Zu­rück zu den Wur­zeln

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

MAR­TIN FER­BER

Die gu­te Nachricht für die Grü­nen – ih­re Um­fra­ge­wer­te sind sta­bil. Die schlech­te – sie be­we­gen sich nicht von der Stel­le. Mit der­zeit rund sie­ben Pro­zent lie­gen die Grü­nen hin­ter der Lin­ken, der AfD und der FDP und wä­ren im Bun­des­tag die Kleins­te der Klei­nen, ob­wohl sie ger­ne die Größ­te wä­ren. So sehr sich die bei­den Spit­zen­kan­di­da­ten Cem Öz­de­mir und Ka­trin Gö­rin­gEckardt auch be­mü­hen, es ge­lingt ih­nen nicht, in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung ei­ne Auf­bruch­stim­mung zu er­zeu­gen und ih­re Par­tei aus dem Mei­nungs­tief her­aus­zu­füh­ren.

Die La­ge ist ernst – hat aber auch ihr Gu­tes. Sie be­wahrt die Par­tei vor ei­nem Grö­ßen­wahn, der, wie das Schick­sal der FDP un­ter Gui­do Wes­ter­wel­le be­legt, zu ei­ner ge­fähr­li­chen Hy­bris ge­führt hät­te. Den An­spruch, ei­ne Volks­par­tei zu sein, er­hebt nie­mand mehr, und dass Wah­l­er­geb­nis­se wie in Ba­den-Würt­tem­berg auf Bun­des­ebe­ne nicht rea­lis­tisch sind, hat sich mitt­ler­wei­le her­um­ge­spro­chen. Die Grü­nen sind auf dem Bo­den der Tat­sa­chen an­ge­kom­men – und der heißt: Man muss we­nigs­tens die ei­ge­ne Kern­wäh­ler­schaft mo­bi­li­sie­ren. Zu­rück zu den Wur­zeln – mit den The­men der Ver­gan­gen­heit in die Zu­kunft: Um­welt- und Kli­ma­schutz, Bür­ger- und Frei­heits­rech­te, Gleich­stel­lungs­po­li­tik so­wie der Kampf

ge­gen die Mas­sen­tier­hal­tung ha­ben aus ih­rer Sicht nichts an ih­rer Not­wen­dig­keit ver­lo­ren, son­dern sind ak­tu­el­ler denn je. Die Zei­ten, in de­nen die Grü­nen mit bis ins De­tail durch­rech­ne­ten Steu­er­kon­zep­ten in den Wahl­kampf zie­hen, sind vor­bei, sie be­sin­nen sich wie­der auf ih­re Kern­kom­pe­ten­zen. Selbst­be­wusst for­mu­lie­ren die Grü­nen ih­ren An­spruch, re­gie­ren zu wol­len. Aber sie sa­gen nicht mit wem – und le­gen gleich mehr­fach ro­te Li­ni­en fest, die so­wohl Bünd­nis­se mit der Uni­on (Ho­moEhe/Flücht­lings­nach­zug) als auch der SPD (Koh­le-Aus­stieg) er­schwe­ren.

Auf dem Par­tei­tag be­müh­ten sich Fun­dis wie Rea­los fast krampf­haft, die Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on in Kiel als ein sin­gu­lä­res Lo­kal­er­eig­nis oh­ne Vor­bild­cha­rak­ter klein­zu­re­den. Da­bei könn­te dies am En­de die ein­zi­ge Op­ti­on sein, zu re­gie­ren und da­für zu sor­gen, dass aus An­ge­la Mer­kel wirk­lich ei­ne Kli­ma­kanz­le­rin wird. Wenn Zu­kunft wirk­lich aus Mut ge­macht wird, wie die Grü­nen voll­mun­dig über ihr Wahl­pro­gramm ge­schrie­ben ha­ben, wä­re an die­ser Stel­le tat­säch­lich mehr Mut nö­tig ge­we­sen. Aber ein kla­res Be­kennt­nis zu Schwarz-Grün oder Ja­mai­ka hät­te wohl den müh­sam aus­ta­rier­ten Burg­frie­den zwi­schen den Flü­geln ge­fähr­det. So viel Mut ver­trägt die Öko­Par­tei denn doch nicht. Noch nicht.

Die Grü­nen set­zen auf ih­re Kern­kom­pe­ten­zen

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