Mit Ack­er­r­o­bo­ter und Renn­au­to auf Zei­t­rei­se

35 000 Neu­gie­ri­ge bli­cken hin­ter KIT-Ku­lis­sen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Eg­gen­stein-Leo­pold­sha­fen. Wie fern­ge­steu­ert ma­nö­vriert sich die vier­räd­ri­ge Ma­schi­ne über den mit Py­lo­nen ab­ge­steck­ten Par­cours, ziel­si­cher be­spritzt sie zwei Dut­zend Pflan­zen­at­trap­pen mit Was­ser. Vor zehn Ta­gen ge­wann der Fel­d­ro­bo­ter der stu­den­ti­schen Hoch­schul­grup­pe Kama­ro noch den ers­ten Preis beim re­nom­mier­ten „Field Ro­bot Event“an der Har­per Adams Uni­ver­si­ty im eng­li­schen Edg­mond – und nun sorgt er für stau­nen­de Ge­sich­ter bei zahl­rei­chen Be­su­chern, die zum Tag der of­fe­nen Tür auf den Cam­pusNord des Karls­ru­her In­sti­tuts für Tech­no­lo­gie (KIT) in Eg­gen­stein-Leo­pold­sha­fen ge­kom­men sind.

„Die Kon­struk­ti­on die­ses Mo­dells hat sehr viel Zeit in An­spruch ge­nom­men und die Tei­le für den Bau des Ro­bo­ters stam­men von Spon­so­ren aus der Wirt­schaft oder wur­den an den KIT-In­sti­tu­ten er­bet­telt“, er­läu­ter­te Kama­roSpre­cher Joa­chim Schön­mehl sei­nen Zu­hö­rern die Be­son­der­hei­ten des un­ge­wöhn­li­chen Ge­fährts. Doch trotz des Sie­ges bei den „in­of­fi­zi­el­len Welt­meis­ter­schaf­ten“im Ro­bo­ter­bau ist das mit zahl­rei­chen Sen­so­ren und ei­ner Fro­schau­gen­ka­me­ra be­stück­te Mo­dell nach Schön­mehls Ein­schät­zung le­dig­lich der ers­te Schritt bei der Ent­wick­lung ei­nes Pro­to­ty­pen für den Ein­satz in der Land­wirt­schaft. „Mit sol­chen Ma­schi­nen kön­nen Pflan­zen­schutz­mit­tel und Dün­ger viel ef­fi­zi­en­ter und um­welt­freund­li­cher als bis­her ge­spritzt wer­den“, er­läu­ter­te Schön­mehl die Vi­si­on sei­ner rund 25 Kama­ro-Mit­strei­ter.

Be­reits vor dem of­fi­zi­el­len Be­ginn des Tags der of­fe­nen Tür herrscht am Wo­che­n­en­de im Ein­gangs­be­reich und an den In­for­ma­ti­ons­stän­den ein re­ger An­drang. Bis zum Sams­tag­abend ha­ben sich rund 35 000 Be­su­cher an zahl­rei­chen In­fo­stän­den und in den In­sti­tuts­ge­bäu­den über die ak­tu­el­len For­schun­gen am KIT in­for­miert. „Wer ei­ge­ne Vi­sio­nen hat, kann in ei­ner For­schungs­uni­ver­si­tät wie dem KIT ei­nen Blick in die Zu­kunft wer­fen“, sagt KIT-Prä­si­dent Hol­ger Han­sel­ka. Vor al­lem in den Be­rei­chen der au­to­no­men Fahr­zeug­steue­rung kön­nen Ent­wick­lun­gen wie von der Kama­ro-Grup­pe nach Han­sel­kas Ein­schät­zung be­reits in we­ni­gen Jah­ren den All­tag der Men­schen nach­hal­tig ver­än­dern.

Au­ßer­dem müss­ten in den kom­men­den Jah­ren auch Al­ter­na­ti­ven zum Ver­bren­nungs­mo­tor so­wie zur Kraft­stof­fer­zeu­gung aus Erd­öl bis zur Markt­rei­fe ge­bracht wer­den. Wie letz­te­res künf­tig funk­tio­nie­ren könn­te, er­fuh­ren die Be­su­cher bei der Be­sich­ti­gung der Bio­li­qAn­la­ge, in der die Wis­sen­schaft­ler um Team­lei­ter Bernd Zim­mer­lin Ben­zin aus Stroh her­stel­len. Aus den vier je­weils rund 300 Ki­lo­gramm schwe­ren Stroh­bal­len vor der An­la­ge kön­nen laut Zim­mer­lin un­ge­fähr 120 Li­ter Kraft­stoff ge­won­nen wer­den.

Bei den Be­su­chern sto­ßen die ver­ständ­li­chen Er­läu­te­run­gen der Wis­sen­schaft­ler auf gro­ßes In­ter­es­se. „Ich bin

Kama­ro-Er­fin­dung siegt kurz zu­vor in En­g­land

zum ers­ten Mal hier und fin­de die vie­len Vor­füh­run­gen sehr span­nend“, sagt Hel­mut Schroth. Au­ßer­dem wol­le er den Ar­beits­plat­zes sei­nes Soh­nes Phil­ipp am Syn­chron­strah­lungs­la­bor An­ka ein­mal per­sön­lich in Au­gen­schein neh­men.

An­ja Christ-Wen­zel geht mit ih­ren bei­den Söh­nen Micha­el und Li­nus auf Ent­de­ckungs­tour. Der 14-jäh­ri­ge Micha­el in­ter­es­siert sich vor al­lem fürs Pro­gram­mie­ren und den Hoch­leis­tungs­rech­ner ForHLR II, der elf­jäh­ri­ge Li­nus für die Ar­beit der Mo­tor­sport­grup­pe KA RaceING, die auf ei­nem ab­ge­sperr­ten Par­cours ih­re bei­den Renn­wa­gen der stu­den­ti­schen Mo­tor­sport­se­rie For­mu­la Stu­dent krei­seln lässt.

„Fa­mi­li­en sind bei uns im­mer ganz be­son­ders will­kom­men“, be­tont KIT-Prä­si­dent Han­sel­ka,, „denn wir be­trei­ben schließ­lich heu­te schon die For­schung für die nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen“. Der „Blick ins Über­mor­gen“sei ein wich­ti­ger in­ter­dis­zi­pli­nä­rer An­satz bei der Be­ant­wor­tung von ge­sell­schaft­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen, und zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der kom­ple­xen The­men wür­den die For­scher des­halb ein­mal im Jahr die Tü­ren ih­rer La­bo­re öff­nen. In die­ser Wo­che sorgt auch noch das Wis­sen­schafts­fes­ti­val „Ef­fek­te“un­ter dem Mot­to „Zei­t­rei­se Wis­sen­schaft“für den nie­der­schwel­li­gen Trans­fer zwi­schen Wis­sen­schaft und Be­völ­ke­rung.

Als pas­sen­der Wer­be­trä­ger für sol­che Zei­t­rei­sen er­weist sich beim Tag der of­fe­nen Tür üb­ri­gens ein sil­ber­grau­er DeLo­re­an: Der Sport­wa­gen mit den mar­kan­ten Flü­gel­tü­ren war im Hol­ly­woo­dStrei­fen „Zu­rück in die Zu­kunft“die wohl schnit­tigs­te Zeit­ma­schi­ne der Film­ge­schich­te.

NÜTZ­LI­CHE UND NIED­LI­CHE RO­BO­TER prä­sen­tier­ten For­scher des Karls­ru­her In­sti­tuts für Tech­no­lo­gie (KIT) am Tag der of­fe­nen Tür auf dem Cam­pus Nord. Rund 35 000 Schau­lus­ti­ge staun­ten über Ma­schi­nen wie den Kama­ro-Fel­d­ro­bo­ter (links). Fo­tos: Done­cker

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