Pro­ben für den „Gold­rausch“

Clair Ho­wells stu­diert mit Frei­wil­li­gen Tanz­schrit­te ein

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

„Toll, dass so was ge­macht wird“, fin­det Rein­hold Obrei­ter. Im nächs­ten Satz ent­schul­digt sich der 66-jäh­ri­ge Pforz­hei­mer schon fast wie­der für „so was“, weil die Stadt doch am Hun­ger­tuch na­ge und das Thea­ter Ti­ta­nick ja auch ein biss­chen was kos­te. Kos­ten tut der Se­ni­or, der Sport­ar­ten al­ler Art vom Li­ne­Dance bis zum Berg­wan­dern liebt, auf je­den Fall schon mal nichts. Im Ge­gen­teil: Obrei­ter bringt der Stadt sein eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment und sei­ne Be­geis­te­rung für die ei­ge­nen Stadt. Sonst wür­de er nicht be­reits seit April das vier­te Wo­che­n­en­de im „Lu­ther­saal“am Schloss­berg ver­brin­gen und schwit­zen. Mit zehn an­de­ren Teil­neh­mern und mit Hil­fe von Clair Ho­wells vom Thea­ter Ti­ta­nick übt er Tanz­schrit­te ein, mit de­nen sich die Lai­en­dar­stel­ler aus der Bür­ger­schaft in die gro­ße Ju­bi­lä­ums­pa­ra­de ein­brin­gen, die am 28. und 29. Ju­li (je­weils ab 21.30 Uhr) durch die Gold­stadt zieht. Zu Eh­ren des 250-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­ums der Uh­ren- und Schmuck­in­dus­trie.

Die „Gold­rausch“Open-Air-Thea­ter­Ins­ze­nie­rung wird man nicht über­se­hen kön­nen, denn im Schlepp­tau hat sie ei­ne gro­ße Schmuck­scha­tul­le, die sich an min­des­tens sie­ben Sta­tio­nen je nach his­to­ri­scher Aus­sa­ge ver­än­dert. Mal quillt aus ihr das Gold her­aus, dann ver­wan­delt sie sich in ei­ne Fa­b­rik, wie Re­gis­seu­rin José van Tui­jl er­zählt. Dort sto­ßen dann auch laut dem mu­si­ka­li­schen Lei­ter Uwe Köh­ler al­le mög­li­chen Ein­wan­de­rer-Grup­pen da­zu. Blau, rot, gelb und schwarz ge­klei­det, um die ver­schie­de­nen Kul­tu­ren dar­zu­stel­len. Am En­de wird das gol­de­ne Band am Markt­platz von ei­nem Meer an ver­schie­den­far­bi­gen Bän­dern er­gänzt. Ein Sym­bol der Zu­sam­men­ge­hö­rig­keit.

Doch bis da­hin wird noch ei­ne Men­ge Schweiß flie­ßen. Vor al­lem zwei Wo­chen vor der gro­ßen Pa­ra­de – da wird laut Clair Ho­wells je­den Tag abends ge­probt. Und zwar nicht nur in der elf­köp­fi­gen Trup­pe im Lu­ther­saal, son­dern an vie­len Or­ten gleich­zei­tig. Tän­ze, Be­we­gun­gen wer­den ein­stu­diert, Mu­sik ge­probt, Ver­ei­ne neh­men teil und vie­le ein­zel­ne Bür­ger. Et­wa 200 Mit­wir­ken­de sind es. Mit­te Ju­li kön­nen noch Kurz­ent­schlos­se­ne da­zu sto­ßen (sie­he „Ser­vice“).

Die ler­nen dann al­ler­dings nicht mehr das, was Rein­hold Obrei­ter der­zeit ein­stu­diert: Mar­schie­ren und gleich­zei­tig Be­we­gun­gen mit den Ar­men ma­chen wie ein Flug­lot­se et­wa. Und dann soll die Grup­pe auch noch ei­nen Aus­fall­schritt mit er­ho­be­nen Ar­men in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen ma­chen. „Stellt euch ei­ne Omi vor oder eu­ren Chef. Und: Sur­pri­se!“, sagt Clair Ho­wells. Über­ra­schend soll die Ges­te sein und na­tür­lich mit ei­nem Lä­cheln prä­sen­tiert. An den ver­schie­de­nen Sta­tio­nen dür­fen sich die Teil­neh­mer in un­ter­schied­li­che Ko­s­tü­me stür­zen. „Die se­hen ganz toll aus, wir ha­ben noch kei­ne pro­biert, aber Ent­wür­fe ge­se­hen.“Die Au­gen von Se­nio­rin Chris­ta Let­zel­ter-Walch aus Rem­chin­gen-Sin­gen leuch­ten. Sie woll­te „schon im­mer“bei „so et­was“mit­ma­chen und ist be­geis­tert bei der Sa­che. Und na­tür­lich wis­sen die Teil­neh­mer, die so viel Zeit op­fern, in­zwi­schen auch, was ein Se­ckel und ein Rass­ler ist. Denn das Thea­ter Ti­ta­nick, das laut Uwe Köh­ler be­reits im De­zem­ber 2013 ihr ei­gens für das Gold­stadt­ju­bi­lä­um ent­wor­fe­nes Kon­zept im Rat­haus vor­ge­stellt hat, wer­de vor al­lem die­je­ni­gen in den Mit­tel­punkt he­ben, die für den Ruf Pforz­heims als Gold­stadt ge­schuf­tet ha­ben.

MIT­TEN DRIN STATT NUR DA­BEI: Die Bür­ger, die für die Gold­rausch-Pa­ra­de im Lu­ther­saal üben, sind über­aus mo­ti­viert da­bei. Fo­to: Roth

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