Gol­de­ne Tre­ter zum Schnäpp­chen­preis

„Lu­xus!?“-Aus­stel­lung en­det mit ei­ner amü­san­ten Ver­stei­ge­rung für den gu­ten Zweck

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Es herr­schen zwar tro­pi­sche Tem­pe­ra­tu­ren – zu­min­dest um den Al­fons-KernTurm her­um – aber die Pforz­hei­me­rin Bri­git­te Volz wirft trotz­dem be­gehr­li­che Bli­cke auf ei­nen Par­ka mit fell­be­kränz­ter Ka­pu­ze. „Das wä­re was für mei­ne Toch­ter“, sagt sie an­ge­sichts des gu­ten Stücks von Cha­nel. Ein paar Mi­nu­ten spä­ter muss die Be­su­che­rin der Hoch­schul-Aus­stel­lung „Lu­xus!?“dann al­ler­dings ei­nen her­ben Schlag ein­ste­cken. Der Par­ka steht nicht auf der Lis­te der zu ver­stei­gern­den Lu­xus­gü­ter, mit der die Aus­stel­lung be­en­det wird.

Die Lis­te wie­der­um hält Gold­stadt­ko­or­di­na­tor Ger­hard Baral am Sonn­tag­abend in der Hand. Er ist der­je­ni­ge, der we­nig spä­ter auf hu­mor­vol­le Art als Auk­tio­na­tor im drit­ten Ober­ge­schoss in­mit­ten der in Glas­vi­tri­nen aus­ge­stell­ten Pracht die Be­gehr­lich­kei­ten zu­guns­ten der Ak­ti­on „Men­schen in Not“in klin­gen­de Mün­ze um­wan­deln wird.

Ge­stal­tet sich am An­fang noch et­was zäh. Auch wenn Baral mit Hil­fe der Ku­ra­to­rin Bet­ti­na Schön­fel­der das trans­pa­ren­te und ach so un­schein­bar wir­ken­de Bil­der­rähm­chen von Lou­is Vuit­ton wie Sau­er­bier an­preist – das gu­te Stück aus Ple­xi­glas und gold­far­be­nem Me­tall wür­de neu 430 Eu­ro kos­ten. Wie bei „ebay“fängt Ger­hard Baral bei ei­nem Eu­ro an. Und sie­he da, wie ein Spät­zün­der ka­ta­pul­tiert sich das Rähm­chen auf 250 Eu­ro. Mit ei­nem „Glücks­ge­fühl“kön­ne der­je­ni­ge, der ei­nes der nächs­ten 27 Stü­cke er­stei­ge­re, an die­sem Abend ins Bett ge­hen, ver­spricht der Auk­tio­na­tor. Das Glücks­ge­fühl soll ei­ne Zahn­pas­ta ver­schaf­fen. Ver­blüf­fend, aber wahr, auch das ist Lu­xus. Die „Theo­dent 300“gilt als wert­volls­te Zahn­pas­ta der Welt – et­wa 100-mal so teu­er wie ih­re Kol­le­gen im Su­per­markt, oh­ne die üb­li­chen Fluo­ri­de, statt­des­sen ein teils aus Ka­kao­boh­nen ge­won­ne­ner Stoff na­mens Ren­nou. Ob man al­ler­dings da­mit Fu­gen ver­dich­ten kann, wie an­ge­spro­chen, bleibt bei der Ver­stei­ge­rung of­fen. Im­mer­hin 27,50 Eu­ro bringt die Tu­be ein. Gol­den da­von­fe­dern kann jetzt der Be­sit­zer der adi­das-Snea­ker, die dank dem im Jahr 1971 Ten­nis-Welt­rang­lis­ten­ers­ten Stan Smith zu Ruhm ge­lang­ten. „Wenn sie nicht pas­sen“, spielt Ger­hard Baral auf die Grö­ße 44 an, „dann ein­fach meh­re­re Woll­so­cken an­zie­hen.“Und wer nun im Be­sitz des Kon­zert­ti­ckets für Micha­el Jack­son vom 24. Au­gust 1993 ist, kann so tun, als sei er dem King of Pop in Bangkok be­geg­net. Muss ja nie­mand wis­sen, dass es er­stei­gert ist.

So­gar wert­vol­les Was­ser – Bling H2O aus Ten­nes­see – wird an die­sem Abend wäh­rend der drei­stün­di­gen Ver­stei­ge­rung von den neu­en Be­sit­zern mit glück­se­li­gem Lä­cheln aus den Vi­tri­nen be­freit. Ei­ni­ge Stü­cke spren­gen so­gar die Er­war­tun­gen des Auktionators. Das le­der­ge­floch­te­ne grü­ne Täsch­chen von Bot­te­ga Ve­ne­ta ent­facht ei­ne wil­der Bie­te­rei, in die zwei Frau­en und ein Mann in­vol­viert sind – 350 Eu­ro für ein Ac­ces­soire, in das ge­ra­de mal der Schlüs­sel und ein Smart­pho­ne pas­sen sind im Ver­gleich zum Neupreis 450 Eu­ro nicht schlecht. Mit am glück­lichs­ten dürf­te aber Di­enst­leis­tungs­mar­ke­ting-Stu­den­tin Leo­nie Mie­the-Bo­dem sein. Sie hat für den 60. Ge­burts­tag ih­res ehe­ma­li­gen Chefs (ei­nes Edel-Ho­tels im Nor­den) „Jo­seph’s Toi­le­te­ries“für 70 Eu­ro er­gat­tert: In der Klapp­box be­fin­den sich un­ter an­de­rem 25 Blatt aus zer­ti­fi­zier­ten Frisch­fa­sern her­ge­stell­ten Klo-, Ver­zei­hung Toi­let­ten-Pa­piers. Und ei­ne „Re­pair-Lo­ti­on“für den Al­ler­wer­tes­ten. Ins­ge­samt ka­men 2 500 Eu­ro zu­sam­men.

SCHLÜPFT IN DIE ROL­LE DES AUKTIONATORS: Ju­bi­lä­ums­ko­or­di­na­tor Ger­hard Baral ver­stei­ger­te zum Ab­schluss der Aus­stel­lung im Al­fons-Kern-Turm man­che der aus­ge­stell­ten Lu­xus­gü­ter. Fo­to: Roth

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