AfD-Duo gibt sich kämp­fe­risch

Wei­del und Gau­land stim­men Par­tei in Karls­ru­he auf Wahl­kampf ein / Lau­te Pro­tes­te

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Karls­ru­he. Pünkt­lich­keit ge­hör­te beim Lan­des­par­tei­tag in Karls­ru­he nicht zu den obers­ten Tu­gen­den der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen AfD. Weil Bun­des­spre­cher Jörg Meu­then nach sei­nem Pfings­t­ur­laub of­fen­bar noch auf Kor­fu fest­saß und sich die An­kunft von Spit­zen­kan­di­dat Alex­an­der Gau­land deut­lich ver­zö­ger­te, wur­de die Zu­sam­men­kunft von Par­tei­füh­rung und Ba­sis am Wo­che­n­en­de erst mit ei­ner hal­ben St­un­de Ver­spä­tung und un­ter dem laut­star­ken Pro­test von rund 50 Ge­gen­de­mons­tran­ten vor der Bad­ner­land­hal­le Neu­reut of­fi­zi­ell er­öff­net.

„Die­ser Par­tei­tag wird oh­ne­hin ei­ne eher tro­cke­ne Ver­an­stal­tung“, kün­dig­te Spit­zen­kan­di­da­tin Ali­ce Wei­del kurz vor dem Ein­stieg in die Ta­ges­ord­nung den war­ten­den Me­di­en­ver­tre­tern noch an, denn der Be­schluss ei­ner neu­en Sat­zung so­wie die Wahl der Bun­des­kon­vents­de­le­gier­ten stün­den klar im Vor­der­grund. Bei ih­rer An­spra­che vor den rund 200 AfD-Mit­glie­dern ar­bei­te­te sich Wei­del je­doch zu­nächst ein­mal an der po­li­ti­schen Kon­kur­renz ab, schmäh­te SPD-Chef Mar­tin Schulz als „Kanz­ler­kan­di­da­ten mit Fremd­schäm­po­ten­zi­al“, den ehe­ma­li­gen Au­ßen­mi­nis­ter Josch­ka Fi­scher als „al­ten St­ei­ne­wer­fer“, die Grü­nen als „Gur­ken­trup­pe“so­wie Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) als „Ho­he­pries­te­rin des lin­ken Zeit­geists“. Ei­ne ech­te Al­ter­na­ti­ve zur der­zei­ti­gen Bun­des­po­li­tik konn­te Wei­del al­ler­dings nicht bie­ten, statt­des­sen kün­dig­te sie an, die „Alt­par­tei­en“auch wäh­rend des Wahl­kampfs vor sich her­trei­ben zu wol­len. Mit wel­chen The­men die AfD trotz sin­ken­der Um­fra­ge­wer­te bei den Wäh­lern punk­ten will, mach­te dann Gau­land klar. Mit mar­ki­gen Wor­ten stimm­te der AfDSpit­zen­kan­di­dat die Par­tei­ba­sis auf den Bun­des­tags­wahl­kampf ein und ern­te­te vor al­lem mit sei­nen Ti­ra­den ge­gen Ar­muts­ein­wan­de­rung, Kri­mi­na­li­tät und „So­zi­al­schma­rot­zer­tum“so­wie sei­ner Kri­tik an der „volks­ver­rä­te­ri­schen Politik“der Bun­des­re­gie­rung ste­hen­de Ova­tio­nen. Der Karls­ru­her Bun­des­tags­kan­di­dat Marc Jon­gen ko­ket­tier­te so­gar mit dem äu­ßers­ten rech­ten Rand, ver­un­glimpf­te SPD-Po­li­ti­ker Hei­ko Maas als „Mi­nis­ter für Zen­sur und Pro­pa­gan­da“und ver­glich den ak­tu­el­len Vor­stoß des Jus­tiz­mi­nis­ters für den Kampf ge­gen Hass­kom­men­ta­re mit dem 1934 ver­ab­schie­de­ten Heim­tü­cke­ge­setz. Au­ßer­dem mach­te sich Jon­gen – wie be­reits der thü­rin­gi­sche AfD-Frak­ti­ons­chef Björn Ho­cke bei sei­ner um­strit­te­nen Dresd­ner Re­de – für ei­ne er­in­ne­rungs­po­li­ti­sche Wen­de stark. „Man er­in­nert sich hier lie­ber an die dunk­len Epi­so­den der ei­ge­nen Ge­schich­te, als dass man die hel­len Er­eig­nis­se wie­der le­ben­dig wer­den lässt“, sag­te Jon­gen am 64. Jah­res­tag des Volks­auf­stands in der ehe­ma­li­gen DDR. Auch da­mals sei ein Re­gime „geis­tig und mo­ra­lisch am En­de“ge­we­sen und die Be­völ­ke­rung aus Pro­test auf die Stra­ße ge­gan­gen. „Und wir wer­den uns von geis­ti­gen Er­ben der Mau­er­schüt­zen­par­tei nicht die De­mo­kra­tie er­klä­ren las­sen.“

Am Ran­de des 11. AfD-Lan­des­par­tei­tags de­mons­trier­ten lin­ke Ak­ti­vis­ten ge­gen Hass und rech­te Het­ze. Sie ver­such­ten auch, AfD-Mit­glie­der und Gäs­te am Zu­gang zur Ta­gungs­hal­le zu hin­dern. Ein Po­li­zei­auf­ge­bot si­cher­te die Ver­an­stal­tung. Laut Po­li­zei lie­fen die Pro­tes­te fried­lich ab. Die Lin­ke er­stat­te­te An­zei­ge ge­gen Jon­gen, weil er vor der Hal­le ei­nen Hit­ler­gruß ge­zeigt ha­ben soll. Die Po­li­zei er­mit­telt we­gen Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Or­ga­ni­sa­tio­nen. Jon­gen wies den Vor­wurf zu­rück. Ekart Kin­kel

An­zei­ge ge­gen Jon­gen

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