Der Neue für das Team hin­ter dem Team

Auf ein­mal Teil der KSC-Fa­mi­lie: Wie der frü­he­re DFB-Mann San­d­rock Feu­er für Blau-Weiß fing

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ger­hard Wolff

Karlsruhe. Noch in den tris­ten Ta­gen, in de­nen ein längst nicht mehr funk­tio­nie­ren­des Spiel­erge­bil­de des Karls­ru­her SC der Drit­ten Fuß­ball-Li­ga ent­ge­gen­tru­del­te, rich­te­te Oli­ver Kreu­zer sei­ne Bli­cke in die Zu­kunft und er­in­ner­te sich ei­nes Man­nes, mit dem er einst bei Red Bull Salz­burg so gut wie ger­ne zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat­te. Und der Sport­chef der Ba­de­ner mein­te zu wis­sen, dass je­ner Hel­mut San­d­rock aus Her­ten, „ein Mann des Ruhr­ge­biets“(Kreu­zer), trotz sei­ner jah­re­lan­gen Tä­tig­keit beim gro­ßen DFB auf Tra­di­ti­ons­clubs wie den KSC ste­he. War­um al­so nicht mal an­fra­gen, ob der frü­he­re Ge­ne­ral­se­kre­tär des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des nicht Ge­schäfts­füh­rer am Karls­ru­her Ade­nau­er­ring wer­den wol­le? Woll­te er. „Ich ha­be vor ei­ni­gen Wo­chen nicht un­be­dingt da­mit ge­rech­net, Teil der KSC-Fa­mi­lie zu wer­den“, ge­stand San­d­rock ges­tern bei sei­ner of­fi­zi­el­len Vor­stel­lung. Er ha­be dann aber schnell „Feu­er ge­fan­gen“, be­rich­te­te er von den „of­fe­nen, ver­trau­ens­vol­len Ge­sprä­chen“mit Kreu­zer und dem Prä­si­di­um um In­go Wel­len­reu­ther. Im­po­niert ha­be ihm da­bei, dass die Club-Ver­ant­wort­li­chen trotz des be­vor­ste­hen­den Ab­stiegs nicht ge­jam­mert, „son­dern nach vor­ne ge­schaut ha­ben“, be­ton­te der 60 Jah­re al­te Funk­tio­när. Der KSC sei für ihn „nach wie vor ei­ne groß­ar­ti­ge Mar­ke“, auch Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw oder DFBMa­na­ger Oli­ver Bier­hoff hät­ten ihm zu der „klas­se Auf­ga­be beim KSC“gra­tu­liert. Mit ein Haupt­ar­gu­ment da­für, beim Zweit­li­ga-Ab­stei­ger an­zu­heu­ern, ist für San­d­rock der kom­men­de Sta­di­on­neu­bau. Ein Pro­jekt, das si­gni­fi­kan­te Ve­rän­de­rung im Ent­wick­lungs­pro­zess für den Club bringt – für San­d­rock ei­ne reiz­vol­le Auf­ga­be. Schon beim MSV Duisburg hat­te San­d­rock als Vor­stands­vor­sit­zen­der (2000 bis 2002) das dor­ti­ge Are­na-Neu­bau­pro­jekt mit be­glei­tet, ehe er in das Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee des DFB für die Heim-WM 2006 wech­sel­te.

Im Zu­ge der so­ge­nann­ten Som­mer­mär­chen-Af­fä­re trat San­d­rock im Fe­bru­ar vo­ri­gen Jah­res nach DFB-Prä­si­dent Wolf­gang Niers­bach als Ver­band­sGe­ne­ral­se­kre­tär zu­rück. Ein von der Fifa-Ethi­kkom­mis­si­on ein­ge­lei­te­tes Ver­fah­ren ge­gen ihn sei zwi­schen­zeit­lich mit ei­ner rechts­gül­ti­gen Ver­war­nung ab­ge­schlos­sen wor­den, be­stä­tig­te er. In der Af­fä­re ging und geht es letzt­lich vor al­lem dar­um, seit wann San­d­rock und sein Vor­gän­ger als Ge­ne­ral­se­kre­tär, Niers­bach, von der omi­nö­sen 6,7-Mil­lio­nen-Eu­ro-Zah­lung des DFB an die Fifa wuss­ten. San­d­rock wur­de un­ter an­de­rem vor­ge­wor­fen, ge­gen Ar­ti­kel 18 (An­zei­ge­so­wie Mit­wir­kungs- und Re­chen­schafts­pflicht) des Fifa-Ethik­codes ver­sto­ßen zu ha­ben.

Die Auszeit seit sei­nem Rück­tritt ha­be San­d­rock ge­nutzt, um „ab­zu­schal­ten“. Jetzt ist der er­fah­re­ne und bes­tens ver­netz­te Fuß­ball-Funk­tio­när wie­der mit­ten­drin im Ge­schäft. „Wir woll­ten die­se Stel­le kom­pe­tent be­set­zen, weil wir ge­merkt ha­ben, dass wir da Nach­hol­be­darf ha­ben“, sag­te Wel­len­reu­ther, der seit Jah­ren über den DFB mit San­d­rock be­kannt ist. Froh sei er, so der Club­boss, dass San­d­rock sich über­zeu­gen hat las­sen, „dass der KSC ein Ver­ein mit gu­ter Zu­kunft vor der Brust ist“. Für den KSC ist die Ver­pflich­tung San­d­rocks ein Coup – der Club stellt sich da­mit auch ab­seits des Plat­zes pro­fes­sio­nel­ler auf.

San­d­rock wird für Or­ga­ni­sa­ti­on, Lei­tung und Füh­rung der Ge­schäfts­stel­le zu­stän­dig sein, für die be­triebs­wirt­schaft­li­che Pla­nung und Steue­rung so­wie Li­zen­zie­rungs­auf­ga­ben. Wel­che Auf­ga­ben der kauf­män­ni­sche Lei­ter Rolf Ul­rich künf­tig über­neh­me, sei noch nicht ge­klärt, so Wel­len­reu­ther, hin­ter

Fifa stell­te Ver­fah­ren ge­gen Ver­war­nung ein

dem „die schwers­ten Wo­chen“sei­ner Amts­zeit lie­gen. Die Li­zenz ha­be am sei­de­nen Fa­den ge­han­gen, nach­dem der DFB ei­nen Li­qui­di­täts­nach­weis von rund 16 Mil­lio­nen Eu­ro ge­for­dert hat­te – der KSC hat­te mit et­wa elf Mil­lio­nen ge­rech­net.

Die Mis­si­on „So­for­ti­ger Wie­der­auf­stieg“geht der KSC, der ges­tern den Dau­er­kar­ten­ver­kauf star­te­te, nun aber mit Rü­cken­wind an, der Zu­spruch der Fans beim Trai­nings­auf­takt am Sonn­tag war über­wäl­ti­gend. Man ha­be „ei­ne ganz her­vor­ra­gen­de Trup­pe bei­sam­men“, be­merk­te Wel­len­reu­ther mit Blick auf die neu for­mier­te Mann­schaft. Das fin­det auch der pro­mi­nen­te Neu­zu­gang für das Team hin­ter dem Team. „Das Si­gnal, das mit der Zu­sam­men­stel­lung der Mann­schaft aus­ge­sen­det wor­den ist, ist ein sehr, sehr star­kes“, wähn­te San­d­rock die Blau-Wei­ßen fuß­bal­le­risch gut ge­rüs­tet.

In der Ka­der­pla­nung sucht Kreu­zer nur noch ei­nen er­fah­re­nen In­nen­ver­tei­di­ger. Dass die­ser ein al­ter Be­kann­ter sein könn­te, be­stritt Kreu­zer ges­tern auf Nach­fra­ge zu Ge­rüch­ten, die Da­ni­el Gor­don beim KSC ins Spiel brach­ten. Der Ab­wehr­spie­ler war vor ei­nem Jahr ab­lö­se­frei aus Karlsruhe zum SV Sand­hau­sen ge­wech­selt.

ZU­RÜCK IM GE­SCHÄFT: Hel­mut San­d­rock trat ges­tern sei­nen Di­enst als Ge­schäfts­füh­rer beim Fuß­ball-Dritt­li­gis­ten Karls­ru­her SC an. Fo­to: GES

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