Ein Kno­chen­job

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Berlin. Seit ei­nem hal­ben Jahr ist Mo­ni­ka Grüt­ters in zwei Wel­ten un­ter­wegs. Hier der Job als Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin, den sie so liebt: Bun­des­wei­tes Re­nom­mee, ei­ne Por­ti­on Gla­mour, auf Du und Du mit der Eli­te des Kunst­be­triebs, schi­ckes Bü­ro mit Traum­blick aus dem ach­ten Stock des Kanz­ler­amts. Und dort das Amt der CDU-Vor­sit­zen­den in Berlin, je­nem Lan­des­ver­band al­so, der seit Jahr­zehn­ten für sei­ne Macht­kämp­fe und In­tri­gen be­kannt ist und bei der Ab­ge­ord­ne­ten­haus­wahl 2016 auf sei­nem ab­so­lu­ten Tief­punkt von 17,6 Pro­zent an­kam. Kno­chen­ar­beit in den Mü­hen der Ebe­ne. Wer sich so et­was an­tut, braucht Mut und Elan. Die west­fä­li­sche Froh­na­tur Grüt­ters – seit zwei Jahr­zehn­ten in Berlin zu Hau­se

Grüt­ters krem­pelt die Ber­li­ner CDU um

– ließ sich im De­zem­ber in Kri­sen­zei­ten in die Pflicht neh­men. Im Grun­de konn­te sie nicht an­ders, hat sie der Par­tei doch ei­ni­ges zu ver­dan­ken. Am Wo­che­n­en­de wur­de die 55-Jäh­ri­ge auf ei­nem CDU-Lan­des­par­tei­tag für zwei Jah­re im Amt be­stä­tigt, gut 83 Pro­zent und Bei­fall im Ste­hen darf sie als Rü­cken­wind wer­ten. Selbst­ver­ständ­lich war das nicht, hat Grüt­ters doch der ver­krus­te­ten Haupt­stadt-Uni­on ein be­mer­kens­wer­tes Re­form­pro­gramm ver­ord­net – um sie wie­der zur Volks­par­tei zu ma­chen.

Mehr jun­ge Leu­te und Frau­en in der Füh­rungs­rie­ge, mehr Ein­bin­dung der kom­mu­na­len Ebe­ne und der Kreis­ver­bän­de im Ost­teil, mehr Ein­fluss für die Ba­sis et­wa durch Mit­glie­der­ent­schei­de, ei­ne of­fe­ne­re De­bat­ten­kul­tur: So et­was hört sich für man­che in der Par­tei wie Re­vo­lu­ti­on an. Denn manch­mal ist die Ber­li­ner CDU mit ih­rer Front­stadt­Ge­schich­te noch im­mer von al­ten West-Ber­li­ner Denk­mus­tern ge­prägt. Män­ner do­mi­nier­ten, die Pos­ten­ver­tei­lung wur­de in Hin­ter­zim­mern aus­ge­kun­gelt, mäch­ti­ge Be­zirks­fürs­ten vor al­lem in den star­ken Ver­bän­den im Wes­ten ver­schlis­sen lan­ge ei­nen Par­tei­chef nach dem an­de­ren.

„Wir brau­chen den Auf­bruch, die Er­neue­rung“, rief Grüt­ters auf dem Par­tei­tag den De­le­gier­ten zu. Die Ba­sis folg­te ihr, wähl­te ei­nen Lan­des­vor­stand mit vie­len fri­schen Ge­sich­tern, al­te Platz­hir­sche räum­ten ih­re Pos­ten. Nächs­te Be­wäh­rungs­pro­be für Grüt­ters ist jetzt die Bun­des­tags­wahl. Ste­fan Kru­se

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