Zu­viel Son­nen­creme be­las­tet die Ge­wäs­ser

For­sche­rin rät zum Auf­tra­gen nach dem Ba­den

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Joa­chim Mang­ler

Ros­tock. Der un­sach­ge­mä­ße Ge­brauch von Son­nen­cremes beim Strand­be­such kann nach Ex­per­ten­mei­nung lang­fris­tig zu Schä­den in der Mee­res­um­welt füh­ren. Bei Mes­sun­gen in der Ost­see vor War­ne­mün­de (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) wur­den im ver­gan­ge­nen Som­mer so­ge­nann­te UV-Fil­ter ge­fun­den, die aus Son­nen­cremes stam­men, wie die Che­mi­ke­rin Kath­rin Fisch vom Leib­nizIn­sti­tut für Ost­see­for­schung War­ne­mün­de sag­te. Bei den Mes­sun­gen konn­te sie bei­spiels­wei­se 30 Na­no­gramm UV-Fil­ter pro Li­ter Ost­see­was­ser nach­wei­sen. Im Ein­zugs­be­reich des Müh­len­flie­ßes, ei­nem Ost­see­zu­fluss bei Bad Do­beran, wa­ren es 170 Na­no­gramm UV-Fil­ter pro Li­ter Was­ser. Ein Na­no­gramm ist ein mil­li­ards­tel Gramm.

Die Men­gen im Na­no­gramm-Be­reich sei­en wahr­schein­lich für den Men­schen un­ge­fähr­lich, sag­te Fisch. Auf lan­ge Sicht kön­ne aber ei­ne Ge­fahr für Mee­res­or­ga­nis­men be­ste­hen. Die Wis­sen­schaft­le­rin geht da­von aus, dass die UV-Fil­ter dann ab­ge­tra­gen wer­den, wenn sie in zu gro­ßen Men­gen auf die Haut ge­bracht wer­den. Auch zu kur­ze Ein­wirk­zei­ten der Cre­mes vor dem Ba­den könn­ten da­für ver­ant­wort­lich sein. Ei­ne wich­ti­ge Schluss­fol­ge­rung ih­rer Er­geb­nis­se sei, dass die Strand­be­su­cher die Son­nen­creme erst nach dem Ba­den auf­tra­gen soll­ten. Der Chef des Thü­nen­In­sti­tuts für Ost­see­fi­sche­rei in Ros­tock, Chris­to­pher Zim­mer­mann, sieht kei­ne aku­te Be­dro­hung durch die Son­nen­creme-Res­te für die Fi­sche in der Ost­see. „Im Meer sind die Ver­dün­nun­gen ge­wal­tig.“Er ver­weist je­doch auf Un­ter­su­chun­gen beim Aal, der sich in ei­nem phy­sio­lo­gisch schlech­ten Zu­stand be­fin­det. Dies wer­de all­ge­mein auf den ne­ga­ti­ven Ein­fluss von Che­mi­ka­li­en zu­rück­ge­führt, die sich an­rei­chern und dann auf das Hor­mon­sys­tem wir­ken. „Al­ler­dings holt der Aal sich sei­ne Be­las­tung im Süß­was­ser ab.“

„Es gibt Tau­sen­de Ver­bin­dun­gen, die die Ge­wäs­ser be­las­ten“, sagt Fisch. Da­zu zähl­ten auch Arz­nei­mit­tel­rück­stän­de. Sie macht dar­auf auf­merk­sam, dass an­de­re For­scher in La­bor­ver­su­chen fest­ge­stellt ha­ben, dass man­che An­ti­bio­ti­ka oder auch Schmerz­mit­tel hor­mo­nell ver­än­dern­de Wir­kun­gen auf Mee­res­tie­re wie Strand­krab­ben oder Mu­scheln ha­ben kön­nen. Ver­mut­lich stam­me ein gro­ßer Teil der Schad­stof­fe aus den Ab­wäs­sern der An­rai­ner­kom­mu­nen. „Der mensch­li­che Kör­per nimmt sich das, was er braucht“, sagt die Che­mi­ke­rin. Die im Haus­halts­ab­was­ser ge­lös­ten Ver­bin­dun­gen kön­nen aber nicht von den Klär­an­la­gen her­aus­ge­fil­tert wer­den und ge­lan­gen so ins Meer. Wahr­schein­lich sei auch, dass das Uri­nie­ren im Meer eben­falls ei­nen Bei­trag leis­te. Es sei al­so nicht nur bes­ser, Son­nen­cremes spar­sam zu do­sie­ren, son­dern auch, das na­he Toi­let­ten­häus­chen auf­zu­su­chen, als ein­fach ins Meer zu pin­keln.

Che­mi­ka­li­en wir­ken sich auf Hor­mon­sys­tem aus

ZU­VIEL IST ZU­VIEL: Wer sich erst kurz vor dem Ba­den fett mit Son­nen­creme ein­schmiert trägt un­nö­ti­ger­wei­se Che­mi­ka­li­en ins Was­ser und be­las­tet so das Ge­wäs­ser. Fo­to: dpa

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