats auch bei den Sä­len: Sie müs­sen nicht mehr für Zwangs­ver­stei­ge­run­gen vor­ge­hal­ten wer­den. An­sons­ten bleibt es al­ler­dings eng in dem leicht, luf­tig und zu­rück­hal­tend ge­bau­ten Amts­ge­richt.

Achi­tek­to­ni­scher Charme mit Schwä­chen

Weik will den­noch los le­gen mit den Um­bau­ten. Schließ­lich gilt es, ei­ne elek­tro­ni­sche Ak­ten­füh­rung an­zu­le­gen, die ab 2022 gel­ten soll. Das Amts­ge­richt braucht da­für ei­ne „Scan­stra­ße“für die vie­len Schrift­stü­cke, die von pri­va­ter Sei­te kom­men und dann eben eher nicht elek­tro­nisch ver­sandt wer­den. „Das macht rund 40 Pro­zent der Kor­re­spon­denz aus“, sagt Weik. Sie soll künf­tig in zwei Räu­men im Ein­gangs­be­reich des Amts­ge­richts di­gi­ta­li­siert wer­den. Au­ßer­dem be­deu­tet das na­tür­lich auch, dass die elek­tro­ni­sche Aus­stat­tung an den Ar­beits­plät­zen hö­he­ren An­for­de­run­gen ge­nü­gen muss.

Eben­falls um­ge­hend in An­griff ge­nom­men wer­den muss die bau­li­che Tren­nung des Be­su­cher­be­reichs vom nicht­öf­fent­li­chen Raum. Da­für wird ei­ne In­foThe­ke im Ein­gang ein­ge­rich­tet und an­sons­ten der Zu­gang be­schränkt. Es ste­hen 50 000 Eu­ro zur Ver­fü­gung für die­sen Um­bau. Al­les an­de­re, vom An­walts­zim­mer über ei­nen Be­spre­chungs­raum bis zu wei­te­ren Sit­zungs­sä­len, ist „plat­ziert“. Weik sagt, er wä­re schon froh, wenn die­ses Mi­ni­mal­pro­gramm um­ge­setzt wür­de. Von ei­nem Be­su­cher­leit­sys­tem und an­de­ren Wün­schen wol­le er gar nicht spre­chen.

WE­GEN DER BRÖ­SEL­FAS­SA­DE am 2007 fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau des Amts­ge­richts, gibt es dort Ab­sperr­schran­ken. Di­rek­tor Weik zeigt auf ei­ne Stel­le oh­ne Flie­sen. Fo­tos: Kopf

DAS AMTS­GE­RICHT bliebt Mie­ter im ge­gen­über­lie­gen­den wei­ßen Fir­men­sitz von Bau und Grund.

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