„Das ist ein span­nen­der Be­ruf“

Beim Be­rufs­wahl­kom­pass dür­fen Schü­ler in Gal­va­nik­be­trieb selbst Hand an­le­gen

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Kö­nigs­bach-St­ein (rol). Vor­sich­tig hebt Car­los das Ge­stell aus dem Ni­ckel­glanz­bad. Was fünf Mi­nu­ten vor­her noch aus Me­tall war, hat jetzt ei­nen silb­rig glän­zen­den Ni­ckel­über­zug. „Ich fin­de das in­ter­es­sant“, sagt der 14-Jäh­ri­ge. Er sei vor­her noch nie in ei­nem Gal­va­nik­be­trieb ge­we­sen. So wie ihm geht es den meis­ten der 15 Schü­ler, die im Rah­men des Be­rufs­wahl­kom­pas­ses Me­tall dem Kö­nigs­ba­cher Un­ter­neh­men In­go Mül­ler Ober­flä­chen­tech­nik (IMO) ei­nen Be­such ab­stat­ten. Ein paar Me­ter wei­ter steht Ju­li­en und hängt die gal­va­ni­sier­ten Werk­stü­cke zum Trock­nen auf. „Man kann mal schau­en, wie hier ge­ar­bei­tet wird“, sagt der 14-Jäh­ri­ge. Sonst fah­re man nur au­ßen vor­bei und se­he nichts von den Ab­läu­fen. Könn­te er sich vor­stel­len, nach der Schu­le ei­ne Aus­bil­dung im Be­reich Gal­va­nik zu ma­chen? „Mög­li­cher­wei­se“, meint er. Fest­le­gen will er sich da aber nicht.

Ei­ner, der sich schon vor ei­ner Wei­le für ei­ne Aus­bil­dung in die­sem Be­reich ent­schie­den hat, steht di­rekt ne­ben ihm. Es ist To­bi­as Rent­sch­ler. „Vie­le ken­nen das Be­rufs­bild gar nicht“, sagt der Aus­zu­bil­den­de. Da­bei sei es hoch­in­ter­es­sant und ha­be Zu­kunft. Vie­le Elek­tro­nik­tei­le wür­den gal­va­ni­siert, be­vor man sie et­wa in Au­tos oder Mo­bil­te­le­fo­ne ein­baue. „Das ist ein span­nen­der Be­ruf“, sagt auch Jo­scha Weiß. Al­ler­dings soll­te man fit sein in Ma­the­ma­tik und Che­mie. Kör­per­lich hal­te sich die An­stren­gung dank zahl­rei­cher Hilfs­mit­tel in Gren­zen. Aber man tra­ge viel Ver­ant­wor­tung, denn die gal­va­ni­sier­ten Tei­le sei­en oft in sen­si­blen Ap­pa­ra­ten ein­ge­baut. Weiß ist Aus­zu­bil­den­der zum Ober­flä­chen­be­schichter im ers­ten Lehr­jahr. Den Schü­lern zeigt er an die­sem Vor­mit­tag bei ei­nem Ex­pe­ri­ment, wie man die Men­ge Me­tall er­mit­teln kann, die in ei­nem Ni­ckel­bad ge­löst ist. Fe­lix, Lu­ca und Jan hö­ren ihm zu. „Die Schü­ler wol­len prak­ti­sche Er­fah­run­gen sam­meln“, sagt San­dra Maleck vom Bil­dungs­trä­ger BBQ.

Ins­ge­samt neh­men 60 Schü­ler an dem Pro­jekt teil. Sie ge­hen mo­men­tan in die ach­ten Klas­sen der Kö­nigs­ba­cher Wil­lyBrandt-Re­al­schu­le und der Pforz­hei­mer Kon­rad-Ade­nau­er-Re­al­schu­le. Sie ha­ben die Ge­le­gen­heit, Ein­bli­cke in ein Dut­zend me­tall­ver­ar­bei­ten­der Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on zu er­hal­ten. Werk­zeug­bau­er, Gal­va­nik­be­trie­be, Fräs­ma­schi­nen­her­stel­ler und Me­di­zin­tech­nik­be­trie­be sind da­bei. Das Pro­jekt dau­ert ein Jahr. Sechs Fir­men be­sucht ein Schü­ler im Durch­schnitt. In den Be­trie­ben sind die Schü­ler aber nicht nur Be­ob­ach­ter, son­dern sie ar­bei­ten auch prak­tisch. So über­zie­hen sie et­wa bei IMO die Ein­zel­tei­le ei­ner Bil­der­lei­ter mit Gold. Die­se Ein­zel­tei­le hat­ten sie zu­vor bei ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men an­ge­fer­tigt. Ne­ben der Bil­der­lei­ter pro­du­zie­ren die Schü­ler noch ei­nen Mi­ni­golf­schlä­ger und ei­nen Mes­ser­schär­fer. „Die Schü­ler wol­len am En­de et­was ha­ben, das sie selbst ge­schaf­fen ha­ben“, sagt Maleck. Sie hofft, mit dem Pro­jekt dem Fach­kräf­te­man­gel be­geg­nen zu kön­nen.

HAND­SCHU­HE und Schutz­bril­le sind Pflicht in den Gal­va­nik­bä­dern. Vor­sich­tig hebt Si­mon (rechts) un­ter An­lei­tung von Si­las Ket­zel das Ge­stell aus dem Be­cken. Fo­to: Rol­ler

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