Das Ri­si­ko steigt

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Po­li­tik kann vie­les, manch­mal so­gar die Welt ve­rän­dern. Ei­nes kann Po­li­tik aber nicht – die Ge­set­ze der Ma­the­ma­tik au­ßer Kraft set­zen. Die Grund­re­chen­ar­ten wie das klei­ne Ein­mal­eins kön­nen auch mit Mehr­heits­be­schlüs­sen nicht aus­ge­he­belt wer­den, son­dern blei­ben zeit­los gül­tig. Das gilt auch für die Ren­te. Da man sehr genau weiß, wer heu­te wie viel ver­dient und wann er die Al­ters­gren­ze er­reicht, kann man ziem­lich genau be­rech­nen, wie hoch dann sei­ne Al­ters­be­zü­ge aus­fal­len wer­den. Noch könn­te die La­ge für die Ren­te bes­ser kaum sein. Die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Jobs ist auf Re­kord­hö­he, die Löh­ne und Ge­häl­ter stei­gen, so­mit auch die Bei­trä­ge für die Ren­ten­kas­se. In­so­fern hat Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel Recht: Bis 2030 ist die Ren­te si­cher, akut be­steht kein Än­de­rungs­be­darf.

Gleich­wohl schla­gen al­le Ex­per­ten Alarm: Ab 2030 ist nichts mehr so wie es ist. Dann näm­lich ha­ben die Ba­by­boo­mer, die An­ge­hö­ri­gen der ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge, die heu­te noch in Lohn und Brot ste­hen und Bei­trä­ge zah­len, ihr ak­ti­ves Er­werbs­le­ben be­en­det und er­hal­ten Ren­te, wäh­rend die Zahl der Bei­trags­zah­ler deut­lich sinkt. Wer

die­se tie­fe Zä­sur ab­fe­dern will, soll­te früh­zei­tig ge­gen­steu­ern. Dar­an las­sen auch die Zah­len der Ber­tels­mann­Stif­tung kei­nen Zwei­fel auf­kom­men. Nach ih­ren Be­rech­nun­gen wird im Jahr 2036 je­der fünf­te Rent­ner ar­muts­ge­fähr­det sein, der­zeit liegt die Quo­te bei et­wa 16 Pro­zent. Das größ­te Ri­si­ko, im Al­ter auf die staat­li­che Grund­si­che­rung an­ge­wie­sen zu sein, ha­ben da­bei al­lein­ste­hen­de Frau­en, Men­schen, die min­des­tens fünf Jah­re ar­beits­los wa­ren, mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on so­wie oh­ne Be­rufs­ab­schluss.

Und auch für Ost­deut­sche steigt das Ar­muts­ri­si­ko – Fol­ge der ge­bro­che­nen Er­werbs­bio­gra­fi­en nach der Wen­de. Und we­der die von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on eben erst be­schlos­se­ne Stär­kung der Be­triebs­ren­te noch das von der SPD ge­for­der­te Ein­frie­ren des Ren­ten­ni­veaus bei 48 Pro­zent wür­den für die­se Ri­si­ko­grup­pen et­was ver­bes­sern – wer nur sehr we­nig ver­dient, kann kei­ne ho­he Ren­te be­kom­men. Da sind die Ge­set­ze der Ma­the­ma­tik un­er­bitt­lich. Die bes­ten Maß­nah­men ge­gen Al­ters­ar­mut blei­ben Bil­dung und Qua­li­fi­zie­rung. Ein Schul­ab­schluss und ei­ne gu­te Aus­bil­dung min­dern das Ri­si­ko.

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