Nur die ers­te Hür­de

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - JO­CHEN WITT­MANN

Sie wol­le „ei­ne star­ke und sta­bi­le“Re­gie­rung – das war das Man­tra der The­re­sa May im Wahl­kampf. Jetzt hat die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin ei­nen De­al er­reicht, mit dem ih­re Min­der­heits­re­gie­rung steht, aber die ist al­les an­de­re als stark und sta­bil. Mit Hil­fe der Stim­men von zehn DUP-Ab­ge­ord­ne­ten wird May die kri­ti­sche Ab­stim­mung am Don­ners­tag über die „Queens Speech“, al­so über das Re­gie­rungs­pro­gramm, ge­win­nen. Aber das ist nur die al­ler­ers­te Hür­de.

Wenn es nicht um den Er­halt der Re­gie­rung, son­dern um Sachthe­men geht, bleibt May schwach. Mit ei­ner Ar­beits­mehr­heit von ge­ra­de ein­mal 13 Stim­men brau­chen ihr nur sie­ben Ab­ge­ord­ne­te aus der ei­ge­nen Frak­ti­on der Kon­ser­va­ti­ven von der Fah­ne ge­hen, um die Pre­mier­mi­nis­te­rin im Re­gen ste­hen zu las­sen. Und es sind Re­bel­lio­nen zu er­war­ten

an­ge­sichts der acht Ge­set­ze, die dem­nächst im Un­ter­haus ein­ge­bracht wer­den sol­len über ver­schie­de­ne Aspek­te der Um­set­zung des Br­ex­it. Denn al­le die­se Ge­set­ze sind höchst um­strit­ten – ent­we­der bei Br­ex­it-Hard­li­nern oder um­ge­kehrt bei kon­ser­va­ti­ven Hin­ter­bänk­lern, die für den Ver­bleib in der EU ge­stimmt hat­ten. Der Pakt mit der DUP, ei­ner Par­tei, die ge­gen Ab­trei­bung und gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ist, wird May kurz­fris­tig vor ei­nem Miss­trau­ens­vo­tum im Un­ter­haus schüt­zen. Aber er macht sie po­li­tisch an­greif­bar. Mit den Hard­li­nern aus Nord­ir­land ist eben kein Staat zu ma­chen. May wä­re bes­ser be­ra­ten, an­ge­sichts der exis­ten­zi­ell wich­ti­gen Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen über­par­tei­li­che Lö­sun­gen zu su­chen. Sie will bei ih­rem har­ten Br­ex­it-Kurs blei­ben. Doch da­bei steht sie auf tö­ner­nen Fü­ßen.

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