Wit­we von Axel W. klagt wei­ter

Mor­gen ver­han­delt das Bun­des­ar­beits­ge­richt den Raus­wurf des KIT-Atom­ma­na­gers

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Kupke

Karls­ru­he/Er­furt. Nach der An­kla­ge wur­de er ar­beits­los, und selbst nach dem Frei­spruch blieb er oh­ne Job: Axel W, der frü­he­re Ma­na­ger im Atom­sek­tor des KIT, woll­te das nicht hin­neh­men und ging durch die In­stan­zen. Er ist in­zwi­schen tot, doch sei­ne Wit­we kämpft wei­ter – mor­gen vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt in Er­furt. Dort wird sein nach ei­ner An­kla­ge we­gen Kor­rup­ti­on er­folg­ter Raus­schmiss aus dem Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) ver­han­delt (Az: 9 AZR 576/15).

Die Wit­we von Axel W. setzt da­mit in letz­ter In­stanz den Kampf ih­res Man­nes mit der Jus­tiz fort. „Ich bin es mei­nem Mann schul­dig, es war sein Wil­le“, sag­te sie. Mit ei­ner Ent­schei­dung wird noch am mor­gi­gen Tag ge­rech­net.

Axel W., der im Al­ter von 67 Jah­ren En­de Au­gust ver­gan­ge­nen Jah­res starb, sah sich als Jus­ti­zop­fer. Der ge­schass­te Pro­jek­te-Lei­ter im Still­le­gungs­be­reich des frü­he­ren Kern­for­schungs­zen­trums Karls­ru­he war im so­ge­nann­ten Atom­for­scher­pro­zess nach an­ony­men Hin­wei­sen we­gen Kor­rup­ti­on an­ge­klagt und kurz dar­auf ent­las­sen wor­den. Er wur­de trotz ei­nes Frei­spruchs En­de 2013 nicht wie­der ein­ge­stellt. „Es gab nicht den lei­ses­ten An­halts­punkt für ein wirk­lich straf­ba­res Ver­hal­ten, was die frist­lo­se Kün­di­gung ge­recht­fer­tigt hät­te“, so sein An­walt Trutz Graf Kers­sen­brock. Das Le­ben sei­nes Man­dan­ten sei da­durch zer­stört wor­den. Und: „Das ist auch der Grund für sei­nen frü­hen Tod.“

Axel W.’s Kla­ge ge­gen die da­ma­li­ge Ver­dachts­kün­di­gung blieb in den Vor­in­stan­zen er­folg­los. Mit sei­ner Re­vi­si­on beim Bun­des­ar­beits­ge­richt woll­te er rund 150 000 Eu­ro ent­gan­ge­nes Ge­halt, 50 000 Eu­ro An­walts­kos­ten und bis zu 300 Eu­ro ent­gan­ge­ne Ren­te pro Mo­nat ein­kla­gen. Das KIT hat­te ihm 15 000 Eu­ro vor­ge­schla­gen. Er­folg­los blieb sei­ne Kla­ge ge­gen das Land Ba­den-Würt­tem­berg: Er hat­te der Staats­an­walt­schaft ein­sei­ti­ge Er­mitt­lun­gen vor­ge­wor­fen und vom Staat ei­ne Ent­schä­di­gung in nied­ri­ger sechs­stel­li­ger Hö­he ge­for­dert. Das Land­ge­richt Karls­ru­he fand es aber nach­voll­zieh­bar, dass die Staats­an­walt­schaft zu Be­ginn des Atom­for­scher­pro­zes­ses von ei­nem hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht aus­ging. Dass Axel W. am En­de frei­ge­spro­chen wur­de, zei­ge: „Der Rechts­staat hat funk­tio­niert.“

Im so­ge­nann­ten Atom­for­scher­pro­zess stan­den ins­ge­samt fünf An­ge­klag­te vor Ge­richt: drei ehe­ma­li­ge Füh­rungs­kräf­te des For­schungs­zen­trums we­gen Vor­teils­an­nah­me und zwei Re­prä­sen­tan­ten ei­ner Ent­sor­gungs­fir­ma we­gen Vor­teils­ge­wäh­rung. Al­le wur­den frei­ge­spro­chen.

Ein Fir­men­ver­tre­ter, mit dem Axel W. be­freun­det war, starb kurz nach En­de des Pro­zes­ses vor dem Bun­des­ge­richts­hof.

ER KLAG­TE ge­gen KIT und Land, doch das mor­gi­ge Fi­na­le des Streits er­lebt er nicht mehr: Axel W. starb 2016. Fo­to: Deck

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