Kir­schen wer­den teu­rer

Fol­ge der Wet­ter­ka­prio­len im Früh­jahr / Ge­rin­ge­re Ern­te er­war­tet

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Wolf von De­witz

Achern. Nach her­ben Ern­te­ein­bu­ßen we­gen der Käl­te­wel­le im Früh­jahr rech­nen Obst­bau­ern mit hö­he­ren Prei­sen für ih­re Früch­te. „Der Kirsch­preis muss stei­gen – und er wird stei­gen“, sag­te der Vi­ze­chef der Bun­des­fach­grup­pe Obst­bau, Franz-Jo­sef Mül­ler. In Ba­denWürt­tem­berg – ei­nem der Haupt­an­bau­ge­bie­te für Kir­schen in Deutsch­land – ge­be es Ein­bu­ßen von et­wa 80 Pro­zent im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren. Grund: Vie­le Kirsch­blü­ten sind bei Frost im April ab­ge­stor­ben.

Durch das knap­pe­re An­ge­bot am Markt sei­en hö­he­re Prei­se un­ver­meid­lich, zu­mal die Obst­bau­ern ih­re fi­nan­zi­el­len Eng­päs­se zu­min­dest an­satz­wei­se de­cken müss­ten, sag­te Mül­ler. Der Bran­chen­ver­tre­ter geht von ei­nem deut­li­chen Preis­an­stieg aus. So könn­te ein Ki­lo Kir­schen, das auf Märk­ten nor­mal­wei­se zwi­schen vier und acht Eu­ro kos­tet, bald für sechs bis zehn Eu­ro zu ha­ben sein.

Nach An­ga­ben der Agrar­markt In­for­ma­ti­ons-Ge­sell­schaft (AMI) ist zwar auf­grund zu­letzt ge­stie­ge­ner Im­por­te

Ge­gen­trend durch Im­port­wa­re aus der Tür­kei

et­wa aus der Tür­kei der durch­schnitt­li­che Kirsch­preis für Ver­brau­cher ins­ge­samt – al­so in­klu­si­ve Kir­schen in Su­per­märk­ten oder Dis­coun­tern – im Ju­ni so­gar um 23 Cent auf 5,03 Eu­ro pro Ki­lo ge­fal­len. „Ei­nen deut­li­chen Ein­fluss dürf­te die knap­pe Ern­te da­ge­gen auf die be­zahl­ten Prei­se im Ab-Hof-Ver­kauf, im Fach­ge­schäft oder auf dem Wo­chen­markt ha­ben, denn in die­sen Ein­kaufs­stät­ten do­mi­niert deut­sche Wa­re nor­ma­ler­wei­se“, sag­te der Agrar­ex­per­te Han­sChris­toph Behr. Soll hei­ßen: In Su­per­märk­ten und Dis­coun­tern dürf­ten sich die hei­mi­schen Ern­te­ein­bu­ßen kaum be­merk­bar ma­chen, weil dort oh­ne­hin nur oder groß­teils im­por­tier­te Früch­te be­reit­lie­gen. Die Ein­fuh­ren wa­ren 2016 laut AMI „sprung­haft“ge­stie­gen, auch 2017 könn­te sich der An­stieg der Ein­fuh­ren fort­set­zen.

Bau­ern­ver­tre­ter Mül­ler ma­chen die Ern­te­ein­bu­ßen dop­pelt Sor­gen. Zum ei­nen, weil die La­ge für vie­le Obst­bau­ern oh­ne­hin an­ge­spannt sei. Zum an­de­ren, weil hei­mi­sche Land­wir­te die­ses Jahr Markt­an­tei­le an aus­län­di­sche Kon­kur­ren­ten ver­lie­ren könn­ten. Wenn Han­dels­part­ner erst mal um­ge­sat­telt und an­de­re Be­zugs­quel­len er­schlos­sen hät­ten, sei die Rück­ge­win­nung von Markt­an­tei­len schwie­rig, so Mül­ler.

Ne­ben Ba­den-Würt­tem­berg – et­wa rund um Achern – gibt es noch in an­de­ren deut­schen Bun­des­län­dern Kir­schern­ten im gro­ßen Stil. In Rhein­lan­dP­falz se­he es ähn­lich schlecht aus wie in Ba­den-Würt­tem­berg, sag­te Mül­ler. Auch in Bay­ern ver­zeich­ne man star­ke Ein­bu­ßen. In Nie­der­sach­sen hin­ge­gen sei die Si­tua­ti­on bes­ser, weil dort Bäu­me an den kal­ten April­ta­gen noch nicht voll ge­blüht hat­ten – Frost macht Kirsch­bäu­men vor der Blü­te we­nig aus. Ins­ge­samt dürf­te sich laut ei­ner Um­fra­ge der Agrar­markt In­for­ma­ti­ons-Ge­sell­schaft un­ter deut­schen Er­zeu­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen die Kirsch-Ern­te­men­ge in die­sem Jahr aber et­wa hal­bie­ren. In Tei­len Deutsch­lands läuft die Kir­schern­te be­reits.

LE­CKER AN­ZU­SCHAU­EN: Lieb­ha­ber von Kir­schen müs­sen in die­sem Jahr mehr be­zah­len – zu­min­dest, wenn sie hei­mi­sche Wa­re be­vor­zu­gen. Fo­to: dpa

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