Al­te Schüt­zen­grä­ben

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­KUS GRABITZ

Lan­ge sah es so aus, als fühl­ten sich die Glo­ba­li­sie­rungs­geg­ner in der Ge­sell­schaft von Do­nald Trump nicht wohl. Es galt als un­at­trak­tiv, die glei­che Agen­da zu ver­fol­gen wie der er­klär­te Geg­ner des Frei­han­dels. In Eu­ro­pa war die Kri­tik an der EU-Frei­han­delsa­gen­da merk­lich ab­ge­ebbt. Doch nun re­gen sich die al­ten Re­fle­xe wie­der. Das Frei­han­dels­ab­kom­men mit Ja­pan (Jefta) wird in­stru­men­ta­li­siert, um wie­der die glei­chen Ar­gu­men­te vor­zu­brin­gen wie sei­ner­zeit ge­gen TTIP und Ce­ta.

Da­bei ha­ben die Be­für­wor­ter des frei­en Han­dels da­zu ge­lernt. Zum Bei­spiel beim Streit­punkt In­ves­to­ren­schutz. Längst trifft der Vor­wurf nicht mehr zu, Brüssel wol­le Un­ter­neh­men er­lau­ben, mit Hil­fe von staat­lich nicht kon­trol­lier­ten Pri­vat­ge­rich­ten ge­setz­li­che Ent­schei­dun­gen aus­zu­he­beln.

Im Ce­ta-Text hat man statt­des­sen staat­lich kon­trol­lier­te In­ves­ti­ti­ons­ge­richts­hö­fe ver­an­kert, bei de­nen die­se Kri­tik eben nicht mehr zu­trifft. In der EUPo­li­tik ist es genau­so wie auf na­tio­na­ler Ebe­ne: Sie ist ein Pro­zess, Po­si­tio­nen ve­rän­dern sich. Be­am­te, selbst die­je­ni­gen aus der EU-Bü­ro­kra­tie, ge­hen auf Kri­tik ein und pas­sen ih­re Be­schlüs­se an. Wenn dies so ist, wie et­wa am

Bei­spiel der Schieds­ge­rich­te, muss man auch von den Kri­ti­kern er­war­ten dür­fen, dass sie die ge­än­der­ten Po­si­tio­nen zu­min­dest zur Kennt­nis neh­men und nicht stur das glei­che be­haup­ten wie vor­her.

Üb­ri­gens: Auch bei Jefta kommt wie­der der Vor­wurf der Ge­heim­nis­krä­me­rei. Es ist leicht, feh­len­de Trans­pa­renz an­zu­mah­nen. Wie soll es aber in der Pra­xis lau­fen? Er­war­tet man wirk­lich, dass die Öf­fent­lich­keit über Zwi­schen­stän­de der Ver­hand­lun­gen in­for­miert wird? Es spricht mehr da­für, dass die Ver­hand­lun­gen nicht auf dem Markt­platz ge­führt wer­den. Der rich­ti­ge Ort ist der Ver­hand­lungs­tisch. Wie bei Ta­rif­ver­hand­lun­gen auch müs­sen die Par­tei­en, die sich da­bei ge­gen­über sit­zen, auf ei­ne ge­wis­se Ver­trau­lich­keit der In­hal­te set­zen kön­nen.

Wenn die Ver­hand­lun­gen ab­ge­schlos­sen sind und das Do­ku­ment kom­plett und in al­len Ar­beits­spra­chen der EU vor­liegt, dann schlägt die St­un­de der de­mo­kra­ti­schen Kon­trol­le. Dann müs­sen sich die Ab­ge­ord­ne­ten im Eu­ro­pa­par­la­ment an­hand des end­gül­ti­gen Ver­trags­tex­tes ein Bild ma­chen und ent­schei­den. Dau­men rauf, Dau­men run­ter. Schön trans­pa­rent, da­mit sich die Öf­fent­lich­keit auch ein Bild ma­chen kann.

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