Die Kost­bar­keit blüht im Schmuck­mu­se­um

Joa­chim Rösch macht ein wert­vol­les Ge­schenk

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Und dann holt sie ihn doch noch aus der Vi­tri­ne, aber mit ganz spit­zen Fin­gern und an­ge­hal­te­nem Atem: den Reif, der als drit­tes Teil zu ei­nem an­ti­ken Di­a­dem mit ei­nem wei­te­ren halb­mond­för­mi­gen Schmuck­teil und dar­an hän­gen­der Ro­set­te ge­hört. Den bit­ten­den Au­gen von Joa­chim Rösch kann die Lei­te­rin des Schmuck­mu­se­ums Cor­ne­lie Holz­ach ein­fach nicht wi­der­ste­hen. Ver­ständ­lich: Ex-Stadt­rat Rösch ist es zu ver­dan­ken, dass Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger und da­mit dann auch ei­ne über das gan­ze Ge­sicht strah­len­de Mu­se­ums­lei­te­rin ein be­son­ders wert­vol­les Stück nun ihr ei­gen nen­nen kön­nen.

„Ich bin ja ein ech­ter Ur-Pforz­hei­mer“, sagt Joa­chim Rösch im Ge­spräch mit dem Pforz­hei­mer Ku­ri­er. „Seit Ge­burt“sei er mit der Stadt ver­bun­den, ha­be Hö­hen und Tie­fen mit ihr durch­lit­ten, Krieg, Hun­ger und schließ­lich Auf­bau, was bei ihm per­sön­lich ei­ne Uh­ren­fa­brik be­deu­te­te – im Ne­ben­be­ruf war Joa­chim Rösch au­ßer­dem Arzt, wie er er­zählt. „Ich woll­te jetzt un­be­dingt der Stadt et­was zu­rück­ge­ben“, so Rösch, der am ver­gan­ge­nen Frei­tag sei­nen 80. Ge­burts­tag fei­er­te. Als ob sie von­ein­an­der die Ge­dan­ken le­sen könn­ten: Joa­chim Rösch dach­te so­fort an das Schmuck­mu­se­um, Cor­ne­lie Holz­ach wie­der­um hat­te kurz vor der Kon­takt­auf­nah­me noch über be­sag­tes west­grie­chi­sches Di­a­dem mit den zwei An­hän­gern sin­niert, „dass ich das ger­ne hät­te“. Die groß­zü­gi­ge und reich­lich be­mes­se­ne Spen­de von Joa­chim Rösch mach­te es mög­lich, dass die­ser Wunsch in Er­fül­lung ging und die Leih­ga­be ge­kauft wer­den konn­te. „Ganz sel­ten“, so Holz­ach, sei es, „dass ein Stück aus der Zeit noch so gut er­hal­ten ist“. Das „Stück“aus dem drit­ten bis zwei­ten Jahr­hun­dert vor Chris­ti hat ei­ne email­lier­te Ro­set­te im Zen­trum mit zar­ten Blü­ten­blät­tern auf dün­nem Gold­blech. Eben­falls gut er­hal­te­ne Glas­per­len in zar­ter Aus­strah­lung schmü­cken das Di­a­dem, das au­ßer­dem mit Blät­tern ver­se­hen ist.

„Nicht zum Tra­gen, ein rein mu­sea­les Stück“, so Holz­ach über die­se be­rei­chern­de Er­gän­zung der Mu­se­umsSamm­lung aus der pri­va­ten Samm­lung des Bas­lers Her­bert A. Cahn. Kein Lü­cken­bü­ßer, aber ein Lü­cken­fül­ler: Ein sol­ches Stück aus der An­ti­ke fehl­te bis­her. In dem ak­tu­el­len Aus­stel­lungs­teil „Must Sees“sind die drei west­grie­chi­schen

„Ich woll­te un­be­dingt et­was zu­rück­ge­ben“

Tei­le, von de­nen man nicht weiß, wie sie ans Ta­ges­licht ka­men, üb­ri­gens in gu­ter Ge­sell­schaft – ne­ben ei­nem lie­gen­den Göt­ter­bo­ten aus Ter­ra­kot­ta, der ein sol­ches Ro­sen-Di­a­dem trägt.

Mit dem En­de der Aus­stel­lung ver­schwin­det die groß­zü­gi­ge Ga­be je­doch nicht et­wa im La­ger des Schmuck­mu­se­ums: Das gro­ße Ge­schenk zieht in die stän­di­ge an­ti­ke Aus­stel­lung um.

Su­san­ne Roth

FAS­ZI­NIE­REND GUT ER­HAL­TEN sind die Blü­ten­blät­ter der Ro­set­te des west­grie­chi­schen Di­a­dems aus dem drit­ten bis zwei­ten Jahr­hun­dert vor Chris­ti. Die Leih­ga­be wur­de von Joa­chim Rösch (rechts) an OB Gert Ha­ger und Cor­ne­lie Holz­ach über­ge­ben. Fo­to: Roth

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