Schril­le Chan­sons und ei­ne sen­si­ble Sei­te Tim Fi­scher be­geis­tert Pu­bli­kum im Os­ter­feld

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

„Wir ha­ben uns in Sie ver­liebt“, ge­steht Tim Fi­scher am En­de des Sams­tag­abends. Zu­sam­men mit Rainer Bie­le­feld, der ihm so­wohl am Kla­vier als auch ge­sang­lich be­glei­te­te, hat­te der 44-jäh­ri­ge Chan­son­nier sein gut zwei­stün­di­ges Pro­gramm ab­sol­viert, das ein rest­los be­geis­ter­tes Pu­bli­kum zu­rück lässt.

Im gro­ßen Saal des Kul­tur­hau­ses Os­ter­feld springt der Fun­ken mit Auf­tre­ten des Künst­lers so­fort auf das Pu­bli­kum über. Tem­po­reich star­tet das Pro­gramm mit „Ab­so­lut“, das der neu­en CD und der Tour den Ti­tel gab. Mit „Hit­ler“par­odiert Fi­scher mit schnar­ren­der Stim­me den „Füh­rer“. Es fol­gen süf­fi­san­te, fri­vo­le Ti­tel, die sich mit (ver­lo­ge­ner) Moral, deut­schem Spieß­bür­ger­tum und na­tür­lich Sex aus­ein­an­der­set­zen. Da­bei prä­sen­tiert Fi­scher nicht nur an­spruchs­vol­le Chan­sons von Tho­mas Pi­gor, Se­bas­ti­an Krä­mer und Edith Jes­ke.

Mit sei­ner In­ter­pre­ta­ti­on von „Der letz­te Tanz“be­weist er, dass auch ei­ne Schnul­ze von Chris­ti­an An­ders durch­aus das Zeug zur gro­ßen Gro­tes­ke hat. Als er dann auch noch ei­nen jun­gen Mann aus der ers­ten Rei­he, zum „Tänz- chen“, auf die Büh­ne holt, ist die Be­geis­te­rung im Saal groß. Über­haupt funk­tio­niert der Kon­takt Künst­ler-Pu­bli­kum sehr gut. Be­reit­wil­lig wird mit­ge­sun­gen und viel ge­lacht, so dass schnell das Ge­fühl ent­steht, ei­nen Abend un­ter Freun­den zu ver­brin­gen.

Das mag zum Teil so­gar stim­men, denn et­li­che Be­su­cher sind treue Fans, die teil­wei­se von Stutt­gart und wei­ter an­ge­reist sind, von Fi­scher wie­der­er­kannt und von der Büh­ne aus be­grüßt wer­den. Ne­ben all den schril­len Chan­sons, zeigt Fi­scher aber auch sei­ne sen­si­ble Sei­te, wenn er gleich meh­re­re Lie­der des bel­gi­schen Chan­son­niers Jac­ques Brel auf Deutsch in­ter­pre­tiert. Be­rüh­rend, mit lei­ser Iro­nie vor­ge­tra­gen, sind auch „Schau wie sie schläft“, ein Lied über ver­flo­ge­ne Lie­be, oder sein Hit „Rinn­stein­prin­zes­sin“.

Fi­scher, der be­reits 1995 als jüngs­ter Chan­son­nier mit dem Deut­schen Klein­kunst­preis aus­ge­zeich­net wur­de, hat an die­sem Abend das tra­shig, tun­ti­ge frü­he­rer Auf­trit­te ab­ge­legt, tritt ele­gant im Smo­king auf und be­weist auch an die­sem Abend wie­der sei­ne Viel­sei­tig­keit. Im An­schluss beim CD-

1995 Aus­zeich­nung als „jüngs­ter Chan­son­nier“

Ver­kauf nimmt sich Fi­scher viel Zeit für Ge­sprä­che und Fotos und sam­melt, im Sekt­kü­bel, auch noch Spen­den für die Aids­hil­fe, die an die­sem Abend mit ei­nem In­fo­stand im Foy­er ver­tre­ten war. Ul­la Donn von Yrsch

CHAN­SON­NIER TIM FI­SCHER blick­te am Sams­tag­abend auch in be­kann­te Ge­sich­ter. Vie­le Fans wa­ren ex­tra für ihn nach Pforz­heim ge­kom­men. Fo­to: Wa­cker

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