Welt­weit im­mer mehr Flücht­lin­ge

Hilfs­werk der UN schlägt Alarm / Neu­es Boots­un­glück im Mit­tel­meer

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Genf/Straß­burg (dpa). Noch nie wa­ren auf der Welt so vie­le ent­wur­zelt: 65,5 Mil­lio­nen Men­schen flo­hen im ver­gan­ge­nen Jahr vor Krieg, Ge­walt und Ver­fol­gung, 300 000 mehr als im Jahr da­vor. Al­lein in Sy­ri­en muss­ten zwei Drit­tel der Ein­woh­ner ih­re Hei­mat ver­las­sen, be­rich­te­te das UN-Flücht­lings­hilfs­werk (UNHCR) in Genf. Dar­un­ter wa­ren 22,5 Mil­lio­nen Men­schen, die über Gren­zen gin­gen und 40,4 Mil­lio­nen Ver­trie­be­ne, die in ei­nem an­de­ren Teil ih­rer Hei­mat­län­der Un­ter­schlupf fan­den. Ges­tern mel­de­te die In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on für Mi­gra­ti­on (IOM) zu­dem, dass bei ei­nem neu­en Boots­un­glück vor der li­by­schen Mit­tel­meer­küs­te wo­mög­lich Dut­zen­de Men­schen er­trun­ken sei­en. Min­des­tens 126 Boots­flücht­lin­ge wür­den ver­misst, hieß es.

Je­de Mi­nu­te des Jah­res muss­ten ir­gend­wo auf der Welt 20 Men­schen flie­hen. Je­der 113. Mensch auf der Welt war ein Flücht­ling. Seit 1997 hat sich die Flücht­lings­zahl da­mit prak­tisch ver­dop­pelt. Vier von fünf Flücht­lin­gen ha­ben in Län­dern Auf­nah­me ge­fun­den, die selbst teils kaum das Nö­tigs­te ha­ben. „Dies ist kei­ne Kri­se der rei­chen Welt, son­dern ei­ne Kri­se der Ent­wick­lungs­län­der“, be­ton­te Flücht­lings­hoch­kom­mis­sar Fil­ip­po Gran­di. Deutsch­land kommt mit 670 000 Flücht­lin­gen nach UNHCR-Be­rech­nung nach Län­dern wie der Tür­kei, Pa­kis­tan, Ugan­da und Äthio­pi­en erst auf Platz acht. Der Ca­ri­tas-Ver­band ver­lang­te ei­ne bes­se­re Ver­tei­lung der Las­ten in der Flücht­lings­hil­fe. CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber er­in­ner­te an­läss­lich des Ge­denk­ta­ges für Op­fer von Flucht und Ver­trei­bung, der mit dem heu­ti­gen Welt­flücht­lings­tag zu­sam­men­fällt, auch an die nach dem Zwei­ten Welt­krieg aus ih­rer Hei­mat ver­trie­be­nen Deut­schen. „Sie ka­men in ein Land, ihr Land, das sie nicht nur mit of­fe­nen Ar­men, son­dern auch mit Skep­sis be­grüß­te“, sag­te Tau­ber. „Den­noch lie­ßen die Hei­mat­ver­trie­be­nen sich nicht ent­mu­ti­gen, son­dern ar­bei­te­ten mit am Auf­bau der Bun­des­re­pu­blik, nach Jah­ren schreck­li­cher Kriegs­wir­ren.“

IM­MER MEHR MEN­SCHEN sind welt­weit auf der Flucht vor Krieg, Ge­walt und Ver­trei­bung. Fo­to: dpa

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