Beim Gr­a­ben auf Ske­lett­tei­le ge­sto­ßen

Gr­ab­fund in Sin­gen stammt ver­mut­lich aus Me­ro­win­ger­zeit / Gab es Gr­ab­bei­la­gen?

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Rem­chin­gen-Sin­gen (zac). Da will ei­ner ein Haus bau­en und fin­det im Kel­ler – ei­ne Lei­che. Ganz so wie im Gru­sel­film war es nicht, was sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen am Sin­ge­ner Goe­the­ring Ecke Schil­ler­stra­ße er­eig­ne­te. Viel­mehr gab es dort ei­nen durch­aus in­ter­es­san­ten his­to­ri­schen Fund: Ar­bei­ter stie­ßen auf ein oder meh­re­re Grä­ber, die ver­mut­lich aus der Zeit der Me­ro­win­ger, al­so et­wa aus dem sieb­ten Jahr­hun­dert nach Chris­tus, stam­men.

Dies be­stä­tig­te Bau­herr Mar­tin El­säs­ser am Wo­che­n­en­de im Ge­spräch mit dem Pforz­hei­mer Kurier. „Da man be­reits im Um­feld des Goe­the­rings ähn­li­che his­to­ri­sche Fun­de ge­macht hat­te, gab es ei­nen ent­spre­chen­den Ver­merk im Be­bau­ungs­plan“, er­klär­te El­säs­ser, der zu Be­ginn der Bau­ar­bei­ten sei­ner ge­setz­li­chen Pflicht nach­kam und das

For­schungs­ar­beit in den Hän­den des Denk­mal­amts

Lan­des­denk­mal­amt in­for­mier­te. Und tat­säch­lich: „Schon re­la­tiv weit oben im Mut­ter­bo­den, kaum ei­nen Me­ter tief, stieß der Bag­ger auf Schä­del­tei­le und Sand­stein, der sich deut­lich vom um­ge­ben­den Bo­den­ma­te­ri­al un­ter­schied.“

Das frem­de St­ein­ma­te­ri­al deu­te­te auf ei­ne Gr­ab­plat­te hin, be­rich­te­te El­säs­ser, für den sich zu­guns­ten der For­schun­gen der Bau um rund zwei Wo­chen ver­zö­gert hat­te und der nun ganz nor­mal fort­fah­ren kann: „Ich konn­te mich ja recht­zei­tig dar­auf ein­stel­len.“

Ob­wohl er schon auf zahl­rei­chen Bau­stel­len un­ter­wegs war, sind dem Ar­chi­tek­ten aus Pfinz­tal his­to­ri­sche Fun­de bis­her ex­trem sel­ten be­geg­net. Bis auf den ak­tu­el­len Fall in Sin­gen kann er sich an Aus­gra­bun­gen von Über­res­ten ei­ner rö­mi­schen Sied­lung an der Wil­fer­din­ger Hil­da­stra­ße er­in­nern. Ob es sich bei dem Fund in Sin­gen um ein oder meh­re­re Grä­ber han­del­te und ob es auch Gr­ab­bei­la­gen gab, ist noch un­klar. Nach der Frei­le­gung nahm das Lan­des­denk­mal­amt die Fun­de zur wei­te­ren Un­ter­su­chung mit. Da­mals sei es nicht un­üb­lich ge­we­sen, den To­ten et­was mit ins Gr­ab zu le­gen, er­klär­te Jeff Klotz, Lei­ter des Rem­chin­ger Rö­mer­mu­se­ums, auf An­fra­ge des Pforz­hei­mer Ku­ri­ers.

Auch er hat­te bis­her kei­ne wei­te­ren In­for­ma­tio­nen zu den ge­nau­en Fun­den, ord­ne­te sie aber auch der Zeit der Me­ro­win­ger zu: „Et­wa in den 70er-Jah­ren stieß man in die­ser Ge­gend beim Bau eben­falls auf Ske­let­te, au­ßer­dem gibt es bei­spiels­wei­se in Berg­hau­sen und Bir­ken­feld Me­ro­win­ger­grä­ber.“Die­se sei­en nicht zu ver­wech­seln mit den Kel­t­en­grä­bern im Be­reich der Sin­ge­ner Berg­stra­ße. Auch wenn die For­schungs­ar­beit zu­nächst ganz in den Hän­den der Denk­mal­pfle­ge liegt, hofft der Mu­se­ums­lei­ter, eben­so wie der Bau­herr und vie­le wei­te­re in­ter­es­sier­te Bür­ger, auf wei­te­re In­for­ma­tio­nen: „Ich bin sehr an den Er­geb­nis­sen in­ter­es­siert, so­bald die wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­su­chun­gen ab­ge­schlos­sen sind – be­son­ders auch an der Fra­ge, ob es Gr­ab­bei­la­gen gab“, so Klotz.

RUND 1 500 JAH­RE ALT dürf­te die­ses Ske­lett sein, das beim Aus­he­ben ei­ner Bau­gru­be am Sin­ge­ner Goe­the­ring Ecke Schil­ler­stra­ße un­weit der Bo­den­ober­flä­che zu Ta­ge kam. Die wei­te­re Un­ter­su­chung der Fund­stü­cke liegt nun beim Lan­des­denk­mal­amt. Fo­to: PK

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