Her­aus­for­de­rung und Be­las­tung

Pal­lia­tiv-Ex­per­tin Ma­ria Was­ner zu Gast beim Am­bu­lan­ten Ho­s­piz­dienst

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS / WETTER -

Kel­tern-Ell­men­din­gen (zac). Dass das Ster­ben in der Fa­mi­lie ei­ne Her­aus­for­de­rung, gar ei­ne Be­las­tung sein kann, war den rund 60 in­ter­es­sier­ten Be­su­chern im Be­geg­nungs­raum des Am­bu­lan­ten Ho­s­piz­diens­tes West­li­cher Enz­kreis klar.

„Sie spre­chen im Vor­trags­ti­tel aber auch von ei­ner Be­rei­che­rung, wie kann das sein?“, woll­te ein auf­merk­sa­mer Zu­hö­rer von der Re­fe­ren­tin Ma­ria Was­ner, Pro­fes­so­rin für So­zia­le Ar­beit im Be­reich Pal­lia­ti­ve Ca­re an der Ka­tho­li­schen Stif­tungs­fach­hoch­schu­le Mün­chen, wis­sen. Im Lau­fe des Abends wur­de es ihm klar: „Die Fa­mi­lie und der Ho­s­piz­hel­fer kön­nen be­rei­chert wer­den“,

Ori­en­tie­rung an in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­sen

ant­wor­te­te Was­ner und ver­deut­lich­te es am Tod ih­rer ei­ge­nen Mut­ter An­fang die­ses Jah­res: „Es war in­so­fern ei­ne Be­rei­che­rung, als dass wir es lan­ge ge­schafft ha­ben, sie zu Hau­se zu pfle­gen und ich mei­ner Mut­ter und so­gar den Ge­schwis­tern so na­he kom­men konn­te wie in den Jah­ren zu­vor nicht.“Auch im Ho­s­piz­dienst sei je­de Fa­mi­lie, die sie be­glei­ten dür­fe, ei­ne Be­rei­che­rung, er­klär­te die Vi­ze­prä­si­den­tin der Deut­schen Ge­sell­schaft für Pal­lia­tiv­me­di­zin.

Zu­vor be­leuch­te­te die Pal­lia­ti­v­exper­tin un­ter­schied­li­che Fa­cet­ten der Be­glei­tung Schwerst­kran­ker und Ster­ben­der, aber auch ih­rer An­ge­hö­ri­ger. Ganz wich­tig sei da­bei die Ori­en­tie­rung an in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­sen: Nur, weil je­mand alt und krank sei, hei­ße das nicht, dass er nicht noch et­was zu ge­ben ha­be, noch für die an­de­ren da sein wol­le. „Und es heißt auch nicht, dass er kein In­ter­es­se mehr an kör­per­li­cher Nä­he, an Se­xua­li­tät im wei­te­ren Sin­ne hat und auch sei­ne Pri­vat­sphä­re möch­te.“Fast drei Vier­tel al­ler Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wür­den in den ei­ge­nen vier Wän­den ver­sorgt, die Hälf­te da­von al­lein durch die An­ge­hö­ri­gen.

Ge­ra­de hier gel­te es, recht­zei­tig Gren­zen und Alarm­si­gna­le zu er­ken­nen: Bei Tu­mor­pa­ti­en­ten lei­de ein Drit­tel bis die Hälf­te der An­ge­hö­ri­gen, bei an De­menz Er­krank­ten bis zu zwei Drit­tel un­ter psy­chi­schen Stö­run­gen und De­pres­sio­nen, wes­halb die Be­glei­tung un­be­dingt auch die An­ge­hö­ri­gen im Blick ha­ben und sie früh­zei­tig ein­bin­den sol­le. Apro­pos Be­glei­tung: Oft lie­ge die gro­ße Stär­ke der Ho­s­piz­hel­fer im Da­sein, Hin­set­zen und Zu­hö­ren. „Das ist das Al­ler­wich­tigs­te, auch wenn man gleich denkt, man müs­se so viel an­de­res mehr tun.“

„Oft ha­ben die An­ge­hö­ri­gen kei­ne kla­re Vor­stel­lung dar­über, wer wir sind und was wir ma­chen“, stell­te im an­schlie­ßen­den Aus­tausch ei­ne Mit­ar­bei­te­rin des Ho­s­piz­diens­tes fest. „Wir bie­ten den An­ge­hö­ri­gen aber je­der­zeit ganz un­ver­bind­li­che Ken­nen­lern­ge­sprä­che an, auch in un­se­ren Räu­men.“

Hilf­reich kön­ne es auch sein, wenn der zu­stän­di­ge Pfle­ge­dienst bei Be­darf ein­fach mal ei­nen Ho­s­piz­mit­ar­bei­ter mit in die Fa­mi­lie bringt, riet Was­ner.

NEUE ER­FAH­RUN­GEN GE­WIN­NEN konn­ten Mit­ar­bei­ter und Gäs­te des Am­bu­lan­ten Ho­s­piz­diens­tes West­li­cher Enz­kreis um die zwei­te stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Ma­ria Lui­se Back­heu­er (vor­ne links) im Ge­spräch mit Ma­ria Was­ner (rechts). Fo­to: Zach­mann

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