In Tölz sang er noch selbst

Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Mar­kus Hu­ber freut sich auf „Die Zau­ber­flö­te“in der nächs­ten Spiel­zeit

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Wer Mar­kus Hu­ber in sei­nem Bü­ro am En­de ei­nes lan­gen Flu­res im Pforz­hei­mer Thea­ter be­sucht, der kann ganz un­ver­hofft in den Ge­nuss ei­nes wun­der­ba­ren mu­si­ka­li­schen „In­ter­mez­zo“kom­men. Ge­ra­de noch probt er ge­mein­sam mit sei­nem So­lo-Cel­lis­ten ein Dvor­ˇák-Stück für die kom­men­de Spiel­zeit.

Spät in der Nacht ist der Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor von ei­nem Gast­di­ri­gat in Fulda zu­rück­ge­kom­men. Es ist die­se Zwi­schen­zeit, kurz vor Sai­son­en­de, wo der Herbst mit sei­nem neu­en Pro­gramm

Mar­tin Stadt­feld zum Auf­takt der Kon­zer­te

be­reits an­klingt. Zu­nächst aber hält die Ba­di­sche Phil­har­mo­nie un­ter Hu­bers Lei­tung am letz­ten Sonn­tag im Ju­ni noch ei­nen Dop­pel­knal­ler be­reit: Das sechs­te Sin­fo­nie­kon­zert so­wie ein nach­mit­täg­li­ches Mit­mach­kon­zert.

Wie weit die Vor­be­rei­tun­gen für die je­weils kom­men­de Spiel­zeit ge­die­hen sind, lässt sich bei Hu­ber in ei­nem an­fangs 80 Zen­ti­me­ter gro­ßen Sta­pel an Par­ti­tu­ren mes­sen, der suk­zes­si­ve klei­ner wird. „Ich lie­be Par­ti­tu­ren“, er­zählt der 48-Jäh­ri­ge. Das Bü­ro wirkt ziem­lich auf­ge­räumt.

Die neue Sai­son hat er akri­bisch vor­be­rei­tet und mit ei­ner Rei­he von mu­si­ka­li­schen Glanz­lich­tern ge­spickt. „Es wird bunt und un­ter­halt­sam – nicht bru­tal ge­gen den Strich ge­bürs­tet und ent­spricht auch dem Zu­schau­er­ge­schmack“, ver­spricht er.

Zum Auf­takt wird er „Die Zau­ber­flö­te“di­ri­gie­ren. Die kennt Hu­ber in­und aus­wen­dig „und von oben nach un­ten“. Schon als Sechs­jäh­ri­ger beim Töl­zer Kn­a­ben­chor hat er den ers­ten Kn­a­ben in der „Zau­ber­flö­te“ge­sun­gen. „49-mal – bis der Stimm­bruch kam.“Viel spä­ter und sehr oft hat Hu­ber die Zau­ber­flö­te auch di­ri­giert. Die in­ti­me Kennt­nis der Mo­zart-Oper hat sei­ne Vor­freu­de auf die nächs­te Spiel­zeit nur noch mehr ge­schürt. „Trotz Schein­nai­vi­tät ein kom­ple­xes Werk.“

Mit dem Re­qui­em steht ei­ne wei­te­res Mo­zart-Werk an, das er zur Chef­sa­che er­klärt hat. „Da lass’ ich kei­nen an­de­ren ran.“Es ist Hu­bers ers­ter Bal­lett­abend in Pforz­heim. Sehr ans Herz ge­wach­sen sei ihm auch Kurt Weill. Nach „Street Sce­nes“in der ver­gan­ge­nen und der „Drei­gro­schen­oper“in der lau­fen­den Spiel­zeit wird es auch im Früh­jahr 2018 wie­der ei­ne Weill-Oper ge­ben: Die Uto­pie „Der Sil­ber­see“in der Ins­ze­nie­rung von Tho­mas Müns­ter­mann.

Die Rei­he „Der Gold­stadt­zir­kel welt­be­rühm­ter Pia­nis­ten“star­tet im Ok­to­ber mit ei­nem Be­kann­ten: StarPia­nist

„Das Pu­bli­kum ist je­des­mal aus­ge­tickt“

Mar­tin Stadt­feld war in der ver­gan­ge­nen Sai­son schon Gast. Hu­ber er­in­nert sich vol­ler Be­geis­te­rung an ei­ne wun­der­ba­re Zu­sam­men­ar­beit vol­ler In­spi­ra­ti­on, die sich da­mals bei Beet­ho­vens vier­tem Kla­vier­kon­zert ganz spon­tan ent­wi­ckelt ha­be.

Als Hu­ber dem „Bach-Pia­nis­ten“für ein wei­te­res Pforz­hei­mer Gast­spiel Rach­ma­ni­nows vier­tes Kla­vier­kon­zert vor­schlug, ha­be Stadt­feld sich Be­denk­zeit er­be­ten und sich dann für des­sen zwei­tes Kla­vier­kon­zert, das „Schlacht­ross der Ro­man­tik schlecht­hin“, ent­schie­den. „Toll, dass sol­che Künst­ler wie­der­kom­men“, freut sich Hu­ber. „ Das ehrt uns in un­se­rer Kunst­aus­rich­tung hier.“Des wei­te­ren wird Stadt­feld Men­dels­sohn Bar­thol­dys Fünf­te, die „Re­for­ma­ti­ons-Sym­pho­nie“spie­len.

Fürs zwei­te Sin­fo­nie­kon­zert (Dvor­ˇák und Mah­ler) hat Hu­ber den So­lo­cel­lis­ten Ro­bert Na­gy von den welt­be­rühm­ten Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern ge­won­nen. Die Mah­ler-Sin­fo­nie Nr.4 G-Dur wird in Pforz­heim in ei­ner Fas­sung für klei­ne­re Orches­ter ge­spielt.

Mit ei­nem Stück, das beim drit­ten Kon­zert auf dem Pro­gramm steht, ver­bin­det Hu­ber Ju­gen­der­in­ne­run­gen. Schon als 15-Jäh­ri­ger ha­be er Vaug­han Wil­li­ams’ „Songs Of Tra­vel“ge­liebt. Hu­ber er­in­nert sich an den Zau­ber, der ihn beim Le­sen der Par­ti­tur um­fing. Sin­gen wird der neue Ba­ri­ton am Haus, Paul Jadach. Au­ßer­dem wird Beet­ho­vens „Eroi­ca“er­klin­gen, auch ei­ne gro­ße Lie­be des ge­bür­ti­gen Münch­ners Hu­ber. Der fin­ni­sche Kom­po­nist Rau­ta­vaa­ra hat für sein Werk „Can­tus arc­ti­cus“Vo­gel­stim­men auf­ge­nom­men. „Ein tol­ler Spot“, schwärmt Hu­ber.

Mit Bernd Glem­ser kommt schließ­lich ein wei­te­rer Pia­nist von Welt­klas­se nach Pforz­heim. Bei die­sem vier­ten Sin­fo­nie­kon­zert gibt es Beet­ho­ven und Bruck­ners „Ro­man­ti­sche“. Glem­ser wird be­glei­tet von der Deut­schen Staats­phil­har­mo­nie Rhein­land Pfalz. Mit die­sem Orches­ter ha­be er schon rund 40 Kon­zer­te di­ri­giert, sagt Hu­ber.

Mit der Phil­har­mo­nie Her­ford hat Hu­ber ei­ne CD auf­ge­nom­men von Av­ner Dorm­ans „Spices, Per­fu­mes, To­xins“, ei­nem Schlag­zeug­kon­zert, das in Her­ford und an­de­ren Städ­ten die­ser Re­gi­on gut an­kam. „Das Pu­bli­kum ist je­des Mal aus­ge­tickt“. Nach dem Stück muss es ful­mi­nant wei­ter­ge­hen. Da­her hat Hu­ber sich für Tschai­kow­skys Fünf­te ent­schie­den. Auch dies ei­ne Re­mi­nis­zenz an sei­ne Ju­gend. „Das ma­che ich für mei­nen Va­ter.“Der ha­be ihm die Par­ti­tur zu Weih­nach­ten ge­schenkt.

Zum Ab­schluss hüpft die Ba­di­sche Phil­har­mo­nie noch­mals in die Vo­gel­welt bei „Pa­ra­dies­vö­gel II“von Tar­ro­di, und „Die Vö­gel“von Re­spighi. Ein klei­ner ro­ter Fa­den, der sich durch die Kon­zert­rei­he zieht. Und dann ver­ab­schie­den sich Hu­ber und sein En­sem­ble ganz he­ro­isch in die Som­mer­pau­se: Mit „Mein Va­ter­land“von Sme­ta­na. Clau­dia Kraus

UM­GE­BEN VON PAR­TI­TU­REN fühlt sich Mar­kus Hu­ber wohl. Er freut sich auf ein bun­tes, un­ter­halt­sa­mes und auch an­spruchs­vol­les Pro­gramm in der nächs­ten Spiel­zeit. Fo­to: Wa­cker

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.