Na­tur­pa­ra­dies ver­wan­del­te sich in Feu­er­höl­le

Ein Blitz­ein­schlag lös­te den ver­hee­ren­den Brand aus / Land­stra­ße wur­de für vie­le zur To­des­fal­le

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­ren Mit­ar­bei­tern Emi­lio Rap­pold und San­dra Ro­d­ri­gues

Lis­s­a­bon. Nach dem nächt­li­chen Feuer­in­fer­no bot das sonst be­schau­li­che Na­tur­pa­ra­dies Pe­drógão Gran­de ein Bild des Grau­ens. Wäh­rend die Feu­er­wehr ei­ni­ge hun­dert Me­ter wei­ter die Flam­men wei­ter un­er­müd­lich be­kämpf­te, irr­ten Men­schen in aus­ge­brann­ten Dör­fern und Fel­dern um­her, hilf­los und ver­zwei­felt. Wo bis Sams­tag noch Pi­ni­en und schmu­cke Häu­schen stan­den, wo sich Wan­de­rer und Was­ser­sport­ler auf La­gu­nen und Stau­se­en ver­gnüg­ten, wa­ren nur noch schwarz­graue Asche und viel Rauch zu se­hen.

„Was für ei­ne Tra­gö­die. Das Haus mei­ner Oma wur­de dem Erd­bo­den gleich­ge­macht“, sagt An­tó­nio Pi­res im 580-Ein­woh­ner-Dorf Vi­la Fa­caia. Der 40-Jäh­ri­ge muss schlu­cken, be­vor er mit zitt­ri­ger Stim­me wei­ter be­rich­tet: „Vier mei­ner An­ge­hö­ri­gen und Nach­barn sind in der Nacht ums Le­ben ge­kom­men. Ich ha­be Lei­chen ge­se­hen.“Der Brand wur­de den Be­hör­den zu­fol­ge durch ei­nen vom Blitz ge­trof­fe­nen Baum aus­ge­löst. Die Ka­ta­stro­phe nahm dann nach Ein­bruch der Dun­kel­heit ih­ren Lauf. Ei­ne Land­stra­ße wur­de blitz­schnell zur töd­li­chen Fal­le. Min­des­tens 30 Men­schen star­ben hier in ih­ren Fahr­zeu­gen ei­nen qual­vol­len Tod. „Dut­zen­de Au­tos brann­ten bin­nen Se­kun­den lich­ter­loh. Die Ar­men hat­ten kei­nen Aus­weg“, er­zählt ein sicht­lich mit­ge­nom­me­ner Au­gen­zeu­ge dem Fern­sen­der RTP. Hin­ter dem RTP-Reporter Dut­zen­de ver­kohl­te Au­to­wracks. Es sind stil­le Zeu­gen der Pa­nik, die ge­herrscht ha­ben muss. Rund 900 Feu­er­wehr­leu­te wa­ren mit fast 300 Lösch­fahr­zeu­gen im Ein­satz. Spa­ni­en und Frank­reich ent­sand­ten Lösch­flug­zeu­ge, um den Feu­er­wehr­leu­ten im Nach­bar­land zu hel­fen.

Por­tu­gal trau­ert wie sel­ten zu­vor. Jor­ge Go­mes, Staats­se­kre­tär im In­nen­mi­nis­te­ri­um, muss­te bei je­der neu­en Op­fer­bi­lanz mit den Trä­nen kämp­fen. Re­gie­rungs­chef An­tó­nio Cos­ta sag­te: „Wir kön­nen uns an kei­ne schlim­me­re Tra­gö­die er­in­nern.“Und Staats­ober­haupt Mar­ce­lo Re­be­lo de Sou­sa, der noch in der Nacht zum Un­glücks­ort ge­fah­ren war, fiel dem Bür­ger­meis­ter von Pe­drógão Gran­de, Val­de­mar Al­ves, nach der An­kunft in die Ar­me. Bei­de wein­ten.

Es wur­de aber nicht nur ge­trau­ert in Por­tu­gal, son­dern auch viel ge­schimpft. Vie­le Be­woh­ner der von den Flam­men zer­stör­ten oder be­droh­ten Häu­ser sag­ten, sie hät­ten stun­den­lang nicht ei­nen ein­zi­gen Feu­er­wehr­mann ge­se­hen. „Wir hat­ten we­der Was­ser, noch Strom und wur­den zu al­lem Übel un­se­rem Schick­sal über­las­sen“, schimpf­te auch An­tó­nio Pi­res. Der an­ge­se­he­ne Forst­wis­sen­schaft­ler Pau­lo Fer­nan­des von der Uni­ver­si­tät Trás-os-Mon­tes ver­si­cher­te so­gar, man hät­te die Tra­gö­die vom Wo­che­n­en­de ver­hin­dern kön­nen. Oder zu­min­dest das Aus­maß der Ka­ta­stro­phe et­wa durch recht­zei­ti­ges Sper­ren von Stra­ßen in Gren­zen hal­ten kön­nen. Man müs­se un­ter an­de­rem die me­teo­ro­lo­gi­schen Da­ten bes­ser nut­zen, for­dert er.

ZEU­GEN DES INFERNOS: Ei­ne Land­stra­ße wur­de für vie­le Au­to­fah­rer zur töd­li­chen Fal­le. Min­des­tens 30 Men­schen star­ben in den völ­lig aus­ge­brann­ten Au­tos. Fo­to: dpa

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