Kniff­li­ge Auf­ga­be

Wim Wen­ders in­sze­nier­te in Ber­lin „Die Per­len­fi­scher“

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Auf­re­gung und Freu­de wa­ren Wim Wen­ders deut­lich an­zu­mer­ken. Wie ge­löst wirk­te der Ki­no-Alt­meis­ter als er mit Da­ni­el Ba­ren­boim in Ber­lin vor das Pu­bli­kum trat. De­büt als Opern­re­gis­seur mit 71 Jah­ren: Es ist ein lan­ger Weg ge­we­sen von sei­nem ers­ten Film bis an die Ber­li­ner Staats­oper. Am En­de von George Bi­zets „Die Per­len­fi­scher“ver­neig­te sich Wen­ders vor dem be­geis­ter­ten Pu­bli­kum. Wie vor ihm Wer­ner Her­zog, Ro­bert Alt­man oder Woo­dy Al­len woll­te sich auch Wen­ders ein­mal an der Oper ver­su­chen. Da­für hat­te er al­ler­dings ei­ne kniff­li­ge Auf­ga­be über­nom­men. Denn die 1863 ur­auf­ge­führ­ten „Per­len­fi­scher“sind mit nur drei Haupt­rol­len kein Selbst­läu­fer. Ziem­lich ab­ge­dreht klingt die Ge­schich­te der Freun­de Na­dir und Zur­ga auf der In­sel Cey­lon, die die jung­fräu­li­che Pries­te­rin Lei­la lie­ben. Die zur Keusch­heit ver­pflich­te­te Lei­la fühlt sich nur zu Na­dir hin­ge­zo­gen. Zur­ga, der An­füh­rer im Dorf der Per­len­fi­scher, liebt aber Lei­la schon seit Ju­gend­jah­ren, sie hat ihm als Kind das Le­ben ge­ret­tet, Lei­la trägt ei­ne Per­len­ket­te, die Zur­ga ihr einst schenk­te. Nun fühlt er sich von Lei­la und sei­nem Freund hin­ter­gan­gen und ver­ur­teilt das Paar zum To­de.

Die Oper stützt sich in wei­ten Tei­len auf ei­nen gro­ßen Chor, Dut­zen­de Sän­ger müs­sen auf der Büh­ne sinn­voll be­wegt wer­den. Da­zu ha­ben die Li­bret­tis­ten Mi­chel Car­ré und Eu­ge­ne Cor­mon vie­le Rück­blen­den ein­ge­baut, die die oh­ne­hin trä­ge Hand­lung noch mehr ver­lang­sa­men. Schon ein er­fah­re­ner Opern­re­gis­seur hät­te da sei­ne Mü­he. Und Neu­ling Wen­ders? Tat­säch­lich ste­cken Mu­sik und Li­bret­to das Feld des Re­gis­seurs in der Oper eng ab. An­ders als im Film lässt sich im Mu­sik­thea­ter das Dreh­buch nicht nach Be­lie­ben än­dern, der Di­ri­gent gibt den Takt vor. So be­schäf­tigt sich Wen­ders vor al­lem mit der Bild­ge­stal­tung, spielt mit dem Licht, schafft da­mit im­mer wie­der in­ti­me Stim­mun­gen. Auch greift er in die Filmtrick­kis­te und lässt auf ei­ner durch­sich­ti­gen Lein­wand Vi­deo­sze­nen in Schwarz-Weiß pro­ji­zie­ren: Er­in­ne­run­gen der Prot­ago­nis­ten, Pal­men­strän­de, Mond­näch­te. Die Büh­ne ist leer.

Die Ins­ze­nie­rung streift auch be­rüh­ren­de Mo­men­te, et­wa in der Arie der Lei­la mit der atem­be­rau­ben­den Ol­ga Pe­re­tyat­ko-Ma­riot­ti. Mit ih­rem dunk­lem Ko­lo­ra­turso­pran ist sie der Star des Abends, das Pu­bli­kum fei­ert sie mi­nu­ten­lang. Über­for­dert wirkt ihr Ge­lieb­ter Na­dir (Fran­ce­so De­mu­ro), Ge­gen­spie­ler Zur­ga (Gyu­la Orendt) kann sich in sei­ner Wut mit kräf­ti­gem Ba­ri­ton aus­drucks­stark ent­fal­ten. Ba­ren­boim geht Bi­zets OpernErst­lings­werk be­schwingt an, die Staats­ka­pel­le hält er deut­lich im Zaum, fein­füh­lig be­glei­tet das Orches­ter die Sän­ger. War­um aber Wen­ders aus­ge­rech­net die­se Oper in­sze­nie­ren woll­te, bleibt am En­de of­fen. Wel­chen Fa­den er in die­ser Ge­schich­te über Treue und Keusch­heit, Ver­rat und Freund­schaft auf­nimmt, lässt sich im schö­nen Schein nicht ent­de­cken. Es­te­ban En­gel/dpa

Er­in­ne­run­gen als Vi­deo-Pro­jek­tio­nen

KAR­GER MINIMALISMUS be­stimmt das Büh­nen­bild der Mün­che­ner Ins­ze­nie­rung der Oper „Die Per­len­fi­scher“von Ge­or­ges Bi­zet. Fo­to: dpa

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