„Ka­po und Po­lis­seu­se“er­öff­net

Pforz­hei­mer Gold­schmieds-Wit­ze ab jetzt in der Ga­le­rie Bröt­zin­ger Art zu se­hen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Das gibt es sel­ten, da hat Andrea Schu­ma­cher von der Ga­le­rie Bröt­zin­ger Art recht, dass ei­ner Ver­nis­sa­ge ein Auf­tritt be­rühm­ter Pforz­hei­mer Pro­mis vor­aus­geht. Der Ka­po höchst­per­sön­lich lässt sich bli­cken und wo der ist, da ist auch die Po­lis­seu­se Pau­li­ne nicht weit und mit ihr die ihr an­ge­wach­se­ne „fre­che Gosch“. Die reißt die selbst­be­wuss­te Per­son im Mot­ten­kä­fig denn auch ziem­lich weit auf, zur Freu­de der knapp 100 Be­su­cher. Der Gold­schmied darf na­tür­lich auch nicht feh­len, der Stift (Lehr­ling) und na­tür­lich der Aus­läu­fer, der wich­ti­ge Funk­tio­nen aus­übt. Nein, nicht et­wa das Gekrätz zur Edel­me­tall­hand­lung De­gus­sa brin­gen, das auch, aber noch wich­ti­ger: auf dem Rück­weg das „Ve­sper“brin­gen. In der Schmuck­fir­ma Schnäb­ber­le wer­den so­gar „Nä­gel mit Köp­fen“ge­macht, auch wenn das oft mehr ver­bal ge­schieht.

Die Be­su­cher konn­ten nach die­ser Ein­stim­mung – un­ter der Re­gie Ra­pha­el Mür­les und mit An­sa­ger Wolf­gang Bur­ger – die „Ka­po- und Po­lis­seu­se“-Wit­ze samt Ori­gi­nal-Zei­tungs­sei­ten un­ter an­de­rem aus dem Jahr 1957 des Pforz­hei­mer Ku­ri­er in der Ga­le­rie be­stau­nen und dar­über herz­haft la­chen. Im Ku­ri­er ha­ben 20 Jah­re lang – von 1953 bis 1974 – der Ka­po und die Po­lis­seu­se ver­sucht, sich ge­gen­sei­tig die But­ter vom Brot zu neh­men, im­mer zeich­ne­risch fest­ge­hal­ten von Rai­ner Mür­le. Fehl­ten nur noch die wit­zi­gen Dia­lo­ge, die von den Le­sern ein­ge­reicht wur­den – für den bes­ten Witz gab es fünf Mark. Zum Bei­spiel für die­sen, in dem der Ka­po die Po­lis­seu­se fragt, was sie am Sonn­tag ma­che. „Nix“, sagt die­se. Dann möch­te er, so der Ka­po, doch dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass „heu­te Mon­tag“sei.

Für den stell­ver­tre­ten­den Re­dak­ti­ons­lei­ter des Pforz­hei­mer Ku­ri­er, Ro­land Wei­sen­bur­ger, wa­ren die re­gel­mä­ßi­gen Ka­po- und Po­li­seus­sen-Wit­ze da­mals ein An­lass, zur „Oma nach Pforz­heim“zu wol­len, die den Ku­ri­er abon­niert hat­te. „Ich häb mei­ne El­dern im­mer sam­sch­dags blogt“, er­zählt er in der Ga­le­rie vor zahl­rei­chem Pu­bli­kum. In Dia­lekt, denn „wer d Pau­li­ne unn ih­ren Ka­po ver­steht, der ver­steht au die“ha­be sei­ne Frau ge­sagt. Im Ju­bi­lä­ums­jahr taucht das schlag­fer­ti­ge Duo wie­der im Pforz­hei­mer Ku­ri­er auf, im Mot­ten­kä­fig ha­ben die An­ge­stell­ten der Fir­ma Schnäb­ber­le eh ei­nen fes­ten Platz. Dort wur­den auch wei­te­re Dia­lo­ge au­ßer­halb des Ta­ges­zei­tungs­ge­sche­hens ge­schrie­ben und auf­ge­führt.

Ob es die Dia­lo­ge so ge­ge­ben hat weiß man nicht, aber vor­stell­bar wä­re es. Da hat Ro­land Wei­sen­bur­ger si­cher recht, wenn er da­von spricht, dass die oft auch mit Lo­kal­ko­lo­rit an­ge­rei­cher­ten Wit­ze teils wie aus der Zeit ge­fal­len wir­ken, aber man mit ih­nen manch­mal „tie­fer in Pforz­heims Seel gug­ga“konn­te „wie in de­ne Be­rich­te drum­rum“. Und letzt­lich ist das na­tür­lich auch ein Aspekt: La­chen ver­bin­de und füh­re die Men­schen zu­sam­men, stellt So­zi­al­bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler in ih­rer Be­grü­ßung fest. In­ter­es­sant ist dann auch die kur­ze, aber fun­dier­te Ein­füh­rung von Ana Kug­li. Sie weiß näm­lich, war­um die Po­lis­seu­se sich so ei­ne „fre­che Gosch“er­lau­ben konn­te: Weil sie in der Blü­te­zeit der Schmuck­in­dus­trie min­des­tens zwi­schen zehn Ar­beits­plät­zen wäh­len konn­te. Wie an­ge­se­hen der kom­pli­zier­te Be­ruf der Po­lis­seu­se war und ist er­zähl­te wie­der­um Chris­toph Wel­len­dorff wäh­rend des „Lu­xus!?“-Sym­po­si­ums am Wo­che­n­en­de in der Fa­kul­tät für Gestal­tung. „Sie ver­leiht dem Gold den Glanz. Da geht es um kleins­te Flä­chen und gleich­mä­ßi­ges Po­lie­ren.“

Ser­vice

Die Ga­le­rie Bröt­zin­ger Art in der Brun­nen­stra­ße 14 hat ge­öff­net: don­ners­tags von 14 bis 17 Uhr, frei­tags und sams­tags von 18.30 bis 22 Uhr, sonn­tags von 11 bis 18 Uhr.

EIN­STIM­MUNG AUF DIE AUS­STEL­LUNG: Bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler und der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Ku­ri­er, Ro­land Wei­sen­bur­ger, be­grüß­ten die Gäs­te. Fo­to: Roth

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