Mit sym­pa­thi­scher Spiel­freu­de

Ett­lin­ger Schloss­fest­spie­le star­ten mit „Jim Knopf“in die neue Frei­licht­sai­son

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Nie­mand, der bö­se ist, ist da­bei be­son­ders glück­lich“, sagt die Dra­chen­schur­kin Frau Mahl­zahn zum Schluss. Fast scheint sie dank­bar, dass Jim Knopf und Lu­kas der Lo­ko­mo­tiv­füh­rer mit Lo­ko­mo­ti­ve Em­ma in die Dra­chen­stadt ge­reist sind, sie über­wäl­tigt und al­le ge­stoh­le­nen Kin­der aus ih­ren Klau­en be­freit ha­ben: „Wir Dra­chen sind nur so bö­se, da­mit uns je­mand be­siegt.“

Ei­ne hal­be St­un­de frü­her – als die Drachin auf der Frei­licht­büh­ne im In­nen­hof des Schlos­ses Ett­lin­gen zum ers­ten Mal er­scheint – ist von die­ser Ein­sicht al­ler­dings noch nichts zu spü­ren. Mit gift­grü­ner Mas­ke und ge­spens­tisch lan­gen Bei­nen steht sie da: „Nicht sel­berrrrr den­ken, ge­horrrrr­chen!“, sagt sie mit ge­nüss­lich-grau­sam ge­roll­tem „r“und pikst ih­re Ge­fan­ge­nen, Prin­zes­sin Li-Si und den In­dia­ner­jun­gen, mit ei­nem Stock, wenn sie auf Re­chen­auf­ga­ben mit den rich­ti­gen und nicht den von ihr vor­ge­ge­be­nen Lö­sun­gen ant­wor­ten, „Was wahr ist, das be­stim­me ich!“er­klärt sie ih­nen. Nicht we­ni­ge der klei­ne­ren Be­su­cher der Pre­mie­re von „Jim Knopf und Lu­kas der Lo­ko­mo­tiv­füh­rer“klet­tern mit woh­li­gem Gru­sel auf den Schoß von Ma­ma oder Pa­pa.

Auch sonst kommt bei dem dies­jäh­ri­gen Kin­der­stück der Schloss­fest­spie­le Ett­lin­gen kei­ne Lan­ge­wei­le auf, was in ers­ter Li­nie an den Schau­spiel­leis­tun­gen des En­sem­bles liegt: Mit sicht­ba­rer Spiel­freu­de und un­trüg­li­chem Ge­spür für das rich­ti­ge Ti­ming hal­ten sie ihr jun­ges Pu­bli­kum bei der Stan­ge. Al­len vor­an Björn Ja­cob­sen, der mit sei­ner ra­send ko­mi­schen Kör­per­spra­che in sei­nen drei Ne­ben­rol­len, aber auch nur als Ak­teur im Hin­ter­grund al­len die Show stiehlt. Ähn­lich vie­le La­cher kas­siert Alis­sa Sna­gow­ski als Ping-Pong und Prin­zes­sin Li-Si.

Pe­ter Kemp­kes als Lo­ko­mo­tiv­füh­rer Lu­kas und ei­ne über­zeu­gen­de Ni­co­le Jan­ze als Jim Knopf bil­den ein sym­pa­thi­sches Team, für das es sich wäh­rend des nach dem Kin­der­buch von Micha­el En­de nach­er­zähl­ten Stü­ckes mit­zu­fie­bern lohnt. Stark spie­len auch Ni­co­le Jan­ze, Aki Tou­gi­an­n­i­dis und Dirk Wa­an­ders in al­len ih­ren Rol­len.

Ein Üb­ri­ges tun in der Ins­ze­nie­rung von Chris­ti­an Sun­kel-Zell­mer die fan­ta­sie­vol­len und kun­ter­bun­ten Ko­s­tü­me von Chirs­tin Schem­mel. Die­se sind al­ler­dings auch nö­tig an­ge­sichts der für ein Kin­der­stück sehr kar­gen Büh­ne, die nur aus ei­ner ho­hen Wand von schwar­zen, ver­schieb­ba­ren Ele­men­ten mit ein paar Klap­pen be­steht und vor der sich ein Groß­teil des Ge­sche­hens ab­spielt. Mit dem be­rühm­ten Lied „Ei­ne In­sel mit zwei Ber­gen“en­det nach ei­nem höchst span­nen­den Show­down zwi­schen Jim, Lu­kas und Frau Mahl­zahn das äu­ßerst emp­feh­lens­wer­te Stück, das vom Pre­mie­ren­pu­bli­kum mit fre­ne­ti­schem Ap­plaus ge­fei­ert wur­de. Ein we­nig ver­hal­te­ner kam der Ap­plaus von der rech­ten Tri­bü­nen­sei­te, wo auf­grund ei­ner schlech­ten Akus­tik lei­der man­che Dia­lo­ge völ­lig un­ver­ständ­lich an­ka­men. Mar­tha St­ein­feld

AUF ZUR IN­SEL MIT ZWEI BER­GEN geht es im dies­jäh­ri­gen Kin­der­stück der Ett­lin­ger Schloss­fest­spie­le „Jim Knopf und Lu­kas der Lo­ko­mo­tiv­füh­rer“. Fo­to: SFE

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