„Si­cher­heit ist auch ei­ne Fra­ge des Ver­trau­ens“

Oli­ver Win­zen­ried star­te­te mit Ko­pier­schutz und zählt heu­te mit sei­ner Fir­ma zu den Top 3 der Welt

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Tan­ja Ra­stät­ter

Karls­ru­he. Von der Kin­der­geld­stel­le zum Welt­markt­füh­rer beim Soft­ware­schutz: Die Nut­zung der Ge­bäu­de in der Rüppur­rer Stra­ße 52–54 in Karls­ru­he ste­hen sinn­bild­lich für den di­gi­ta­len Wan­del. Wo Fa­mi­li­en frü­her Kin­der­geld be­an­tragt ha­ben, zer­bre­chen sich heu­te Ex­per­ten von Wi­bu Sys­tems den Kopf über Da­ten­si­cher­heit. Das Un­ter­neh­men von Grün­der und Vor­stand Oli­ver Win­zen­ried ist seit 1989 dort zu fin­den. „Wir schüt­zen das Know-how un­se­rer Kun­den“, sagt der Fir­men­chef, der im obers­ten Stock des Ge­bäu­des mit sei­ner Frau wohnt.

In den Bü­ros in Karls­ru­he ar­bei­ten fast 90 Mit­ar­bei­ter, welt­weit sind es 130. Toch­ter-Un­ter­neh­men gibt es in den USA und Chi­na. Die Ten­denz ist stei­gend.

Di­rekt nach dem Auf­ste­hen sich­tet Win­zen­ried E-Mails der asia­ti­schen Mit­ar­bei­ter, die sechs bis sie­ben St­un­den vor un­se­rer Zeit sind. „Bis wir an­fan­gen, ist dort schon Mit­tag.“Fünf- bis sechs­mal im Jahr ist er per­sön­lich in Chi­na oder an­de­ren asia­ti­schen Län­dern. „Der asia­ti­sche Markt ist sehr wich­tig für uns“, sagt er. Mit sei­nen Mit­ar­bei­tern im Aus­land woll­te Win­zen­ried je­doch nicht tau­schen, da er Karls­ru­he, die Re­gi­on und die In­fra­struk­tur sehr schätzt.

1987 hat­te der heu­te 55-Jäh­ri­ge, der am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) Elek­tro­tech­nik stu­dier­te, die Idee zu sei­nem Un­ter­neh­men. Zwei Jah­re spä­ter grün­de­te er die Fir­ma ge­mein­sam mit Mar­cel­lus Buch­heit, der seit dem Jahr 2000 die Ge­schäf­te des Un­ter­neh­mens in den USA ko­or­di­niert. „Mein Part­ner hat die Soft­ware ge­macht, ich die Hard­ware“, so der Un­ter­neh­mer. Da­mals woll­ten bei­de ei­nen bes­se­ren Soft­ware­schutz er­zie­len und Un­ter­neh­men Schutz vor Pro­dukt­pi­ra­te­rie bie­ten. Noch heu­te ist das ei­ne Kern­auf­ga­be von Wi­bu Sys­tems.

An­ge­fan­gen hat al­les mit ei­nem Don­g­le, ei­nem Ko­pier­schutz­ste­cker. „Heu­te steckt unsere Soft­ware in al­lem – in Blut­druck­mess­ge­rä­ten, bat­te­rie­ge­trie­be­nen EKGMess­ge­rä­ten, Be­at­mungs­ge­rä­ten oder Bank­au­to­ma­ten“, sagt der fin­di­ge ITTüft­ler.

Sein Un­ter­neh­men zählt in der Bran­che zu den Top 3 der Welt. Nicht oh­ne Grund ist Win­zen­ried an der Welt­markt­spit­ze: 2015 er­hielt er die Aus­zeich­nung „Ma­na­ger des Jah­res“bei ei­ner Le­ser­wahl des Fach­ma­ga­zins „Markt & Tech­nik“. Er prak­ti­ziert ei­ne sehr of­fe­ne Un­ter­neh­mens­kul­tur: Die Mit­ar­bei­ter ha­ben vie­le Frei­hei­ten, er­hal­ten ei­ne gu­te Aus- und Wei­ter­bil­dung so­wie ei­ne Ge­winn­be­tei­li­gung. Ei­ni­ge sei­ner An­ge­stell­ten si­cher­ten sich im ver­gan­ge­nen Jahr da­mit ei­nen Mehr­ver­dienst von über 20 000 Eu­ro. „Das ist Gr­und­vor­aus­set­zung, um im Wett­be­werb mit gro­ßen Un­ter­neh­men wie Bosch oder SAP at­trak­tiv zu sein“, so das Cre­do von Win­zen­ried. „Am En­de kann das Un­ter­neh­men nur er­folg­reich sein, wenn al­le ih­ren An­teil dar­an leis­ten.“

Der Er­folg re­sul­tiert auch aus Ko­ope­ra­tio­nen: Ge­ra­de mit dem Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) und dem For­schungs­zen­trum In­for­ma­tik (FZI) be­steht ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit, ge­mein­sam ge­wan­nen sie 2014 den mit 100 000 Eu­ro do­tier­ten IT-Si­cher­heits­preis.

Bleibt dem Un­ter­neh­mer noch viel Zeit für Frei­zeit? „Nein, für Hob­bys ha­be ich ei­gent­lich kei­ne Zeit“, ant­wor­tet er. „Aber wenn ich Ur­laub ha­be, nut­ze ich die Zeit für Rei­sen mit mei­ner Frau. Da­bei ver­gisst man das nor­ma­le Ge­schäft viel schnel­ler.“Pau­schal­ur­lau­be am Strand sind je­doch nichts für ihn, der IT-Si­cher­heits­ex­per­te be­vor­zugt In­di­vi­du­al­trips nach Asi­en oder Afri­ka – und das E-Mail-Post­fach ist da­bei Ta­bu.

Win­zen­ried ga­ran­tiert Si­cher­heit ma­de in Ger­ma­ny. „Se­cu­ri­ty ist auch im­mer ei­ne Fra­ge des Ver­trau­ens“, be­tont der Fir­men­chef. Die Da­ten­trä­ger pro­du­ziert das Un­ter­neh­men nicht selbst, son­dern ar­bei­tet mit dem Chip­her­stel­ler In­fi­ne­on zu­sam­men.

Die Rol­le als un­be­kann­ter Welt­markt­füh­rer ge­fällt dem Ma­na­ger sehr gut, zu­mal er sich vor Auf­trä­gen kaum ret­ten kann. Stark an­ge­zo­gen hat das Ge­schäft vor et­wa sechs Jah­ren mit dem Com­pu­ter­vi­rus Stux­net. „Die An­zahl der An­grif­fe nimmt stän­dig zu“, sagt der um­trie­bi­ge Netzwerker, der auch Mit­glied im Haupt­vor­stand des Bun­des­ver­bands In­for­ma­ti­ons­wirt­schaft, Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und neue Me­di­en (Bit­kom) ist.

Im Mo­ment ist Win­zen­ried auf der Su­che nach ei­nem neu­en Stand­ort, da die Rä­um­lich­kei­ten in der Rüppur­rer Stra­ße nicht mehr aus­rei­chen. „Ich möch­te noch ein­mal neu bau­en, um für die nächs­ten zehn bis 15 Jah­re Platz für das Fir­men­wachs­tum zu ha­ben“, sagt er. Wenn es ein Grund­stück in der Nä­he vom Haupt­bahn­hof gibt, wür­de der Un­ter­neh­mer ger­ne in Karls­ru­he blei­ben. „Karls­ru­he ist ein tol­ler Stand­ort für For­schung und Ent­wick­lung so­wie für Ko­ope­ra­tio­nen“, sagt er.

MR. SE­CU­RI­TY: Wi­bu Sys­tems-Grün­der und -Vor­stand Oli­ver Win­zen­ried sorgt mit sei­ner Tech­no­lo­gie welt­weit für Si­cher­heit in Un­ter­neh­men. Fo­to: Fa­b­ry

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.