Rad­ler und Spa­zier­gän­ger er­obern die Stra­ße

Bei „Mo­bil oh­ne Au­to“wird die Würm­tal­stre­cke zum er­leb­nis­rei­chen Aus­flugs­ziel

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Mas­kott­chen Gol­di be­grüßt die Teil­neh­mer zum „Er­leb­nis Würm­tal“am Kup­fer­ham­mer per­sön­lich. Da spielt Bau­bür­ger­meis­te­rin Si­byl­le Schüs­s­ler fast ei­ne Ne­ben­rol­le, schwingt sich aber als­bald auf ihr E-Bi­ke, um als Vor­rei­te­rin auf die Würm­tal­stre­cke zu ge­hen. „Ei­ne tol­le Ak­ti­on“, ruft sie schnell noch und er­in­nert an die eh­ren­amt­li­chen An­fän­ge der Ak­ti­on „Mo­bil oh­ne Au­to“vor et­wa 15 Jah­ren, die jetzt von der WSP or­ga­ni­siert wird. In sau­be­rer Luft, die beim Stand von „Wir in Pforz­heim“durch Mes­sun­gen des Fe­in­staubs be­stä­tigt wird, geht es hin­ein in das idyl­li­sche

Grü­ne Ju­gend ver­teilt Äp­fel und Bir­nen

Fluss­tal und das Ver­gnü­gen, das Au­to für ein paar St­un­den von der Stra­ße ver­drängt zu ha­ben.

Oh­ne Au­to sind vor al­lem die Kin­der völ­lig si­cher beim Üben mit rol­len­den Fort­be­we­gungs­mit­teln, sei es Drei­rad, Kin­der­rad mit Stütz­rä­dern oder der gu­te al­te Rol­ler. Wenn es Pa­pa zu lang­sam ist, hängt er per Kupp­lung das Rad hin­ten an, wenn nicht die Kleins­ten gleich im An­hän­ger Platz ge­nom­men ha­ben. Schon nach ei­nem Ki­lo­me­ter auf dem Weg nach Würm un­ter­bricht ein Stopp die Fahr­rad-Lek­ti­on: Beim Stadt­ju­gend­ring ver­führt ei­ne Hüpf­burg. Da brau­chen Pa­pa und Ma­ma Ge­duld, auch et­was wei­ter auf der Grill­wie­se, wo der Stall Fitz Patric Würm sei­ne Po­nys auf­tra­ben lässt.

Wer dem­nächst mal ein flot­te­res Rad, vi­el­leicht ein E-Bi­ke er­wer­ben möch­te, kann sich bei St­ei­ner­de­sign oder Bi­ke Sport Höhn die Neu­hei­ten an­schau­en und aus­pro­bie­ren. Auf der Stra­ße prescht ein un­glei­ches Paar vor­bei – sie auf dem schma­len Renn­rad, er auf ei­nem Fat-Bi­ke, das ein dröh­nen­des Ab­roll­ge­räusch wie ei­ne Stra­ßen­bahn er­zeugt. Hei­ko Gu­gau macht mit sei­nem „Ski­ke“kurz Pau­se – ein Ge­rät, das In­li­nern ähn­lich, aber nur zwei Rä­der vor und hin­ter dem Fuß be­sitzt. „Da­mit kann ich den Berg run­ter, über holp­ri­ge Wald­we­ge oder Wie­sen und da­bei gut ab­brem­sen“, sagt Gu­gau. Die Viel­falt scheint un­end­lich zu sein: Ne­ben dem alt­be­kann­ten Tan­dem fin­den sich Ein­rä­der, auf de­nen zwei Jungs traum­wand­le­risch si­cher das Tal hin­auf ba­lan­cier­ten. Lie­ge­rä­der er­lau­ben den Blick in den Him­mel und man­che sind auch als Spa­zier­gän­ger, Jog­ger oder mit dem mo­to­ri­sier­ten Roll­stuhl un­ter­wegs. Ei­ne Mut­ter lässt zwei Kin­der­wa­gen im Par­al­lel­schwung lau­fen. Bei so viel An­trieb müs­sen Ka­lo­ri­en zum Tan­ken her: Gan­ze Pulks sind schon um 12 Uhr un­ter­wegs, die ei­lig über­ho­len, um recht­zei­tig in Mühl­hau­sen zu sein, wo sich die Ver­ei­ne mit Es­sens­an­ge­bo­ten über­schla­gen.

Ge­sund­heits­be­wusst ging es bei der „Bar­mer“zu, wo Kin­der ei­nen Ge­schick­lich­keits-Par­cours ab­sol­vie­ren kön­nen. Bei der Grü­nen Ju­gend gibt es Ba­na­nen und Äp­fel. Der ADFC co­diert Fahr­rä­der, um Die­be ab­zu­schre­cken und das Auf­fin­den ei­nes ge­stoh­le­nen Rads zu er­leich­tern, wie Mar­kus Le­de­rer er­zählt. Das DRK de­mons­triert Wie­der­be­le­bung an Ted­dys. Nach Würm be­ginnt die lan­ge Durst­stre­cke nach Mühl­hau­sen. Wer die 16 Ki­lo­me­ter schaf­fen will, muss sich hier Re­ser­ven zu­le­gen. Oder et­was wei­ter, bei der Gru­be Kä­fer­stei­ge. Hier sit­zen ein Dut­zend ehe­ma­li­ger Berg­leu­te am „Glück auf“-Stamm­tisch und re­den von bes­se­ren Zei­ten. Da­zu rei­chen die „Freun­de des Berg­werks“Schmalz­brot mit Wil­li­ams Christ – einst tra­di­tio­nell ver­speist nach der Gru­ben­be­fah­rung.

ZAHL­REI­CHE RAD­LER AL­LER ART und Fuß­gän­ger mach­ten sich ges­tern auf den Weg über die Würm­tal­stre­cke. Für ein paar St­un­den wa­ren Au­tos dort von der Stra­ße ver­bannt. Fo­to: Wa­cker

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