Flot­te Wä­sche­rin­nen mit flin­kem Nach­wuchs

Bu­lach pflegt sein Brauch­tum mit dem Som­mer­tags­zug und ei­ner ori­gi­nel­len Lauf­ver­an­stal­tung

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Su­san­ne Jock

Bu­lach fei­ert sei­ne Tra­di­tio­nen: Im Wasch­frau­en-Look mit Kit­tel­schür­ze oder Dirndl rann­ten ges­tern 150 Frau­en beim drit­ten „Wä­sche­rin­nen-Lauf“durch das eins­ti­ge Dorf an der Alb und das be­nach­bar­te Bei­ert­heim. Zu­vor hat­te sich der Som­mer­tags­zug durch den Stadt­teil ge­schlän­gelt. „Hier wird von ei­ner tol­len Bür­ger­ge­mein­schaft die Hei­mat ge­fei­ert“, stellt Mar­tin Wa­cker fest, ehe der Chef-Or­ga­ni­sa­tor der Hei­mat­ta­ge Ba­den-Würt­tem­berg den Start­schuss für die Läu­fe­rin­nen gibt.

Zu Eh­ren der flei­ßi­gen Bu­la­cher Wä­sche­rin­nen, die ne­ben der Ar­beit in der Land­wirt­schaft die Wä­sche der Karls­ru­her durchs Alb­was­ser zo­gen und so er­heb­lich zum Fa­mi­li­en­ein­kom­men bei­tru­gen, in­iti­ier­te Gregor Ne­u­mann vom Bür­ger­ver­ein Bu­lach zum 300. Stadt­ge­burts­tag vor zwei Jah­ren das Lauf-Event. Der ein­zi­ge rei­ne Karls­ru­her Frau­en­lauf eta­blier­te sich schnell zur Mar­ke und zieht Spaß- und Ge­nuss­läu­fe­rin­nen eben­so an wie am­bi­tio­nier­te Hob­by­S­port­le­rin­nen. Ti­na Noack aus Bie­tig­heim-Bis­sin­gen, die über die 4,8 Ki­lo­me­ter die Schnells­te war, ist des Lo­bes voll für das ori­gi­nel­le Bu­la­cher Ren­nen. „Ei­ne Lauf­ver­an­stal­tung mit viel Fez – das ist su­per“, sagt sie, wäh­rend sie ein T-Shirt aus­wringt. Das näm­lich ge­hört zum Pro­gramm des Wä­sche­rin­nen-Lau­fes: Nach der Zi­el­li­nie beim Ge­län­de des TSV Bu­lach muss ein Klei­dungs­stück im Zu­ber ge­wa­schen wer­den.

Je­de Men­ge Spaß ha­ben auch die „Bu­la­cher Wa­sch­wei­ber“, die sich schon 45 Mi­nu­ten vor dem Start zum Grup­pen­fo­to am Wä­sche­rin­nen-Brun­nen tref­fen. Ein­heit­lich ge­klei­det mit ka­riert ab­ge­setz­ten ro­ten Schür­zen, mit Spit­zen­ho­sen und Häub­chen, stel­len sie die größ­te Teil­neh­mer­grup­pe. Zur Pre­mie­re des Wä­sche­rin­nen-Laufs vor zwei Jah­ren ha­ben Bu­la­cher Frau­en die Grup­pe ge­grün­det, in­zwi­schen ist sie ge­wal­tig ge­wach­sen, er­zäh­len Car­men und Ti­na Gör­res. 25 Frau­en lau­fen dies­mal als „Wa­sch­weib“mit. Mit un­ter­schied­lichs­ten Am­bi­tio­nen. „An­kom­men und Spaß ha­ben“wol­len al­le, be­to­nen die Frau­en uni­so­no – und deu­ten als ih­re Schnells­te Patri­cia Be­cker aus. „Ich bin ges­tern in ei­ner 80-Ki­lo­me­ter-Staf­fel mit­ge­lau­fen, da­her ge­he ich heu­te nur auf die klei­ne Run­de“, sagt sie. Und läuft spä­ter prompt als Sie­ge­rin der 2,4 Ki­lo­me­ter durchs Ziel. Den zwei­ten Platz holt sich die jüngs­te Star­te­rin: Die zwölf­jäh­ri­ge Lui­se Ne­u­mann ist selbst über­rascht, wie flink sie war. „Ich ha­be viel­leicht zehn­mal trai­niert“, er­zählt sie.

Im Ein­satz war sie be­reits beim Som­mer­tags­zug: An der Sei­te ih­res Opas Fried­bert Ne­u­mann, dem Eh­ren­vor­sit­zen­den des Bu­la­cher Bür­ger­ver­eins, führ­te sie den Zug mit an. Mit die­sem grif­fen die Bu­la­cher in den 1990er-Jah­ren ei­ne al­te Tra­di­ti­on auf, die, wie Or­ga­ni­sa­tor Theo Hau­ser be­rich­tet, einst in vie­len Karls­ru­her Stadt­tei­len ge­pflegt wur­de: Der Win­ter soll­te durch den bun­ten Zug ver­trie­ben wer­den.

Für den Bei­ert­hei­mer Bür­ger­ver­ein war des­sen Eh­ren­vor­sit­zen­der Dieter Brun­ner an Ne­u­manns Sei­te an der Zug­spit­ze. Er hät­te sich mehr Kin­der aus sei­nem Stadt­teil als Teil­neh­mer ge­wünscht – die „Som­mer­tagste­cken“mit dem Ei und der sü­ßen Bre­zel tru­gen vor al­lem Bu­la­cher Kin­der­gar­ten- und Schul­kin­der. Die Bei­ert­hei­mer Fah­ne hielt ne­ben dem Bür­ger­ver­ein ein­zig der Bei­ert­hei­mer Car­ne­val Club hoch.

Von der his­to­ri­schen Bür­ger­wehr, dem Spiel­manns­zug Schaidt, den his­to­ri­schen Rad­lern der RSG Karls­ru­he, den Gug­ge­mu­si­kern Dod­der­d­ab­ber, der Star-Wars-Ko­s­tüm­grup­pe „501st Le­gi­on“und wei­te­ren Teil­neh­mern wur­de der Win­ter aber schließ­lich doch laut­stark und viel­fäl­tig ver­jagt. Nur auf ei­ne ei­gent­lich ge­plan­te Maß­nah­me muss­te we­gen des star­ken Win­des und der an­hal­ten­den Tro­cken­heit ver­zich­tet wer­den: Der 2,5 Me­ter gro­ße Schnee­mann aus Papp­ma­ché, dem Theo Hau­ser ge­baut hat­te, durf­te nicht ver­brannt wer­den. „Dann kommt er beim nächs­ten Um­zug dran“sagt Hau­ser. Das ist eben­so si­cher wie ei­ne vier­te Auf­la­ge des Wä­sche­rin­nen-Lau­fes, so Or­ga­ni­sa­tor Gregor Ne­u­mann.

START ZUM DRIT­TEN WÄ­SCHE­RIN­NEN-LAUF: 150 Frau­en in Kit­tel­schür­ze oder Dirndl mach­ten sich auf den 2,4 oder 4,8 Ki­lo­me­ter lan­gen Rund­kurs durch Bu­lach und Bei­ert­heim. Das Ren­nen, das an die flei­ßi­gen Bu­la­cher Wasch­frau­en er­in­nert, wur­de vor zwei Jah­ren zum 300. Stadt­ge­burts­tag aus der Tau­fe ge­ho­ben und hat sich in­zwi­schen eta­bliert. Fo­tos: jo­do

GE­SCHMÜCK­TE STE­CKEN mit ei­ner sü­ßen Bre­zel und ei­nem Ei tra­gen die Kin­der beim Bu­la­cher Som­mer­tags­zug.

DER SCHNEE­MANN durf­te we­gen der Brand­ge­fahr nicht wie ge­plant an­ge­zün­det wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.