Prot­ago­nis­tin wächst über sich hin­aus

An­ne­lie­se Zorn liest im Bäu­er­li­chen Mu­se­um aus ih­rem his­to­ri­schen Ro­man „Das Haus an der Enz“

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ina Zan­tow

An­ne­lie­se Zorn ist ver­siert im Schrei­ben von Sach­t­ex­ten. Jetzt hat sie sich ei­nen Wunsch er­füllt und ei­nen his­to­ri­schen Ro­man ge­schrie­ben. Ama­lie heißt die Prot­ago­nis­tin des Ro­mans „Das Haus an der Enz“– dem Erst­lings­werk der in Tie­fen­bronn le­ben­den Au­to­rin. Aus­zü­ge aus ih­rem Ro­man las die pen­sio­nier­te Stu­di­en­di­rek­to­rin An­ne­lie­se Zorn am ver­gan­ge­nen Sonn­tag vor 45 Zu­hö­rern im „Bäu­er­li­chen Mu­se­um“in Eu­tin­gen.

„Ich woll­te auf­zei­gen, wie die bei­den Welt­krie­ge und ein dik­ta­to­ri­sches Re­gime Pri­vat­sphä­re und Le­bens­um­stän­de der Men­schen be­ein­fluss­ten, ja zer­stör­ten“, sagt Zorn ge­ra­de auch im Blick auf

Zwei Jah­re schrieb die Au­to­rin an ih­rem Werk

die Ge­ne­ra­tio­nen, die die NS-Zeit nicht er­lebt ha­ben. Ent­stan­den ist da­bei ein Fa­mi­li­en­schick­sal in stür­mi­schen Zei­ten, das ne­ben Schat­ten auch Licht­punk­te kennt. Über die Jahr­zehn­te führ­te An­ne­lie­se Zorn vie­le Ge­sprä­che mit Zeit­zeu­gen, stu­dier­te Fach­li­te­ra­tur und stö­ber­te im Ar­chiv.

Be­reits als Stu­den­tin ver­spür­te An­ne­lie­se Zorn den Im­puls, sich die­sem The­ma zu wid­men, er­zählt die Au­to­rin ih­ren Zu­hö­rern. Jetzt erst hält Zorn ihr Erst­lings­werk in Hän­den. 426 Sei­ten um­fasst es, gut zwei Jah­re lang hat sie dar­an ge­schrie­ben.

Zu Be­ginn der Hand­lung ist Ama­lie, die Toch­ter ei­nes Pforz­hei­mer Gold­schmieds, schwan­ger. Ge­ra­de erst 17 Jah­re alt, muss sie al­ler­dings fürch­ten vom Kinds­va­ter ver­schmäht zu wer­den. Je­doch nimmt sich ihr ge­lieb­ter Karl, ein tüch­ti­ger Gla­ser­meis­ter, ih­rer an und hei­ra­tet sie und die jun­ge Fa­mi­lie zieht zwei Jah­re nach der Ge­burt des Soh­nes in ihr neu­es Haus an der Enz. Zwei wei­te­re Kin­der wer­den ge­bo­ren. Bis zum Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges lebt Ama­lie mit ih­ren Lie­ben ein fast idyl­li­sches bür­ger­li­ches Le­ben. Doch dann muss Karl an die Front und das Grau­en nimmt sei­nen Lauf. Den­noch ge­lingt es Ama­lie, Haus und Werk­statt al­lei­ne über die Run­den zu brin­gen. Karl kehrt heim, stirbt je­doch nach nur we­ni­gen glück­li­chen Nach­kriegs­jah­ren an Lun­gen­krebs. Ama­lie ist zu die­sem Zeit­punkt 39 Jah­re alt.

Der Le­ser des Ro­mans wird schließ­lich mit dra­ma­ti­schen Er­eig­nis­sen kon­fron­tiert – zu­mal die Macht­er­grei­fung Hit­lers und die zu­neh­men­de po­li­ti­sche Ra­di­ka­li­sie­rung ve­he­ment auch in Ama­li­es Le­ben ein­grei­fen. Sie ver­än­dert sich, wächst über sich hin­aus zu ei­ner

Trau­ri­ge Pas­sa­gen kenn­zeich­nen Ro­man

star­ken und mu­ti­gen Per­sön­lich­keit. Als Pa­zi­fis­tin und Re­gime­geg­ne­rin stellt sie sich furcht­los al­len Her­aus­for­de­run­gen. Vie­le trau­ri­ge Stel­len kenn­zeich­nen den Ro­man, so An­ne­lie­se Zorn, die den­noch nicht auf Licht­bli­cke ver­zich­tet. Ent­spre­chend fin­det die Lie­be im­mer wie­der ih­ren Weg und zeigt sich in den ver­schie­dens­ten Ge­sich­tern.

Bei den Be­su­chern der Le­sung weckt das Werk bis­wei­len Er­in­ne­run­gen: „,Das

AU­TO­RIN AN­NE­LIE­SE ZORN re­cher­chier­te lan­ge für ih­ren his­to­ri­schen Ro­man, der in Pforz­heim spielt, und den sie am Sonn­tag im Bäu­er­li­chen Mu­se­um in Eu­tin­gen ih­ren Le­sern vor­stell­te. Fo­to: Eh­mann

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