Wie­der To­ter bei il­le­ga­lem Au­to­ren­nen

38-jäh­ri­ger Fuß­gän­ger hat­te kei­ne Chan­ce / Po­li­zei fahn­det nach dem Fah­rer

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Marc Her­wig

Mönchengladbach. Der Fuß­gän­ger hat­te kei­ne Chan­ce, als die bei­den Au­tos auf ihn zu­ras­ten. Ein il­le­ga­les Au­to­ren­nen in Mönchengladbach hat ei­nen un­be­tei­lig­ten 38-Jäh­ri­gen in der Nacht zum Sams­tag das Le­ben ge­kos­tet. Der Mann woll­te ge­ra­de ei­ne Stra­ße über­que­ren, als die bei­den Au­tos her­an­ras­ten. Wie auf ei­ner Renn­stre­cke sol­len sich die jun­gen Fah­rer mit ih­ren hoch­mo­to­ri­sier­ten Wa­gen auf der vier­spu­ri­gen Stra­ße über­holt und ge­gen­sei­tig blo­ckiert ha­ben. Nach dem töd­li­chen Un­fall such­te ei­ner von ih­nen das Wei­te – die Po­li­zei fahn­de­te ges­tern noch mit Hoch­druck nach ihm. Der 28-Jäh­ri­ge, der den Fuß­gän­ger er­fasst hat­te, stell­te sich. Er kam aber nach we­ni­gen St­un­den wie­der auf frei­en Fuß.

Wie es zu dem Ren­nen kam, ist für die Po­li­zei noch weit­ge­hend un­klar. Der 28-Jäh­ri­ge ha­be in den ers­ten Ver­neh­mun­gen zu vie­len De­tail­fra­gen ge­schwie­gen, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. So blei­ben den Er­mitt­lern zu­nächst ein­mal nur die Aus­sa­gen von Zeu­gen. Doch da­von gibt es ei­ni­ge. Nach ih­ren An­ga­ben ist die Po­li­zei über­zeugt, dass sich das il­le­ga­le Au­to­ren­nen schon ei­ne gan­ze Zeit vor dem töd­li­chen Un­fall ent­wi­ckelt hat­te. Mit­ten in der In­nen­stadt ging es laut Zeu­gen­aus­sa­gen zu wie auf ei­ner Renn­stre­cke: Der bis­lang un­be­kann­te Kon­tra­hent des 28-Jäh­ri­gen lag wohl vorn. Um nicht über­holt zu wer­den, sei der Mann in der Mit­te der vier­spu­ri­gen Stra­ße ge­fah­ren und ha­be durch Lenk­be­we­gun­gen ver­sucht, den 28-Jäh­ri­gen am Über­ho­len zu hin­dern. Doch der woll­te so leicht nicht auf­ge­ben, fuhr laut Po­li­zei auf die Fahr­bahn des Ge­gen­ver­kehrs und setz­te dort zum Über­ho­len an. Ob er da­bei zwi­schen­zeit­lich die Kon­trol­le über sein Fahr­zeug ver­lor, blieb zu­nächst un­klar. Dass vor ihm ge­ra­de der 38-Jäh­ri­ge aus Mönchengladbach die Stra­ße über­quer­te, be­kam der 28-Jäh­ri­ge nicht oder zu spät mit. Der Fuß­gän­ger wur­de bei dem Zu­sam­men­prall mit dem Au­to so schwer ver­letzt, dass er noch an der Un­fall­stel­le starb. Wie schnell die Ra­ser bei er­laub­ten 40 Ki­lo­me­tern pro St­un­de un­ter­wegs wa­ren, soll nun ein Sach­ver­stän­di­ger re­kon­stru­ie­ren.

In der Ver­gan­gen­heit hat es in Deutsch­land im­mer wie­der schwe­re Un­fäl­le durch il­le­ga­le Au­to­ren­nen ge­ge­ben. Heu­te be­ginnt in Saar­lou­is im Saar­land der Pro­zess um ein mut­maß­li­ches il­le­ga­les Ren­nen. Ein 23-jäh­ri­ger soll da­bei in ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­cher ge­rast sein. Ein 14-Jäh­ri­ger starb, ein 16-Jäh­ri­ger wur­de schwer ver­letzt. Die Staats­an­walt­schaft hat den 23-Jäh­ri­gen we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung an­ge­klagt. Noch vor der Bun­des­tags­wahl will die Gro­ße Ko­ali­ti­on ein Ge­setz be­schlie­ßen, das für il­le­ga­le Au­to­ren­nen Stra­fen bis zu zwei Jah­ren Haft vor­sieht – und bis zu zehn Jah­ren, wenn je­mand schwer ver­letzt oder ge­tö­tet wird.

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