„Bür­ger­ser­vice­stel­le“für Amts­ge­richt

Jus­tiz­mi­nis­ter sieht Mo­dell­pro­jekt für das Land / Stand­ort­de­bat­te nicht vor­dring­lich

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann

Am Karls­ru­her Amts­ge­richt tut sich was – und dies zwar jen­seits jeg­li­cher De­bat­ten, ob die be­nach­bar­te Kunst­hal­le sich ei­nes Ta­ges mal auf das Are­al des Amts­ge­richts aus­deh­nen könn­te. Denn das Amts­ge­richt Karlsruhe soll ei­ne so­ge­nann­te „Bür­ger­ser­vice­stel­le“be­kom­men, bei der wich­ti­ge Di­enst­leis­tun­gen des Ge­richts ge­bün­delt wer­den sol­len. „Dies kann ein Pi­lot­pro­jekt für das gan­ze Land wer­den,“sag­te Lan­des­jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU) ges­tern bei sei­nem Be­such des Amts­ge­richts. Im Foy­er des Ge­richts soll die­se zen­tra­le An­lauf­stel­le für das „rechts­su­chen­de Pu­bli­kum“ent­ste­hen, so Wolf. Da geht es um die gan­ze, vor al­lem stark ver­wal­tungs­mä­ßi­ge

Wolf be­sucht Amts­ge­richt Karlsruhe

Band­brei­te der Funk­tio­nen des Amts­ge­richts in Fa­mi­li­en-, Zi­vil- oder Be­treu­ungs­sa­chen. Bis­her gibt es schon ei­ne der­ar­ti­ge An­lauf­stel­le in der Zweig­stel­le des Amts­ge­richts in der Lamm­stra­ße, dort aber aus­schließ­lich für Fa­mi­li­en­sa­chen. Mit der neu­en Ser­vice­stel­le soll auch das The­ma Si­cher­heit am Ge­richt wei­ter ver­bes­sert wer­den, sprich die Tren­nung von Bü­ros und Ge­richts­sä­len. „Wir ha­ben ei­ne zu­neh­mend schwie­ri­ge Kund­schaft“, re­sü­mier­te der Mi­nis­ter. Auch des­halb gibt es die mo­bi­len Si­cher­heits­ein­hei­ten, be­ste­hend aus Jus­tiz­wacht­meis­tern. Der Mi­nis­ter, der sich vor der Pres­se­kon­fe­renz mit den Be­schäf­tig­ten traf, nahm ges­tern al­ler­dings auch den Wunsch der Be­leg­schaft des Amts­ge­richts nach mehr stän­dig an­we­sen­den Jus­tiz­wacht­meis­tern mit. Da­mit das Foy­er nun ent­spre­chend um­ge­baut wer­den kann, steht Ge­richts­prä­si­dent Tho­mas Oh­lin­ger im Kon­takt mit dem Lan­des­be­trieb Ver­mö­gen und Bau. Ei­nen ge­nau­en Zeit­rah­men gibt es noch nicht. „Un­ser Ein­gangs­be­reich muss auf je­den Fall si­che­rer wer­den,“be­ton­te Oh­lin­ger. Na­tür­lich nahm Wolf auch Stel­lung zu der De­bat­te über ei­ne mög­li­che Er­wei­te­rung der Kunst­hal­le auf dem Are­al des Amts­ge­richts. Dies funk­tio­niert aber nur, wenn das Amts­ge­richt ei­nen ad­äqua­ten neu­en Stand­ort be­kommt. „Wir ste­hen der De­bat­te um die Schaf­fung ei­nes neu­en Jus­tiz­zen­trums in Karlsruhe of­fen ge­gen­über,“be­ton­te Wolf. Aber dies sei al­len­falls „wün­schens­wert“.

Er kön­ne kei­ne zeit­na­he Um­set­zung si­gna­li­sie­ren und ver­wies auf ei­nen In­ves­ti­ti­ons­stau in der Jus­tiz von rund 500 Mil­lio­nen Eu­ro. „Es gibt Punk­te, die dring­li­cher sind,“be­ton­te der Mi­nis­ter. Es sei auch klar, dass ein der­ar­ti­ges neu­es Jus­tiz­zen­trum in­nen­stadt­nah sein müs­se. Im an­ge­kün­dig­ten Pla­nungs­wett­be­werb für die Sa­nie­rung der Kunst­hal­le gibt es ei­nen „Ide­en­teil“, wie das Ge­län­de des Amts­ge­richts ge­nutzt wer­den könn­te. Amts­ge­richts­prä­si­dent Oh­lin­ger, der vor Wo­chen in den BNN ei­nen ge­wis­sen Un­mut an­ge­sichts der De­bat­te for­mu­lier­te, wür­dig­te nun die ent­spre­chen­den Ak­ti­vi­tä­ten des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums in die­ser Sa­che. „Am An­fang hat es mich ge­stört, dass die­se De­bat­te über un­se­re Köp­fe hin­weg ge­gan­gen ist,“so Oh­lin­ger.

Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf wür­dig­te bei der Ge­le­gen­heit die Ar­beit des Amts­ge­richts. „Die Amts­ge­rich­te sind das Rück­grat der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Jus­tiz“, so Wolf. Der Jus­tiz­mi­nis­ter, in­zwi­schen ein star­kes Jahr im Amt, hat­te in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten na­he­zu je­den Land­ge­richt­stand­ort im Land be­sucht – in­klu­si­ve Staats­an­walt­schaf­ten – nun sind laut Wolf die Amts­ge­rich­te an der Rei­he. Bei die­ser Ge­le­gen­heit leg­te er ein Be­kennt­nis für die de­zen­tra­le Jus­tiz ab. Amts­vor­gän­ger Rai­ner Sti­ckel­ber­ger (SPD) hat­te ja zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit dar­über sin­niert, klei­ne­re Ge­rich­te im Land zu schlie­ßen.

Die De­bat­te um ein (zwar in wei­ter Zu­kunft) lie­gen­des neu­es Jus­tiz­zen­trum an Stel­le des bis­he­ri­gen Amts­ge­richts Karlsruhe be­deu­te aber kei­ne Be­dro­hung für den Stand­ort des Amts­ge­richts Dur­lach. Er be­ton­te auf ei­ne ent­spre­chen­de Nach­fra­ge der BNN, dass ein „Amts­ge­richt Dur­lach und ein neu­es Jus­tiz­zen­trum sich nicht ge­gen­sei­tig aus­schlie­ßen“.

STAND­ORT­DE­BAT­TE OH­NE EI­LE: Al­len­falls „wün­schens­wert“sieht Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf die Fra­ge ei­nes neu­en Jus­tiz­zen­trums, was die zwin­gen­de Vor­aus­set­zung da­für wä­re, dass die Kunst­hal­le sich auf das Are­al des Amts­ge­richts aus­brei­ten könn­te. Fo­tos: jo­do

AUF BE­SUCH im Amts­ge­richt Karlsruhe war Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf, hier mit Ge­richts­prä­si­dent Tho­mas Oh­lin­ger (rechts).

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