Ver­brau­cher­zen­tra­le klagt ge­gen Ba­de­nia

Heu­te be­ginnt der Pro­zess in Karls­ru­he: Es geht um ei­ne Kün­di­gungs­klau­sel in Bau­spar­ver­trä­gen

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Wolf von De­witz

Karls­ru­he. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg will die Bau­spar­kas­se Ba­de­nia da­zu zwin­gen, ei­ne be­stimm­te Kün­di­gungs­klau­sel aus ih­ren Ver­trags­be­din­gun­gen zu strei­chen. Der Pro­zess star­tet heu­te vor dem Land­ge­richt Karls­ru­he.

Seit 2015 setzt die Bau­spar­bran­che auf mas­sen­haf­te Kün­di­gun­gen, um gut ver­zins­te Alt­ver­trä­ge los­zu­wer­den. Das ist recht­lich was­ser­dicht, ur­teil­te Karls­ru­he erst im Fe­bru­ar. Vier Mo­na­te nach der Nie­der­la­ge vor dem Bun­des­ge­richts­hof star­ten Ver­brau­cher­schüt­zer nun ei­nen neu­en Ver­such, um künf­ti­ge Kün­di­gun­gen zu un­ter­bin­den. Es geht hier­bei um ei­ne spe­zi­el­le Klau­sel, der zu­fol­ge das

Wer kein Dar­le­hen will, fliegt nach 15 Jah­ren raus

Fi­nanz­in­sti­tut zu­künf­tig Ver­trä­ge 15 Jah­re nach Ab­schluss kün­di­gen kann – und zwar wenn die­se nicht wie ei­gent­lich üb­lich in Dar­le­hen ge­wan­delt wor­den sind. Die­se Klau­sel sei un­zu­läs­sig und der Ver­brau­cher wer­de be­nach­tei­ligt, sagt Bau­spar­ex­per­te Niels Nau­hau­ser von der Ver­brau­cher­zen­tra­le.

Die Ba­de­nia hält die in ei­nem Ta­rif fest­ge­schrie­be­ne Klau­sel für le­gal und an­ge­mes­sen. Man wer­de wei­ter­hin dar­an fest­hal­ten, sag­te ein Un­ter­neh­mens­spre­cher.

Bau­spa­ren be­steht aus zwei Pha­sen: Nach­dem die Kun­den Geld an­ge­spart ha­ben, kön­nen sie ein Dar­le­hen be­kom­men. An­ge­sichts der ak­tu­el­len Nied­rig­zins­pha­se ist der vor lan­ger Zeit fest­ge­leg­te Kre­dit-Zins­satz der­zeit aber nicht mehr at­trak­tiv – da­her wol­len vie­le Ver­brau­cher den Kre­dit gar nicht, zum Miss­fal­len der Fi­nanz­in­sti­tu­te. Seit 2015 kün­di­gen sie mas­sen­haft Alt­ver­trä­ge und be­zie­hen sich da­bei auf ei­nen Pa­ra­gra­fen im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (BGB). Die­se Pra­xis ist laut ei­nem Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) le­gal. Am Karls­ru­her Land­ge­richt – al­so zwei In­stanz­ebe­nen un­ter dem BGH – ist nun die Kün­di­gungs­klau­sel The­ma, die di­rek­ter Be­stand­teil von Ver­trä­gen ist.

Die Klau­sel ist ein an­de­rer Weg für die In­sti­tu­te, Alt­kun­den los­zu­wer­den – und zwar, je nach Ver­trag, et­wa zwei bis fünf Jah­re schnel­ler als mit dem Be­zug auf den BGB-Pa­ra­gra­fen. Zu ei­ner Kün­di­gung ge­nutzt wur­de die Klau­sel zwar noch nicht – die Lan­des­bau­spar­kas­se (LBS) Ba­den-Würt­tem­berg führ­te sie als ers­tes In­sti­tut 2005 ein, frü­hes­tens 2020 könn­te es al­so auf die­ser Ba­sis zu Kün­di­gun­gen kom­men. Die Ba­de­nia setzt gar erst seit 2015 auf die Klau­sel, zur Kün­di­gung ge­nutzt wer­den könn­te sie al­so erst 2030.

Aus Sicht von Ver­brau­cher­schüt­zer Nau­hau­ser ist es den­noch wich­tig, die­sem Vor­ha­ben schon jetzt ei­nen Rie­gel vor­zu­schie­ben. „Da­mit das Kind gar nicht erst in den Brun­nen fällt und der Ver­brau­cher nicht er­neut von den Bau­spar­kas­sen be­nach­tei­ligt wird.“Er weist dar­auf hin, dass die Kas­sen an­de­re We­ge zur Kün­di­gung hät­ten. „Die Fi­nanz­in­sti­tu­te könn­ten die ver­ein­bar­te Re­gel­spar­ra­te ein­for­dern – dann wä­re ein Bau­spar­ver­trag je nach Ta­rif bin­nen 15 Jah­ren voll be­spart und könn­te ganz le­gal ge­kün­digt wer­den.“Ge­gen al­le drei In­sti­tu­te – die Ba­de­nia, die LBS und den Ver­band – hat die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg Kla­ge ein­ge­reicht.

DER GÜNS­TI­GE KRE­DIT FÜRS EI­GEN­HEIM war ein­mal das Haupt­ziel der Bau­spa­rer. Doch in Nied­rig­zins­zei­ten ver­zich­ten vie­le auf das Dar­le­hen. Ob und wie die Bau­spar­kas­sen sol­chen Kun­den kün­di­gen kann, ist um­strit­ten und be­schäf­tigt heu­te die Rich­ter. Fo­to: Pleul

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.