Wand­ler als Al­ter­na­ti­ve

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

„Vie­le Men­schen in Deutsch­land über­schät­zen das Ri­si­ko der Ak­ti­en­märk­te und un­ter­schät­zen die Chan­cen“, sagt Ve­ro­ni­ka Csi­zi. Die Fi­nanz­jour­na­lis­tin lässt für die Le­se­rin­nen und Le­ser je­de Wo­che das Bör­sen­ge­sche­hen Re­vue pas­sie­ren und er­klärt da­bei die Zu­sam­men­hän­ge.

Der Chor der War­ner wird zwar lau­ter, man­che seh­nen ei­ne Kor­rek­tur her­bei, doch die gro­ßen In­di­zes be­fin­den sich fast durch­weg wei­ter in luf­ti­gen Hö­hen. Der Dax et­wa brö­ckel­te ver­gan­ge­ne Wo­che wie­der leicht ab, um 0,5 Pro­zent auf 12 753 Punk­te. Zu­vor hat­te der In­dex al­ler­dings noch ei­ne neue Höchst­mar­ke bei 12 921 Zäh­lern er­klom­men.

Zu den Ver­lie­rern ge­hör­ten vor al­lem Tech-Wer­te, al­so im Dax In­fi­ne­on und Sie­mens. Der Tech-Leit­in­dex Nas­daq 100 liegt ja in­zwi­schen drei Pro­zent un­ter sei­nem Hoch, was den Druck im Kes­sel der TechWer­te et­was re­du­ziert hat, aber noch deut­lich zu we­nig ist, um als ech­te Kor­rek­tur durch­zu­ge­hen. Die Kern­fra­ge vie­ler An­le­ger der­zeit – soll ich auf­ge­lau­fe­ne Buch­ge­win­ne we­nigs­tens teil­wei­se rea­li­sie­ren oder ei­ne denk­ba­re Kor­rek­tur aus­sit­zen? – lässt sich gar nicht li­ne­ar be­ant­wor­ten. An Ge­winn­mit­nah­men ist noch nie­mand ge­stor­ben.

Doch wer sei­ne Schäf­chen ins Tro­cke­ne bringt, muss ja auch wis­sen, wie der schüt­zen­de Stall aus­se­hen soll. Was tun mit dem Er­lös? An­lei­he-Kur­se ha­ben sich kurz­fris­tig bei stei­gen­den Ren­di­ten ver­bil­ligt, wa­ren al­so zu­letzt gar kein si­che­rer Hort. Im mit­tel­fris­ti­gen Ver­gleich sind sie trotz der neu­er­li­chen Zins­er­hö­hung der US-No­ten­bank je­doch im­mer noch sehr teu­er, zu­dem ver­speist die In­fla­ti­on in Deutsch­land nicht nur Ma­ger­zin­sen, son­dern auch ei­nen Teil der Sub­stanz. Soll­te die Zins­wen­de nach Eu­ro­pa schwap­pen, dann könn­ten An­lei­hen sich voll­ends zum Gift­cock­tail für An­le­ger ent­wi­ckeln.

Ei­ne Mög­lich­keit wä­re vi­el­leicht noch, zwi­schen den Wel­ten zu wan­dern, mit Wan­del­an­lei­hen. Die­se Zwit­ter­pa­pie­re sind ei­gent­lich An­lei­hen von Un­ter­neh­men, der Käu­fer ist Gläu­bi­ger und er­hält ei­nen Zins­ku­pon. Doch weil er – da­her der Na­me Wan­del­an­lei­he – ein Recht be­sitzt, die An­lei­he ge­gen Ak­ti­en des Un­ter­neh­mens zu tau­schen und da­mit zum Mit­eig­ner zu wer­den, re­agie­ren Wand­ler an­ders als nor­ma­le An­lei­hen: Sie ma­chen Kurs­ge­win­ne der Ak­tie zu et­wa zwei Drit­teln mit, bei schwa­chen Ak­ti­en­märk­ten ver­hal­ten sie sich um­ge­kehrt eher trä­ge wie An­lei­hen, auch auf stei­gen­de Zin­sen re­agie­ren sie ro­bust. Zwi­schen drei und sechs Pro­zent Ren­di­te sind im lang­fris­ti­gen Ver­gleich im Schnitt mit Wand­lern mög­lich ge­we­sen.

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