Ver­wir­rend ge­recht

Vi­deo­be­weis führt beim Con­fed Cup in al­len fünf frag­li­chen Fäl­len zu kor­rek­ter Tor-Ent­schei­dung

Pforzheimer Kurier - - CONFED-CUP -

Mos­kau (dpa). Jah­re­lang ha­ben Fans, Spie­ler und Ex­per­ten im Fuß­ball die Ein­füh­rung des Vi­deo­be­wei­ses ge­for­dert. Doch kaum wird er jetzt beim Con­fe­de­ra­ti­ons Cup in Russ­land zu­min­dest test­wei­se an­ge­wen­det, sind die Dis­kus­sio­nen bei­na­he schon wie­der so groß wie vor­her. Auch die deut­sche Mann­schaft mach­te ges­tern beim 3:2 ge­gen Aus­tra­li­en ih­re ers­te Er­fah­rung. Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw mein­te nach dem Spiel im ZDF: „Es ist für uns al­le et­was un­ge­wohnt, wenn der Schieds­rich­ter das Spiel für ein, zwei Mi­nu­ten un­ter­bricht. Aber bis­lang hat es sich be­währt.“Nach dem zwei­ten Tref­fer der Aus­tra­li­er durch To­mi Ju­ric (56.) hat­te Schieds­rich­ter Mark Gei­ger den Vi­deo­be­weis we­gen ei­nes mög­li­chen Hand­spiels des Tor­schüt­zen ge­for­dert. Schließ­lich ent­schied er zu Recht auf Tor.

Al­lein das Spiel der bei­den deut­schen Grup­pen­geg­ner Chi­le und Ka­me­run (2:0) leg­te am Sonn­tag­abend in Mos­kau al­le Stär­ken und Schwä­chen des neu­en Sys­tems of­fen. Gleich zwei­mal ge­lang es den Vi­deo-As­sis­ten­ten, bei der al­les ent­schei­den­den Fra­ge „Tor oder nicht Tor“ei­nen Feh­ler des Schieds­rich­ters zu kor­ri­gie­ren. Bei­de Ma­le dau­er­te die Ent­schei­dungs­fin­dung aber so lan­ge, dass es Fans vor Ort und am Fern­se­her und so­gar Spie­ler auf dem Ra­sen ver­wirr­te.

In der Fuß­ball-Bun­des­li­ga wird der Vi­deo­be­weis in der kom­men­den Sai­son eben­falls ein­ge­setzt. Bis­lang durf­te der As­sis­tent am Bild­schirm dort noch nicht per Funk in die Ent­schei­dun­gen des Schieds­rich­ters ein­grei­fen. Das wird sich in ei­ner zwei­ten Test­pha­se je­doch än­dern. Bei der Deut­schen Fuß­ball Li­ga (DFL) be­fürch­tet man kein Cha­os. „Wir füh­len uns auf­grund der um­fang­rei­chen Vor­be­rei­tun­gen gut ge­rüs­tet“, sag­te Ans­gar Schwen­ken, DFL-Di­rek­tor für Fuß­ball-An­ge­le­gen­hei­ten und Fans, ges­tern. Schwen­ken sieht ei­nen gro­ßen Vor­teil da­rin, „dass wir schon in der kom­plet­ten ver­gan­ge­nen Sai­son in­ten­si­ve Tests für den Ein­satz des Vi­deo-As­sis­ten­ten bei Bun­des­li­ga-Spie­len durch­ge­führt und in Test­spie­len an­ge­wen­det ha­ben. So­mit sind un­se­re Vi­deo-As­sis­ten­ten si­cher­lich an­wen­dungs­si­che­rer als je­mand, der vor ei­nem Tur­nier in ein paar Ta­gen Schnell­kurs dar­auf vor­be­rei­tet wor­den ist.“

Beim Con­fed Cup kam der Vi­deo­be­weis bei den Spie­len zwi­schen Chi­le und Ka­me­run (2:0) so­wie Por­tu­gal und Me­xi­ko (2:2) je zwei­mal zur An­wen­dung, zu­dem ein­mal beim gest­ri­gen Spiel der deut­schen Mann­schaft. Die wich­tigs­te Er­kennt­nis: In al­len fünf Fäl­len wur­de da­durch ei­ne kor­rek­te Ent­schei­dung her­bei­ge­führt. Die Ent­schei­dungs­fin­dung dau­er­te je­doch im längs­ten Fall so­gar mehr als zwei Mi­nu­ten. Und das führ­te ins­be­son­de­re beim Spiel Chi­le ge­gen

„Bis­lang hat es sich be­währt“ Prä­sen­ta­ti­on der Ab­läu­fe ist ver­bes­se­rungs­wür­dig

Ka­me­run zu teils bi­zar­ren Sze­nen. Als der Schieds­rich­ter dort in der Nach­spiel­zeit das Tor zum 2:0-End­stand gab und da­mit sei­ne ur­sprüng­li­che Ab­seits­ent­schei­dung zu recht kor­ri­gier­te, dach­ten vie­le Zu­schau­er im Sta­di­on, das sei der Ab­pfiff. Um­ge­kehrt hat­ten die Chi­le­nen längst aus­gie­big ge­ju­belt und sich die Spie­ler aus Ka­me­run schon wie­der zum An­stoß be­reit ge­macht, als der Vi­deo­be­weis in der ers­ten Halb­zeit er­gab: kein Tor durch Edu­ar­do Var­gas. Der frü­he­re Hof­fen­hei­mer stand knapp im Ab­seits.

Ge­ra­de Var­gas’ nicht ge­ge­be­ner Tref­fer ge­gen Ka­me­run zeig­te zu­dem: Manch­mal sind Ab­seits-Po­si­tio­nen selbst mit Hil­fe be­weg­ter Bil­der nur schwer zu er­ken­nen. Der Welt­ver­band Fifa äu­ßer­te sich ges­tern nicht zum Vi­deo­be­weis. Hin­ter den Ku­lis­sen wur­de je­doch ein­ge­räumt: Die Prä­sen­ta­ti­on der Ab­läu­fe ist ge­ra­de für die Zu­schau­er im Sta­di­on und am Fern­se­her ver­bes­se­rungs­wür­dig.

Im nächs­ten Schritt wird das Sys­tem auch in ei­ni­gen na­tio­na­len Li­gen wie der Bun­des­li­ga ge­tes­tet. Die Er­geb­nis­se wer­den dann von den Re­gel­hü­tern des In­ter­na­tio­nal Foot­ball As­so­cia­ti­on Bo­ard be­wer­tet. Ei­ne Ent­schei­dung, ob der Vi­deo­be­weis auch bei der Welt­meis­ter­schaft 2018 ein­ge­setzt wird, fällt im kom­men­den März.

IM AB­SEITS steht der Chi­le­ne Edu­ar­do Var­gas (Nr. 11) beim Ab­spiel von Ar­turo Vi­dal (klei­nes Bild). Var­gas’ Tor wur­de nach dem Vi­deo­be­weis nicht ge­ge­ben. Fo­to: Fifa.com/dpa

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