Kö­nigs­weg ge­gen die Ero­si­on

Stif­ter­hof Oden­heim: LTZ-Ver­su­che mit Di­rekt­saat oh­ne Her­bi­zi­de und Er­trags­ver­lus­te

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bet­ti­na Hah­ne-Wald­scheck

Karlsruhe/Oden­heim. Im­mer wie­der über­schwem­men bei Stark­re­gen Schlamm­la­wi­nen Häu­ser und Stra­ßen. Schuld dar­an ist Bo­den­ero­si­on, die Ab­tra­gung lo­ser Bo­den­tei­le. For­scher des Land­wirt­schaft­li­chen Tech­no­lo­gie­zen­trums Au­gus­ten­berg (LTZ) in Dur­lach ma­chen Ver­su­che, wie die Bo­den­ero­si­on in Ba­den-Würt­tem­berg im Acker­bau re­du­ziert wer­den kann.

„Ero­si­on fin­det bei uns dann statt, wenn Stark­re­gen auf ei­nen un­be­wach­se­nen Bo­den trifft“, er­klärt Kurt Möl­ler, Lei­ter des Re­fe­rats Pflan­zen­bau. „Da­durch geht der wert­vol­le Ober­bo­den, der frucht­bars­te Teil des Bo­dens ver­lo­ren, au­ßer­dem kön­nen so Dün­ge­mit­tel in Flüs­se ge­lan­gen.“Zu­ge­nom­men ha­be die Bo­den­ero­si­on durch im­mer grö­ße­re Fel­der und durch ver­mehr­ten Mais­an­bau. „Mais hat ei­ne lang­sa­me Ju­gend­ent­wick­lung und be­deckt den Bo­den we­ni­ger als Ge­trei­de“, er­klärt Jörn Breu­er, LTZ-Ab­tei­lungs­lei­ter „Pflan­zen­bau und pro­duk­ti­ons­be­zo­ge­ner Um­welt­schutz“.

Sein Kol­le­ge Erich Un­ter­se­her zeigt die Lö­sung auf: „Um Ero­si­on zu ver­mei­den, emp­feh­len wir Mulch­saat, Strei­fen­saat und Di­rekt­saat – Tech­ni­ken, die mög­lichst we­nig in den Bo­den ein­grei­fen, an­ders als die kon­ven­tio­nel­le Be­ar­bei­tung mit dem Pflug.“Mulch­saat be­deu­tet Ein­saat in die Ern­te­res­te der Vor­frucht (wie lie­gen ge­blie­be­nes Stroh); Strei­fen­saat ver­zich­tet auf groß­flä­chi­ge Be­ar­bei­tung des Bo­dens, es wird nur je­weils ein 15 Zen­ti­me­ter brei­ter Strei­fen ge­lo­ckert. „Doch der Kö­nigs­weg ge­gen Ero­si­on ist Di­rekt­saat, ei­ne lang­fris­ti­ge Vi­si­on ist ei­ne Bi­o­di­rekt­saat“, sagt Un­ter­se­her.

Bei der Di­rekt­saat wird die Saat auf den un­ge­pflüg­ten Bo­den ge­sät, es wird le­dig­lich ein Schlitz für die Sa­men mit der Sä­ma­schi­ne ge­zo­gen und wie­der ge­schlos­sen. Nach­teil: „Mo­men­tan braucht man bei der Di­rekt­saat mehr Her­bi­zi­de und hat kurz­fris­tig Er­trags­rück­gän­ge“, er­klärt Möl­ler: „Das Pflü­gen ist des­halb so be­liebt, weil man beim Wen­den des Bo­dens auch Un­kräu­ter, Krank­hei­ten und Schäd­lin­ge mit be­gräbt.“

Die For­scher ma­chen am Stif­ter­hof Oden­heim Ver­su­che, wie Di­rekt­saat auch oh­ne Her­bi­zi­de und Er­trags­ver­lus­te funk­tio­niert und wie ei­ne op­ti­ma­le Kom­bi­na­ti­on aus Di­rekt­saat, Mulch­saat und Strei­fen­saat aus­se­hen kann. „Auf un­se­ren Ver­suchs­fel­dern bau­en wir Raps, Wei­zen und Mais je­weils ne­ben-ein­an­der in al­len drei Saat­tech­ni­ken an.“

Die drei Män­ner wan­dern am Feld ent­lang, in dem Mais frisch aus dem Bo­den schießt. Im obe­ren Drit­tel, dem Mulch­saa­tBe­reich, sind die Pflan­zen­spröss­lin­ge am größ­ten. „Aber die Di­rekt­saat holt in ein paar Wo­chen auf“, sagt Breu­er. Fa­zit nach vier Jah­ren: „In un­se­ren ers­ten Ver­su­chen wa­ren al­le Er­trä­ge gleich.“Möl­ler er­gänzt: „Mulch­saat ist ja im Kraich­gau schon sehr ver­brei­tet, un­ser Ziel ist, dass die Grund­bo­den­be­ar­bei­tung wo im­mer mög­lich, fla­cher be­trie­ben wird.“Ih­re Ver­su­che er­ga­ben auch, dass Ge­trei­de gut in Di­rekt­saat funk­tio­niert, bei an­de­ren Kul­tu­ren wie Raps oder Kör­nermais sind die Er­trä­ge bei Mulch- und Strei­fen­saat häu­fig bes­ser.

Ei­ne wei­te­re gro­ße Rol­le spielt die Frucht­fol­ge, ver­deut­licht Un­ter­se­her die Kom­ple­xi­tät des Acker­baus: „Nach Ern­ten der Haupt­frucht soll­te man als Zwi­schen­frucht zur Bo­den­be­fes­ti­gung Grün­dün­gungs­pflan­zen, wie Senf, Öl­ret­tich oder Son­nen­blu­men sä­en.“

Ih­re Emp­feh­lun­gen ge­ben sie dem Land­wirt­schafts­amt und in Form von Vor­trä­gen und Bro­schü­ren auch an Land­wir­te wei­ter. Auf der 140 Hekt­ar gro­ßen Ver­suchs­flä­che des Stif­ter­hofs, der dem Land ge­hört, wird mög­lichst klein­flä­chig mit vie­len un­ter­schied­li­chen Früch­ten ge­pflanzt. „Viel­falt beugt eben­falls der Ero­si­on vor.“

Was ero­dier­ter Bo­den be­deu­tet, zeigt Breu­er in ei­nem Erd­loch für De­mons­tra­ti­ons­zwe­cke auf der Kup­pe ei­nes Hü­gels: Auch in zwei Me­ter Tie­fe ist der Bo­den be­ton­hart, oh­ne Po­ren und Re­gen­wür­mer. Breu­er: „Das macht sich an die­ser Stel­le be­merk­bar durch 30 Pro­zent we­ni­ger Er­trag im Ver­gleich zu den schö­nen frucht­ba­ren Bö­den un­ter­halb.“Wer al­so bo­den­er­hal­tend wirt­schaf­tet, er­hält nicht nur das Land­schafts­bild und schützt die um­lie­gen­de In­fra­struk­tur, er si­chert sich auch lang­fris­tig den bes­ten Er­trag.

MULCH­SAAT ist im Kraich­gau re­la­tiv ver­brei­tet. Zwi­schen den Mais­spröss­lin­gen sind St­roh­res­te zu er­ken­nen, die der Ero­si­on vor­beu­gen. Von links nach rechts: Erich Un­ter­se­her, Jörn Breu­er und Kurt Möl­ler vom LTZ. Fo­to: HW

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