„Das sen­det die fal­schen An­rei­ze“

Staats­hil­fe für ita­lie­ni­sche Ban­ken löst Kri­tik aus

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Rom (dpa). Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung und die EU ste­hen nach neu­en Mil­li­ar­den­hil­fen für ita­lie­ni­sche Plei­te­ban­ken in der Kri­tik. Bei den In­sti­tu­ten Ban­ca Po­po­la­re di Vi­cen­za und Ban­ca Ve­ne­to, de­ren Ab­wick­lung die EU-Kom­mis­si­on zu­letzt un­ter Ein­satz von Steu­er­geld ge­neh­migt hat­te, fal­len Tau­sen­de Jobs weg. Bei der Über­nah­me durch Ita­li­ens zweit­größ­te Bank In­te­sa San­pao­lo sol­len bei den Re­gio­nal­in­sti­tu­ten 3 900 von über 10 800 Mit­ar­bei­tern das Un­ter­neh­men ver­las­sen, teil­te In­te­sa jetzt mit. 600 Fi­lia­len von 960 wür­den ge­schlos­sen. Das Ein­grei­fen ver­mei­de „ernst­haf­te so­zia­le Fol­gen“, die ei­ner un­ge­ord­ne­ten In­sol­venz der Ban­ken hät­ten fol­gen kön­nen.

Un­ter­des­sen kri­ti­sier­ten deut­sche Po­li­ti­ker die Staats­hil­fen der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung. Sie se­hen neue EU-Re­geln ver­letzt, wo­nach der Steu­er­zah­ler nicht mehr für Ban­ken­ret­tun­gen ein­ste­hen soll. Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung hat­te am Wo­che­n­en­de ein Not­fall­pa­ket ge­schnürt, um die Ban­ca Po­po­la­re di Vi­cen­za und Ban­ca Ve­ne­to ab­zu­wi­ckeln. Der Schritt sei nicht nur le­gi­tim son­dern ei­ne Pflicht ge­we­sen, sag­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni. Die Re­gie­rung will da­mit schwe­re wirt­schaft­li­che Schä­den für die Re­gi­on in Nord­ita­li­en ab­wen­den. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hat­te die bei­den Ban­ken, die seit Jah­ren auf ei­nem Berg fau­ler Kre­di­te sit­zen, als nicht über­le­bens­fä­hig ein­ge­schätzt und die Ab­wick­lung an­ge­ord­net. Die EU-Kom­mis­si­on bil­lig­te den Plan der Re­gie­rung in Rom – und rief da­mit so­gleich Kri­tik her­vor. FDP-Prä­si­di­ums­mit­glied Micha­el Theu­rer er­klär­te: „Wie­der ein­mal soll der Steu­er­zah­ler mit Mil­li­ar­den­sum­men ein­sprin­gen, um ma­ro­de Geld­häu­ser zu sa­nie­ren – das sen­det die fal­schen An­rei­ze und kon­ter­ka­riert al­le unsere Be­mü­hun­gen um Sta­bi­li­tät und Nach­hal­tig­keit im Fi­nanz­sys­tem und ei­ne funk­tio­nie­ren­de Ban­ken­uni­on.“

TIE­FER EIN­SCHNITT: Bei den In­sti­tu­ten Ban­ca Po­po­la­re di Vi­cen­za und Ban­ca Ve­ne­to fal­len jetzt Tau­sen­de Jobs weg. Fo­to: dpa

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