Töd­li­cher Neu­zu­gang

Männ­li­che Pa­via­ne brin­gen manch­mal Nach­wuchs frem­der Weib­chen um

Pforzheimer Kurier - - TIER UND NATUR - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Nad­ja Wolf

Ke­nia. Männ­li­che Pa­via­ne tö­ten un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen den ge­bo­re­nen und so­gar den un­ge­bo­re­nen Nach­wuchs von frem­den Weib­chen, um sich selbst schnel­ler fort­pflan­zen zu kön­nen. Das ha­ben For­scher nun ge­nau­er un­ter­sucht. Sie wer­te­ten die Da­ten von Pa­vi­an­grup­pen aus, die seit 1971 in ei­nem Re­ser­vat in Ke­nia le­ben, und ver­öf­fent­lich­ten die Er­geb­nis­se in der Fach­zeit­schrift „Pro­cee­dings of the Roy­al So­cie­ty B“.

Wenn mäch­ti­ge Männ­chen neu zu der Grup­pe ka­men, stieg in ei­ni­gen Fäl­len kurz dar­auf die Zahl der ge­tö­te­ten Jung­tie­re und Fö­ten. Von ei­ni­gen Tier­ar­ten, wie Pri­ma­ten, Lö­wen oder Wa­len ist be­kannt, dass Männ­chen un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen nicht­ver­wand­te Säug­lin­ge tö­ten. Denn so­lan­ge die Mut­ter das Kind nährt, ist ih­re Frucht­bar­keit ein­ge­schränkt. Be­son­ders Tie­re, die neu in ei­ne Grup­pe zu­wan­dern, er­hö­hen auf die­se Wei­se ih­re Fort­pflan­zungs­chan­cen. We­nig er­forscht war bis­lang in wel­chem Aus­maß und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen ei­ni­ge Pri­ma­ten auch wer­den­de Müt­ter an­grei­fen und durch Atta­cken auf den Bauch un­ge­bo­re­ne Kin­der tö­ten.

Ei­ne For­scher­grup­pe aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und aus Ke­nia un­ter­such­te die­ses Ver­hal­ten, Fe­to­zid ge­nannt, nun ge­nau­er. Das Team um Mat­t­hew Zipp­le, von der Du­ke Uni­ver­si­ty in Dur­ham ana­ly­sier­te Da­ten der ver­gan­ge­nen 45 Jah­re über die ke­nia­ni­schen Pa­vi­an­grup­pen. Do­ku­men­tiert wa­ren auch die Zy­klen der Weib­chen, die bei Pa­via­nen an äu­ßer­li­chen Merk­ma­len er­kenn­bar sind. Das Team kon­zen­trier­te sich je­weils auf den Zei­t­raum von zwei Wo­chen nach der Zu­wan­de­rung neu­er männ­li­cher Tie­re. Die For­scher be­ob­ach­te­ten das bru­ta­le Ver­hal­ten der Männ­chen bei der Stu­die nicht di­rekt, son­dern zo­gen ih­re Zah­len et­wa aus der Ra­te ab­ge­bro­che­ner Schwan­ger­schaf­ten. Auf Schwan­ger­schaf­ten konn­ten sie auf­grund der äu­ßer­lich sicht­ba­ren Zy­klus-Zei­chen schlie­ßen. Zu Pro­ble­men kam es nur, wenn be­stimm­ten Tie­re hin­zu­ka­men, die sich in kur­zer Zeit ei­nen ho­hen Sta­tus si­cher­ten und auch ei­ni­ge Zeit in der Grup­pe blie­ben. Der Sta­tus be­stimmt sich bei Pa­via­nen nach der Kampf­kraft.

75 Al­pha-Männ­chen ka­men im Be­ob­ach­tungs­zeit­raum ein­zeln neu in Pa­vi­an­grup­pen – meist oh­ne die Mit­glie­der zu ge­fähr­den. In sie­ben Fäl­len al­ler­dings stieg die Zahl der Ge­tö­te­ten stark an, da die An­kömm­lin­ge je­weils gleich meh­re­re Tie­re an­grif­fen. Laut der For­scher, tö­te­ten die­se sie­ben Pa­via­nen zu­sam­men­ge­rech­net min­des­tens sechs Jung­tie­re und 13 Fö­ten. Die For­scher ge­hen da­von aus, dass es sich nicht um ei­ne all­ge­mein über­stei­ger­te Ag­gres­si­vi­tät oder um ein Macht­ge­ba­ren han­del­te, da kei­ne Jung­tie­re star­ben, die äl­ter als ein Jahr wa­ren. 15 Weib­chen über­leb­ten den An­griff auf ih­ren ge­bo­re­nen oder un­ge­bo­re­nen Nach­wuchs und elf von die­sen paar­ten sich in der Fol­ge­zeit mit dem An­grei­fer. Keins die­ser Weib­chen wä­re zu dem Zeit­punkt frucht­bar ge­we­sen, wä­re der Nach­wuchs nicht ge­tö­tet wor­den. Die For­scher ge­hen da­her da­von aus, dass der Fe­to­zid, ge­nau wie die Kinds­tö­tung, un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen ein Se­lek­ti­ons­mit­tel ist.

Der Se­lek­ti­ons­druck und da­mit die An­grif­fe ge­gen den Nach­wuchs nah­men, nach For­scher­an­ga­ben zu, wenn die Grup­pe re­la­tiv iso­liert leb­te und es be­son­ders viel Nach­wuchs und we­nig Nah­rung gab.

Mo­tiv ist Aus­sicht auf schnel­le­re Fort­pflan­zung

SPIELTRIEB: Mit ei­nem Kür­bis spielt die­ser jun­ge Pa­vi­an im Tier­park Ha­gen­beck in Ham­burg. In frei­er Na­tur le­ben die Tie­re manch­mal ge­fähr­lich. Fo­to: Chris­ti­an Cha­ri­si­us

MORDTRIEB: Ein Pa­vi­an tö­tet ein frem­des Jun­ges. Fo­to: Du­ke Uni­ver­si­ty/Mu­tu­tua

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