Nos­fe­ra­tu sorgt für Ner­ven­kit­zel

„Ma­gie.Ta­ge“in der Faust­stadt en­den mit (Al)che­mi­schen Ver­su­chen

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS / WETTER -

Knitt­lin­gen (ro). Es zischt und es raucht, am En­de riecht es, als ob der Teu­fel in der Faust­stadt ein kur­zes Gast­spiel ge­ge­ben hät­te: Mit ei­nem schwef­li­gen Ge­ruch ganz im Sin­ne des Goe­the­schen Faust-Stü­ckes en­de­ten am Sams­tag­abend im Pfleg­hof Knitt­lin­gen (Al)che­mi­sche Ver­su­che im his­to­ri­schen Ge­wand und set­zen da­mit ein amü­san­tes I-Tüp­fel­chen in­mit­ten der „Ma­gie.Ta­ge“in der Faust­stadt. Drei Ta­ge lang dreht sich in ma­gi­schem Er­schei­nungs­ge­wand al­les um Ma­gie als Welt­er­klä­rung in Li­te­ra­tur und ge­schicht­li­chem Kon­text. Es wird Thea­ter ge­spielt – „Das Käth­chen von Heil­bronn oder Die Feu­er­pro­be“, es gibt Vor­trä­ge, die sich mit kul­tur­ge­schicht­li­chen Aspek­ten des Vam­pir­glau­bens, mit Na­tur­ma­gie und Ma­gie zwi­schen Re­li­gi­on und Wis­sen­schaft be­fas­sen. Hoch­ka­rä­ti­ge Re­fe­ren­ten wei­len in der Faust­stadt, Pro­fes­so­ren, Do­zen­ten, Fach­leu­te aus Worms, Hei­del­berg und an­de­ren Städ­ten.

Ne­ben wis­sen­schaft­li­cher Be­schäf­ti­gung mit The­men von Goe­the über Dür­ren­matts Phy­si­kern bis hin zur Bru­der­schaft der äl­te­ren Ro­sen­kreu­zer bis zur „Re­zep­ti­ons­ge­schich­te der Pa­ra­psy­cho­lo­gie“be­inhal­ten die auf­wän­dig or­ga­ni­sier­ten Ma­gie-Ta­ge auch viel Un­ter­halt­sa­mes wie un­ter an­de­rem auch den Stumm­film „Nos­fe­ra­tu“. Und eben auch die (al)che­mi­sche Vor­füh­rung von Claus Pries­ner und Hein­rich Wun­der­lich mit As­sis­ten­tin El­vi­ra (Ly­dia Na­gel). Der als Jun­ker ge­wan­de­te Claus Pries­ner preist die Fä­hig­kei­ten sei­nes Meis­ters Hein­rich Wun­der­lich im Pfleg­hof vor gut 150 er­freu­ten Gäs­ten. Die­ser ha­be, so der Jun­ker, „vi­el­leicht auch mit Hil­fe ei­ni­ger wohl­ge­son­ne­ner Geis­ter, wie sie einst auch Faust zu Ge­bo­te stan­den“Küns­te er­lernt. Und schon wird der Zu­schau­er Zeu­ge, wie der Meis­ter den wäss­ri­gen In­hal­te ei­nes Glas­kru­ges in ei­ne schäu­men­de Bier­er­fri­schung ver­wan­delt. Was­ser färbt sich, Ta­schen­tü­cher bren­nen trotz ei­ner Be­feuch­tung und Flam­men lo­dern far­big gen Him­mel. Ein „Oh“aus dem Pu­bli­kum ist der Lohn, der freu­dig ent­ge­gen ge­nom­men wird. Und dann war­tet auch schon „Nos­fe­ra­tu“, um den Ner­ven­kit­zel noch et­was hoch zu peit­schen.

Im Pu­bli­kum ist na­tür­lich auch De­ni­se Roth, die Lei­te­rin des Faus­tMu­se­ums und Faust-Ar­chivs. Vor zwei Jah­ren, er­zählt sie, ha­be man schon ein­mal ei­ne mehr­tä­gi­ge Ver­an­stal­tung, die Gret­chen-Ta­ge, or­ga­ni­siert, die ähn­lich er­folg­reich ge­we­sen sei­en. Die 600-Be­su­cher-Gren­ze wer­de man mit den Ma­gie­ta­gen wohl über­schrei­ten. „Al­le Ver­an­stal­tun­gen sind gut be­sucht.“Und nicht nur von Knitt­lin­gern oder Gäs­ten aus der nä­he­ren Um­ge­bung; un­ter den Be­su­chern wei­len für ein paar Ta­ge auch In­ter­es­sier­te aus Berlin oder Wup­per­tal et­wa.

ES ZISCHT UND BRENNT und ist ein rie­si­ges Ver­gnü­gen für die Zu­schau­er: (Al)che­mi­sche Ver­su­che mit As­sis­ten­tin El­vi­ra (Ly­dia Na­gel) und „Meis­ter“Hein­rich Wun­der­lich. Fo­to: Roth

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