„Mäd­le nimm ko­in Gold­schmied“

Zunft Schmuck + Gestal­tung legt sich ins Zeug: Som­mer­fest mit Wis­sens­trans­fer und fre­chen Tex­ten

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

An­ge­li­ka Dre­scher ist je­der­zeit of­fen für ein Ge­spräch. Aber in die­sem Mo­ment ge­rät selbst die mul­ti­tas­king­fä­hi­ge Kul­tur­amts­lei­te­rin an ih­re Gren­zen. Sie ist am Sonn­tag im Un­ter­ge­schoss des Reuch­lin­hau­ses ge­ra­de an ei­ner kniff­li­gen Sa­che. Zu­dem spricht Mar­ti­na Eberth zu­nächst in Rät­seln. Dre­scher ver­sucht mit Hil­fe von Mar­ti­na Eberth, ei­ne Kö­nigs­ket­te zu fer­ti­gen. Oder zu­min­dest ei­nen Teil da­von. Und da ist erst ein­mal Ösen­auf­bie­gen an­ge­sagt, da­mit sich die Glie­der kö­nig­lich in­ein­an­der ver­schrän­ken kön­nen.

Die Sta­ti­on mit der Kö­nigs­ket­te ist nur ei­ne von vie­len auf­schluss­rei­chen: Dem Ju­bi­lä­ums­jahr ge­schul­det ist der Um­stand, dass die Zunft Pforz­heim Schmuck und Gestal­tung in die­sem Som­mer nicht un­ter sich bleibt und ein­träch­tig Würst­chen auf dem Grill wen­det. Sie hat sich un­ter Ober­meis­ter Rolf Lin­der im Ju­bi­lä­ums­jahr ins Zeug ge­legt und of­fen­bar die Mit­glie­der mo­bi­li­sie­ren kön­nen. Im Ein­gangs­be­reich des Reuch­lin­hau­ses scha­ren sich schon vor der Be­grü­ßung durch Rolf Lin­der und Bür­ger­meis­te­rin Si­byl­le Schüss­ler Neu­gie­ri­ge um Piet van den Boom, der „li­ve“zeich­net. Mit­ge­bracht hat er auch ei­ne Art Gäs­te­buch. Denn er ha­be, er­zählt er, al­le mög­li­chen Leu­te ge­fragt, ob sie ei­ne Ge­schich­te zum The­ma Schmuck zu er­zäh­len hät­ten. Da sind auch von ihm „er­fun­de­ne“da­bei, denn Al­brecht Dü­rer und Fer­di­nand Oechs­le kön­nen kei­nen Bei­trag mehr leis­ten, wa­ren aber auch Gold­schmie­de. „Was kei­ner ei­gent­lich weiß“, sagt van den Boom.

Un­weit vom Zei­chen­tisch hat Lutz Har­tung sei­nen Ket­ten-Stand auf­ge­baut; der Fach­mann er­klärt die ver­schie­de­nen Stil­rich­tun­gen, dar­un­ter ist auch ei­ne Fuchs­ket­te. Aus dem Un­ter­ge­schoss drin­gen Ham­mer­schlä­ge nach oben, denn bei Rolf Lin­der kön­nen die zahl­rei­chen Gäs­te schmie­den. Mar­git Köpfer, Mit­glied der Zunft und Ober­meis­te­rin der Gold- und Sil­ber­schmie­de-In­nung, lädt Kin­der da­zu ein, aus Schmuck­stei­nen An­hän­ger zu ma­chen. Um­la­gert sind auch Wolf­gang Brenk und Horst Mein­zer, die dem stau­nen­den Pu­bli­kum zei­gen, wie man am Com­pu­ter Schmuck macht – CAD-ge­stützt. Rolf El­säs­ser und Die­ter Schen­kel wie­der­um füh­ren durch die Aus­stel­lung im Schmuck­mu­se­um und spre­chen über „Vor­bil­der aus Pforz­heim“. Und dann kommt am Nach­mit­tag der ab­so­lu­te Hö­he­punkt: His­to­ri­ker Olaf Schul­ze und Edel Lin­der le­sen Tex­te un­ter dem Mot­to „Mäd­le nimm ko­in Gold­schmied“– fre­che Tex­te von Fritz Höhn, die der Mes­ner der Alt­stadt­kir­che in den 20er Jah­ren ge­schrie­ben hat. Gar­niert wird das Gan­ze mit Mu­sik ei­nes Streich­quar­tetts. Su­san­ne Rei­ner, Os­car Ga­reis, Mar­kus Pflü­ger und Pas­cal Mar­ti­us spie­len Mo­zarts „Klei­ne Nacht­mu­sik“.

IN­TER­ES­SIER­TE BE­SU­CHER führt Ket­ten­ma­cher Lutz Har­tung (sit­zend) ger­ne in die Ge­heim­nis­se sei­ner Kunst ein. Er er­klärt da­bei auch die ver­schie­de­nen Stil­rich­tun­gen. Fo­to: Eh­mann

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