Jetzt war­tet je­de Men­ge Ar­beit

Ma­cron hat freie Bahn für sei­ne Re­for­men / So­zia­lis­ten­chef tritt zu­rück

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rer Kor­re­spon­den­tin Christine Longin

Paris. Em­ma­nu­el Ma­cron nutz­te das Wo­che­n­en­de zur Frei­zeit­ge­stal­tung. Ra­deln mit Frau Bri­git­te und Tennis stan­den für den fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten auf dem Pro­gramm. Der 39-Jäh­ri­ge konn­te sich im schi­cken Ba­de­ort Le Tou­quet ent­spannt sei­nen Hob­bys wid­men, denn po­li­tisch stand für ihn nichts auf dem Spiel. Sei­ner Par­tei La Ré­pu­bli­que en Mar­che (LREM) war die ab­so­lu­te Mehr­heit in der Na­tio­nal­ver­samm­lung nicht mehr zu neh­men. Al­ler­dings fiel ihr Er­folg ge­rin­ger aus als in den letz­ten Um­fra­gen vor der Wahl er­war­tet. 61 Pro­zent der Fran­zo­sen hat­ten vor der Ab­stim­mung ge­sagt, das erd­rutsch­ar­ti­ge Er­geb­nis der ers­ten Run­de „kor­ri­gie­ren“zu wol­len.

„Die Fran­zo­sen ha­ben uns zur ers­ten po­li­ti­schen Kraft ge­macht“, sag­te LREM-Staats­se­kre­tär Mou­n­ir Mah­jou­bi im Fern­seh­sen­der BFMTV. Ma­crons Mi­nis­ter ge­wan­nen ih­re Wahl­krei­se. Das galt so­wohl für Fi­nanz­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re als auch für Woh­nungs­bau­mi­nis­ter Richard Fer­rand, der in ei­ne Be­güns­ti­gungs­af­fä­re ver­wi­ckelt ist. Der Sieg der erst vor 14 Mo­na­ten von Ma­cron ge­grün­de­ten Be­we­gung En Mar­che ging auf Kos­ten der tra­di­tio­nel­len Par­tei­en. Die kon­ser­va­ti­ven Re­pu­bli­ka­ner konn­ten nur mit ma­xi­mal 128 Ab­ge­ord­ne­ten rech­nen, nach­dem sie in der al­ten Na­tio­nal­ver­samm­lung noch 199 hat­ten. Ih­re Kan­di­da­ten be­haup­te­ten sich aber vor al­lem auf dem Land bes­ser als er­war­tet ge­gen LREM.

Die So­zia­lis­ten, die bis­her mit 292 Man­da­ten die Mehr­heit im Pa­lais Bour­bon stell­ten, ka­men nur noch auf ma­xi­mal 35 Ab­ge­ord­ne­te. Par­tei­chef Je­anChris­to­phe Cam­ba­dé­lis zog so­fort die Kon­se­quen­zen und kün­dig­te sei­nen Rück­tritt an. „Die Lin­ke muss al­les än­dern: nicht nur die Form, son­dern auch die Grund­la­gen. Sei­ne Ide­en und sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on“, sag­te der Kan­di­dat für ei­nen Sitz in Paris, der schon in der ers­ten Run­de aus­ge­schie­den war. „Wir müs­sen ei­nen neu­en Zy­klus be­gin­nen.“An sei­ne Stel­le soll nun erst ein­mal ei­ne kol­lek­ti­ve Par­tei­füh­rung tre­ten, die den Par­ti So­cia­lis­te (PS) er­neu­ern soll. „Der Ne­bel wird sich schnel­ler lich­ten als ge­glaubt“, sag­te der PS-Chef.

Fast so stark wie die So­zia­lis­ten wur­de La Fran­ce In­so­u­mi­se des Link­s­po­pu­lis­ten Je­an-Luc Mé­len­chon, der Hoch­rech­nun­gen zwi­schen 15 und 25 Par­la­men­ta­ri­er vor­aus­sag­ten. Mé­len­chon kün­dig­te an, dass sei­ne Par­tei da­mit den be­gehr­ten Frak­ti­ons­sta­tus ge­schafft ha­be. Der Front Na­tio­nal (FN) ver­fehl­te da­ge­gen die Frak­ti­ons­grö­ße. Mit min­des­tens sechs Ab­ge­ord­ne­ten schnitt die Par­tei von Ma­ri­ne Le Pen al­ler­dings bes­ser ab als bei den Par­la­ments­wah­len vor fünf Jah­ren, als sie nur zwei Sit­ze ge­won­nen hat­ten. Le Pen zieht für ih­ren Wahl­kreis Hé­nin-Beau­mont ins Pa­lais Bour­bon. Auch ihr Le­bens­ge­fähr­te Lou­is Ali­ot ge­wann ei­nen Par­la­ments­sitz eben­so wie Gil­bert Col­lard, der be­reits für den FN in der Na­tio­nal­ver­samm­lung saß. Ei­ne Nie­der­la­ge er­litt da­ge­gen Par­tei-Vi­ze Flo­ri­an Phil­ip­pot in sei­nem loth­rin­gi­schen Wahl­kreis Mo­sel­le.

Ma­cron hat nun freie Bahn für sei­ne Re­for­men. Auf ihn war­tet ei­ne an­stren­gen­de Wo­che. Be­reits mor­gen dürf­te er – wie nach ei­ner Par­la­ments­wahl üb­lich – die Re­gie­rung um­bil­den. Je­doch wer­den kaum gro­ße per­so­nel­le Ve­rän­de­run­gen er­war­tet.

Le Pen zieht in Na­tio­nal­ver­samm­lung ein

KEIN GE­DRÄN­GE: Wie hier in die­sem Pa­ri­ser Wahl­be­zirk war die Be­tei­li­gung am zwei­ten Durch­gang der Par­la­ments­wahl in Frank­reich äu­ßerst ge­ring. Fo­to: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.