Glücks­ge­füh­le in­klu­si­ve

Jazz mit Jo­han­nes Mül­ler im Staats­thea­ter Karls­ru­he

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Mu­sik ent­steht ge­ne­rell an den un­mög­lichs­ten Or­ten und zu den un­wahr­schein­lichs­ten Zei­ten“, er­zählt Jo­han­nes Mül­ler bei der „Jazz Night“im Ba­di­schen Staats­thea­ter. Nicht nur sein Song „Loss Of A Tooth“un­ter­streicht die­se Aus­sa­ge. Er kam auf, nach­dem dem Sa­xo­fo­nis­ten ein Zahn ge­zo­gen wur­de und er län­ger nicht spie­len konn­te. Auch sein Hund mischt beim Kom­po­si­ti­ons­pro­zess mit, wie Mül­ler la­chend be­tont. Der ver­spiel­te Spa­nier, der beim Gas­si-Ge­hen schon ein­mal im 15/4-Takt (!) in der Ge­gend her­umhopst, steht Pa­te für das Bass-Pat­tern in „A Dog­walk“. Die Num­mer ist zu­gleich ein ver­track­tes klei­nes Ding und ein Groo­ve-Mons­ter, bei dem man am bes­ten schnell den Kopf aus- und das Ge­fühl ein­schal­tet. Die vie­len Vier­tel zäh­len sol­len bit­te schön die Mu­si­ker, mit­wip­pen geht auch so – zu­mal der Song ganz am En­de plötz­lich in ei­ne feu­ri­ge Sal­sa Cu­ba­na um­schlägt.

Das Über­ra­schungs­mo­ment ha­ben der Saar­län­der und sei­ne spiel­freu­di­ge Band oh­ne­hin im­mer wie­der auf ih­rer Sei­te. Wer hät­te zum Bei­spiel ge­dacht, dass Phar­rell Wil­li­ams’ Gu­te-Lau­neKra­cher „Hap­py“in ei­ner auf­ge­dreh­ten, jen­seits al­ler Kli­schees an­ge­sie­del­ten La­tin-Be­ar­bei­tung noch mehr Schwung ge­win­nen könn­te? Glücks­ge­füh­le in­klu­si­ve! Oder dass der ei­gent­lich von Ei­fer­sucht und Kon­troll­zwang han­deln­de Po­li­ce-Hit „Every Bre­ath You Ta­ke“durch die ent­rück­ten Vo­cals von Andrea Reich­hart plötz­lich in zar­ter Un­schuld und oh­ne je­de Bit­ter­keit er­strah­len könn­te? Die Sän­ge­rin er­wei­tert die Band in ei­ni­gen Songs mit ih­rer be­tö­ren­den Stimm­far­be.

Kurz­um: Was Jo­han­nes Mül­ler (Sa­xo­fon), Vol­ker En­gel­berth (Kla­vier, Lan­des­jazz­preis­trä­ger Ba­den-Würt­tem­berg 2016), Gau­tier Lau­rent (Bass), Car­los Nar­doz­za (Trom­pe­te) und Chris Stri­ke (Drums) bei Ei­gen­kom­po­si­tio­nen und aus­ge­wähl­ten Be­ar­bei­tun­gen vom Sta­pel las­sen, ist gro­ßes Ki­no. Der Jaz­zTra­di­ti­on ver­bun­den und gleich­zei­tig frei im Aus­druck lie­fern sie auf den Punkt ab. Das aus­ge­zeich­ne­te Al­bum „Gloo­my Smo­key Light“ge­winnt live so­gar noch durch die In­ter­ak­ti­on der Mu­si­ker, die beim Spie­len eben­falls strah­len­de Au­gen be­kom­men. Ja, auch auf der Büh­ne hat man ganz of­fen­sicht­lich Spaß – was man deut­lich hört! „Gre­at Ex­pec­ta­ti­ons“heißt ei­ner von Jo­han­nes Mül­lers Ti­teln, und al­le gro­ßen Er­war­tun­gen wur­den tat­säch­lich er­füllt. Ein bes­se­res Sai­son­fi­na­le der Jazz Nights hät­te man sich nicht wün­schen kön­nen. Eli­sa Rez­nicek

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