Kri­tik oh­ne Punkt und Kom­ma

Ka­ba­ret­tist Fre­de­ric Hor­muth se­ziert Po­li­tik und Ge­sell­schaft

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS/WETTER -

Lus­tig, wit­zig, char­mant plau­dernd, tief­sin­nig, bis­sig und wie mit ei­nem Se­zier­mes­ser Ge­gen­wart und Ver­gan­gen­heit in höchst kri­ti­scher Be­trach­tungs­wei­se of­fen le­gen, mar­kant oder sanft for­mu­liert, da­zu auf Top-Ni­veau die mu­si­ka­li­sche Um­rah­mung auf dem Kla­vier – das al­les bot der Ka­ba­ret­tist Fre­de­ric Hor­muth im Saal der Kli­nik Öschel­bronn.

Zu die­sem un­ter­halt­sa­men Abend hat­te der Kul­tur­ver­ein Nie­fern-Öschel­bronn ein­ge­la­den. Der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de Karl Micha­el Heel hat­te an­läss­lich sei­nes 65. Ge­burts­ta­ges die Idee zu ei­ner Be­ne­fiz­ver­an­stal­tung. Von den Ein­nah­men wer­de er für den Kli­nik­neu­bau spen­den und die glei­che Sum­me kom­me sei­nem Kul­tur­ver­ein zu­gu­te. Als ge­eig­ne­te Lo­ka­li­tät bot sich der Saal der Kli­nik an und nach ei­ni­gen Über­le­gun­gen stand fest: „Wir bie­ten mal ganz et­was An­de­res, näm­lich Ka­ba­rett.“Dass Hor­muth ei­ne gu­te Emp­feh­lung war, dar­an be­stand schon we­ni­ge Mi­nu­ten nach Auf­tritts­be­ginn kein Zweifel. Schnell hat­te er sein Pu­bli­kum „im Griff“, be­gann mit ei­ner klei­nen Mei­nungs­um­fra­ge, um in et­wa die „Den­ke“der Zu­hö­rer aus­zu­lo­ten. Oh­ne Punkt und Kom­ma spieß­te er treff­si­cher Er­eig­nis­se aus Ge­sell­schaft, Po­li­tik, Pri­va­tem auf, hielt auch mal kurz die Luft, um dann wie mit ei­nem Knal­ler sei­ne ganz per­sön­li­chen Mei­nun­gen dem Pu­bli­kum schmack­haft zu ma­chen.

Bei Aus­flü­gen in die Welt­po­li­tik blieb Trump na­tür­lich nicht au­ßen vor und der jüngs­te „Gag“des Prä­si­den­ten, der Kli­ma­aus­stieg. „Aber es ist leicht, über ihn her­zu­zie­hen. Doch sind wir nicht al­le Trum­per? Auch wir hal­ten Wer­te nicht ein. Der Un­ter­schied ist nur der, dass un­se­re Re­gie­rungs­che­fin ei­ne bes­se­re Fri­sur hat.“Er fand we­nig Po­si­ti­ves an den zur­zeit agie­ren­den Po­li­ti­kern. Ver­ban­delt mit der Wirt­schaft, de­ren Ver­tre­ter auf schlei­chen­den We­gen da­bei sind, ei­nen Fuß in Un­ter­neh­men wie Bahn, Post, Au­to­bah­nen und Schu­len zu schie­ben. Zu­stim­mung zur Maut? Ein Skan­dal! „Das ist der An­fang zur Pri­va­ti­sie­rung der Au­to­bah­nen und dann kön­nen Sie si­cher sein, die Streu­fahr­zeu­ge kom­men erst zum Som­mer­an­fang.“Ges­ten­reich und mit wir­kungs­vol­ler Mi­mik un­ter­strich er sei­ne Sicht der Din­ge, ließ AfD und Pe­gi­da und ähn­li­che Kon­sor­ten nicht un­ge­scho­ren da­von­kom­men.

Viel dreh­te sich auch um die Mei­nungs­frei­heit, die es zu ver­tei­di­gen gel­te, auch wenn das ne­ga­ti­ve Fol­gen ha­ben soll­te. „Wie bei uns von TV-Me­di­en ma­ni­pu­liert wird, dass mer­ken Sie doch gar nicht mehr. Da kön­nen Sie doch ei­gent­lich gleich die Zei­tung le­sen!“Das Pu­bli­kum quit­tier­te auch dies, wie fast al­le sei­ne „Bon­mots“mit La­chen. Eva Fi­litz

AUCH TRUMP blieb bei Fre­de­ric Hor­muths Ka­ba­rett-Pro­gramm in Öschel­bronn nicht ver­schont. Fo­to: Fi­litz

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