„Grü­ne Rou­te“schlüpft aus dem Ko­kon

Neue Na­tur-Rad-Tour zeigt Karls­ru­hes schöns­te Ecken und soll auch Rad­tou­ris­ten lo­cken

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Kirs­ten Et­zold

Drei saf­ti­ge Laub­blät­ter, ent­lehnt dem Si­g­net der „Grü­nen Stadt“, mar­kie­ren Karls­ru­hes ers­te ei­ge­ne rad­tou­ris­ti­sche Rou­te. Das Schild taucht jetzt in der Stadt oft da auf, wo das Rad­fah­ren am schöns­ten ist. Rund 400 Pla­ket­ten mit dem Blät­ter-Lo­go, dem Um­riss des Stadt­ge­biets nach­emp­fun­den, mar­kie­ren den Ver­lauf der neu­en Na­tur-Rad­Tour. Sie führt 48 Ki­lo­me­ter durch Schutz­ge­bie­te und zu Na­tur­phä­no­me­nen. Am kom­men­den Sonntag wird die Rund­stre­cke mit ei­ner Pre­mie­ren­fahrt of­fi­zi­ell er­öff­net.

Viel Fach­wis­sen Orts­kun­di­ger ist in das Pro­jekt der Karls­ru­her Tou­ris­mus­ge­sell­schaft KTG ein­ge­flos­sen. Fünf städ­ti­sche Äm­ter be­tei­lig­ten sich, da­zu kam eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment ins­be­son­de­re des Re­gio­nal­ver­bands Karls­ru­he des All­ge­mei­nen Deut­schen Fahr­ra­dclubs (ADFC) und des Na­tur­schutz­zen­trums Rap­pen­wört, das auch Sta­ti­on der neu­en Na­tur-Rad-Tour ist. Die Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten un­ter­stüt­zen das Pro­jekt eben­falls als Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner.

Be­we­gung, Spaß, Na­tur­ge­nuss: Dies will die grü­ne Run­de um die Fä­cher­stadt bie­ten. Die Stre­cken­füh­rung er­laubt auch Kin­dern oder Un­ge­üb­ten ent­spann­tes Ra­deln. „Wir spre­chen be­wusst Frei­zeit­rad­ler an“, be­tont Yvon­ne Hal­mich von der KTG. Die Bil­der im druck­fri­schen Falt­blatt zur Tour zei­gen denn auch ei­ne ra­deln­de Fa­mi­lie vor dem Hü­gel der Gün­ther-Klotz-An­la­ge, ei­ne Grup­pe auf Rä­dern am Rhein­damm bei Ma­xau, Frei­zeit­rad­ler beim Na­tur­schutz­zen­trum Rap­pen­wört. Die Rou­te um­geht Bar­rie­ren, sie wur­de so­gar mit ei­nem Roll­stuhl ge­tes­tet, be­rich­tet Hal­mich. Ei­ner Fahrt mit An­hän­ger ste­he nichts im Weg, auch Las­ten­rä­der mit Box kä­men mit der Stre­cke klar. Ne­ben lü­cken­lo­ser Be­schil­de­rung in der Na­tur soll Ser­vice die Ra­del­freu­de för­dern. Das In­fo­blatt gibt Tipps zu Gas­tro­no­mie und Bier­gär­ten an der Stre­cke, um Karls­ru­her und ih­re Gäs­te eben­so Ori­en­tie­rung zu ge­ben wie an­ge­reis­ten Rad­lern. Es nennt auch Un­ter­künf­te, die auf die spe­zi­el­len Be­dürf­nis­se von Rad­tou­ris­ten ein­ge­hen: Die­se blei­ben even­tu­ell nur ei­ne Nacht, wol­len ein si­che­res Plätz­chen fürs Rad, Klei­dung trock­nen oder ei­ne Pan­ne be­he­ben. Auch die Ju­gend­her­ber­ge sei ex­pli­zit rad­ler­freund­lich, so Hal­mich.

Die Fä­cher­stadt legt gro­ßen Wert auf Gäs­te, die per Rad un­ter­wegs sind. „Die­se Spar­te ist zu­letzt laut ADFC um 16 Pro­zent ge­wach­sen. Über­all sonst sta­gniert es eher“, be­tont die Mar­ke­ting­ex­per­tin Hal­mich. Die­se Rei­sen­den lie­ßen sich ih­ren Rad­ur­laub zu­dem gern et­was kos­ten: Man ge­he abends aus, ge­nie­ße Kul­tur, kom­bi­nie­re An­ge­bo­te. Bei den jüngs­ten Mes­sen sei das In­ter­es­se an der Na­tur-Rad-Tour „rie­sig“ge­we­sen. Viel Zu­spruch er­war­tet die KTG aus der Pfalz, der Schweiz, den Nie­der­lan­den oder Frank­reich – auch von Tou­ris­ten mit Cam­ping­mo­bil, die oft ei­ge­ne Fahr­rä­der im Ge­päck ha­ben.

Die „grü­ne Rou­te“schlüpft wie ge­plant im Som­mer des Fahr­r­ad­ju­bi­lä­ums aus dem Ko­kon zwei­jäh­ri­ger Vor­ar­beit – we­der als Ein­tags­flie­ge noch als Exot, so die er­klär­te Ab­sicht der KTG. „Wir wis­sen jetzt, wie es geht, ha­ben ei­ne tol­le Zu­sam­men­ar­beit ent­wi­ckelt und vie­le Ide­en – da ma­chen wir ganz si­cher wei­ter“, ver­spricht Yvon­ne Hal­mich. Ih­re Kol­le­gin Bet­ti­na Reit­ze-Lotz er­ar­bei­tet schon den nächs­ten Schritt: ein Stem­pel­sys­tem, mit dem sich der aus­ge­dehn­te Schlen­ker um die Stadt in Etap­pen ge­nie­ßen und do­ku­men­tie­ren lässt.

Für Rad­tou­ris­ten will auch die Stadt­ver­wal­tung mehr tun, kün­digt Bau­bür­ger­meis­ter Micha­el Obert an. Ab­schließ­ba­re Fahr­rad­bo­xen sol­len kom­men, so­bald der U-Strab-Bau in der Stadt we­ni­ger Platz raubt. „Es gibt op­tisch ge­lun­ge­ne und we­ni­ger ge­lun­ge­ne Mo­del­le“, sagt der obers­te Rad­ver­kehrs­för­de­rer der Stadt, der vie­le Bei­spie­le aus Groß­städ­ten in ganz Eu­ro­pa kennt. Bo­xen für Fahr­rä­der, die mit Sat­tel­ta­schen be­packt sind, oder auch für teu­re Fahr­rä­der wür­den dann zu­nächst am Haupt­bahn­hof in­stal­liert, am Bahn­hof Dur­lach und auch am Fest­platz als An­ge­bot für Rad­tou­ris­ten.

Da die Spur der grü­nen Blät­ter Karls­ru­he um­run­det, tou­chiert sie na­tur­ge­mäß auch die Fern­r­ad­rou­ten im Stadt­ge­biet. In Nord-Süd-Aus­rich­tung sind da der Rhein­tal-Rad­weg, die Ve­lo-Rou­te Rhein und der Pa­n­eu­ro­pa-Rad­weg. Vom Haupt­bahn­hof Karls­ru­he über Dur­lach nach Os­ten führt der Strom­berg-Murr­tal-Weg mit vio­let­ter Pla­ket­te auf 150 land­schaft­lich und kul­tu­rell at­trak­ti­ven Ki­lo­me­tern über Maul­bronn bis an den Li­mes. Auch mit dem Schwarz­wal­dRad­weg mit der ro­ten Rau­te des Schwarz­wald­ver­eins ist die Na­tur-Rad­Tour im Ober­wald ver­floch­ten. Die Rad­wan­der­kar­te für Karls­ru­he und die Re­gi­on, die KTG und Land­kreis Karls­ru­he seit 2014 aus­ge­ben, zeigt die meis­ten die­ser Fern­we­ge und wei­te­re tou­ris­ti­sche Rou­ten. Kommentar

Pre­mie­ren­fahrt

Er­öff­net wird die neue Na­tur-Rad­Tour am kom­men­den Sonntag, 25. Juni, um 10 Uhr am Groß­her­zog-Denk­mal vor dem Schloss. Um 10.30 Uhr be­ginnt die Pre­mie­ren­fahrt über 20 Ki­lo­me­ter zum Na­tur­schutz­zen­trum Rap­pen­wört (An­kunft ge­gen 12.30 Uhr nach Zwi­schen­stopps an Wald­klas­sen­zim­mer, Al­tem Flug­platz und Hof­gut Ma­xau).

Von dort kann die Stra­ßen­bahn­li­nie 6 für die Rück­kehr in die Stadt be­nutzt wer­den (Gra­tis-Fahr­rad­mit­nah­me, so weit der Platz reicht). Ge­gen 14 Uhr füh­ren ADFC-Ak­ti­ve wei­ter über die rest­li­chen 28 Ki­lo­me­ter der neu­en Ra­d­run­de. In­ter­es­sier­te mit ei­ge­nem Fahr­rad kön­nen an al­len Pro­gramm­punk­ten der Er­öff­nung oh­ne An­mel­dung teil­neh­men.

AM STEPHANIENBAD zeigt Yvon­ne Hal­mich (KTG), wo Karls­ru­hes neue Na­tur-Rad-Tour die au­to­freie Idyl­le des Alb­ufers ver­lässt Rich­tung schat­ti­gem Ober­wald. Üp­pi­ges Grün und pul­sie­ren­des Stadt­le­ben sind ei­n­an­der bei der Run­de oft ganz nah. Fotos: Sand­bil­ler

PLA­KET­TEN für die neue Rou­te mon­tier­ten Andre­as Weß­be­cher und sein Team an vie­len Weg­wei­sern für Rad­fah­rer, so wie hier in der Nä­he des Haupt­fried­hofs.

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