Vie­le Ba­den-Würt­tem­ber­ger dür­fen auf ein Er­be hof­fen

55 Pro­zent der Men­schen im Land wol­len Ver­mö­gen hin­ter­las­sen / Nur in Bay­ern und der Pfalz wird mehr ver­erbt

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ma­ri­an­ne Pasch­ke­witz-Kloß

Karls­ru­he/Ber­lin. Blen­den­de Aus­sich­ten er­war­ten Ba­den-Würt­tem­bergs künf­ti­ge Er­ben: 55 Pro­zent der Bür­ger – so vie­le wie in kei­nem an­de­ren Bun­des­land – wol­len ein Er­be ver­ge­ben. Und: 45 Pro­zent der im Süd­wes­ten an­ge­kün­dig­ten Erb­schaf­ten über­stei­gen an­geb­lich die Mar­ke von 100 000 Eu­ro. Das sei bun­des­weit der dritt­höchs­te Wert hin­ter Rhein­land-Pfalz (49 Pro­zent) und Bay­ern (48 Pro­zent). Zu die­sem Er­geb­nis kommt ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Stu­die der Ber­li­ner Qui­rin Pri­vat­bank in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Markt­for­schungs­in­sti­tuts Yougov. 7 432 Er­wach­se­ne über 18 Jah­re wur­den da­zu bun­des­weit be­fragt, in Ba­den-Würt­tem­berg wird die Zahl der Teil­neh­mer auf 524 be­zif­fert.

Aber auch die Ge­ne­ra­ti­on de­rer, die künf­tig Ver­mö­gen zu ver­ge­ben hat, ging in der Ver­gan­gen­heit nicht leer aus. Der Pro­zent­satz der bis­he­ri­gen Erb­schaf­ten im Süd­wes­ten lie­ge bei 36 Pro­zent der Bür­ger und da­mit leicht über dem Bun­des­durch­schnitt von 35 Pro­zent. Bei je­dem fünf­ten Er­be ha­be es sich um mehr als 100 000 Eu­ro ge­han­delt. Am häu­figs­ten gibt es Erb­schaf­ten in die­ser Hö­he in Hes­sen, Bay­ern und Ham­burg.

Dass im Land der „Häus­le­bau­er“Im­mo­bi­li­en­nach­läs­se ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le spie­len als an­ders­wo, spie­gelt sich an fol­gen­dem Er­geb­nis wie­der: In 42 Pro­zent der Erb­schaf­ten sei ei­ne Im­mo­bi­lie ent­hal­ten, acht Pro­zent mehr als im Bun­des­durch­schnitt. Al­ler­dings wer­den in Rhein­land-Pfalz noch mehr Häu­ser, Grund­stü­cke und Woh­nun­gen ver­erbt als in Ba­denWürt­tem­berg: 46 Pro­zent. In­ter­es­sant ist da­bei die Tat­sa­che, dass bun­des­weit nur et­wa ein Vier­tel der Er­ben die ge­erb­te Im­mo­bi­le be­zo­gen ha­be.

Rät­sel gibt die Qui­rin-Sta­tis­tik in­des bei der Erb­schafts­steu­er auf. Ob­wohl im Süd­wes­ten über­durch­schnitt­lich ge­erbt wor­den sei, wer­de an­geb­lich nir­gend­wo so sel­ten Erb­schafts­steu­er be­zahlt. Dem­nach wur­de sie le­dig­lich für 10 Pro­zent der Nach­läs­se ge­leis­tet; im Bun­des­durch­schnitt sei­en es 14 Pro­zent. Auf An­fra­ge konn­te auch im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um die­ses fis­ka­li­sche Mys­te­ri­um nicht er­klärt wer­den: „Wir kön­nen die Aus­sa­ge der Stu­die we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren“, so ei­ne Spre­che­rin. Ob der Trend zum frü­hen, steu­er­güns­ti­gen Ver­schen­ken ei­ne Rol­le spielt, oder ob sich der ho­he An­teil der Im­mo­bi­li­en – die nicht zum tat­säch­li­chen Markt­wert ver­an­schlagt wer­den – ei­ne Rol­le spielt, bleibt Spe­ku­la­ti­on. Fakt ist: In den Jah­ren 2011 bis 2016 ent­wi­ckel­te sich das Auf­kom­men an Erb­schafts- und Schen­kungs­steu­er von 750 Mil­lio­nen Eu­ro auf rund 1,1 Mil­li­ar­de Eu­ro. In den ers­ten vier Mo­na­ten die­ses Jah­res kas­sier­te der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Fis­kus be­reits 354 Mil­lio­nen Eu­ro. „Be­zo­gen auf den An­teil der Ein­woh­ner“, heißt es im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um wei­ter, sei das ge­sam­te Erb­schafts­steu­er­auf­kom­men, in dem im­mer auch Schen­kun­gen ent­hal­ten sind, ak­tu­ell und in den Vor­jah­ren „über­durch­schnitt­lich hoch“ge­we­sen.

Zwar möch­te mehr als die Hälf­te der Er­wach­se­nen im Länd­le et­was ver­er­ben, aber nur je­der Ach­te (Bun­des­durch­schnitt) fin­de es da­bei wich­tig, die Ver­tei­lung zu­vor mit al­len Be­tei­lig­ten zu be­spre­chen (sie­he „Stich­wort“). Im­mer­hin die Hälf­te hält ei­ne ex­akt glei­che Ver­tei­lung un­ter den Er­ben für ge­recht. Je­der Fünf­te fin­de es so­gar ge­recht, „wenn Men­schen, die es nö­tig ha­ben, mehr be­kom­men als an­de­re oder so­gar al­les“. Star­re Re­geln sind al­so pas­sé.

Die Stu­die zeigt al­ler­dings auch ein über­durch­schnitt­lich ho­hes Maß an Un­zu­frie­den­heit bei den bis­he­ri­gen Er­ben im Süd­wes­ten: 20 Pro­zent be­zeich­nen die Re­ge­lung der sie be­tref­fen­den Erb­schaft „voll und ganz un­ge­recht“oder „eher un­ge­recht“.

Die größ­ten Streit­häh­ne sind sie des­halb nicht. Sie sind in Bre­men zu fin­den: Mehr als je­der vier­te Er­be in der Han­se­stadt ha­be von Strei­tig­kei­ten be­rich­tet.

Über 100 000 Eu­ro kann fast die Hälf­te hof­fen

EI­NE STATT­LI­CHE SUM­ME GELD und Be­sitz­tü­mer wie Im­mo­bi­li­en hin­ter­las­sen vie­le Men­schen im Süd­wes­ten ih­ren An­ge­hö­ri­gen. Oft gibt es aber auch Streit. Fo­to: Bil­der­box

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