Er­folg mit Schön­heits­feh­lern

Ma­cron holt ab­so­lu­te Mehr­heit im Par­la­ment / Ge­rin­ge Wahl­be­tei­li­gung

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Paris (dpa). Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron hat bei der Par­la­ments­wahl ei­ne kla­re Mehr­heit für sei­ne Politik ge­won­nen, aber deut­lich schwä­cher ab­ge­schnit­ten als er­war­tet. Der so­zi­al­li­be­ra­le Staats­chef si­cher­te sich ges­tern in der ent­schei­den­den Ab­stim­mungs­run­de ei­ne kom­for­ta­ble Macht­ba­sis für sei­ne Re­for­men, mit de­nen er Frank­reich international wie­der kon­kur­renz­fä­hig ma­chen will. Laut Hoch­rech­nun­gen kam Ma­crons La­ger aus dem Stand auf 355 bis 365 der 577 Sit­ze in der Na­tio­nal­ver­samm­lung. Mei­nungs­for­scher hat­ten zu­vor bis zu 470 Man­da­te für mög­lich ge­hal­ten. Die ab­so­lu­te Mehr­heit liegt bei 289 Sit­zen.

Der Tri­umph für Ma­crons erst vor gut ei­nem Jahr ge­grün­de­te Mit­tePar­tei La Ré­pu­bli­que en Mar­che und ih­re Ver­bün­de­ten be­stä­tigt ei­ne his­to­ri­sche Zä­sur für die fran­zö­si­sche Politik. Die tra­di­tio­nel­len Re­gie­rungs­par­tei­en der bür­ger­li­chen Rech­ten und der So­zia­lis­ten muss­ten ei­ne wei­te­re her­be Nie­der­la­ge ein­ste­cken. Ma­ri­ne Le Pen ge­lang erst­mals der Ein­zug ins fran­zö­si­sche Par­la­ment. Die Wahl­be­tei­li­gung stürz­te auf ei­nen neu­en his­to­ri­schen Tief­punkt. Sie lag laut Hoch­rech­nun­gen um die 43 Pro­zent, noch deut­lich nied­ri­ger als im ers­ten Wahl­gang ei­ne Wo­che zu­vor. „Un­ser Volk ist bei die­ser Wahl in ei­ne Form des staats­bür­ger­li­chen Ge­ne­ral­streiks ge­tre­ten“, mein­te der Links­po­li­ti­ker Je­an-Luc Mé­len­chon.

Pre­mier­mi­nis­ter Edouard Phil­ip­pe be­grüß­te das Er­geb­nis: „Mit ih­rer Wahl ha­ben die Fran­zo­sen in gro­ßer Mehr­heit die Hoff­nung der Wut vor­ge­zo­gen, den Op­ti­mis­mus dem Pes­si­mis­mus“, sag­te er. Ma­cron war vor sechs Wo­chen als jüngs­ter fran­zö­si­scher Prä­si­dent al­ler Zei­ten in den Ély­sée-Pa­last ge­wählt wor­den. Der 39-Jäh­ri­ge will bald ei­ne um­strit­te­ne Lo­cke­rung des Ar­beits­rechts und ein neu­es An­ti-Ter­ror-Ge­setz auf den Weg brin­gen. Au­ßer­dem strebt er weit­rei­chen­de Re­for­men in der EU an und hofft da­bei auf ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit Deutsch­land.

Laut den Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­ten Kant­ar Pu­b­lic-On­e­point, Ip­sos und Ela­be kom­men die kon­ser­va­ti­ven Re­pu­bli­ka­ner und ih­re Ver­bün­de­ten auf 125 bis 133 Sit­ze. Die bür­ger­li­che Rech­te wur­de da­mit zwei­te Kraft in der Volks­ver­tre­tung. Die So­zia­lis­ten von Ma­crons Vor­gän­ger François Hol­lan­de, die in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren den Ton in der Na­tio­nal­ver­samm­lung an­ge­ge­ben hat­ten, stürz­ten ab. Ins­ge­samt dürf­ten die mo­de­ra­te Lin­ke und die Grü­nen zu­sam­men nur noch mit 41 bis 49 Sit­zen ver­tre­ten sein. Die ra­di­ka­le Lin­ke mit Je­an-Luc Mé­len­chon so­wie den Kom­mu­nis­ten be­kam 23 bis 29 Ab­ge­ord­ne­te. Mé­len­chon ge­wann nach ei­ge­nen An­ga­ben sei­nen Wahl­kreis in Mar­seil­le. Le Pens Front Na­tio­nal konn­te zwar sei­ne Rol­le im Par­la­ment stär­ken, er kommt laut Hoch­rech­nun­gen aber trotz­dem nur auf sechs bis acht Sit­ze. Bis­lang wa­ren es zwei ge­we­sen.

PRÄ­SI­DENT ZUM AN­FAS­SEN: Der fran­zö­si­sche Staats­chef Em­ma­nu­el Ma­cron mit ei­ni­gen jun­gen Fans. Fo­to: AFP

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