Die klei­nen Din­ge

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - TI­NA MAY­ER

Es soll der schöns­te Tag im Le­ben wer­den: Des­we­gen scheu­en vie­le Braut­paa­re auch kei­ne Kos­ten und Mü­hen, um ih­re Hoch­zeit zu et­was ganz Be­son­de­rem wer­den zu las­sen. Die Gar­de­ro­be pom­pös, das Hoch­zeits­buf­fet üp­pig, die Gast­ge­schen­ke groß­zü­gig und ori­gi­nell. Das Gan­ze wird prä­sen­tiert an ei­nem kom­plett durch­cho­reo­gra­fier­ten Tag mit Hoch­zeits­sän­ger, Wal­zer, Tor­te, Feu­er­werk. Die­se Lis­te lie­ße sich be­lie­big wei­ter fort­set­zen. Hö­her, schnel­ler, wei­ter lau­tet bei vie­len mitt­ler­wei­le das in­of­fi­zi­el­le Mot­to. Ger­ne wird da­für ein Hoch­zeits­pla­ner en­ga­giert, um an dem gro­ßen Tag auch wirk­lich auf Num­mer si­cher zu ge­hen. Die so­zia­len Me­di­en leis­ten si­cher ei­nen er­heb­li­chen Bei­trag zu die­sem Stre­ben nach Per­fek­ti­on. Hoch­zei­ten wer­den heut­zu­ta­ge auf Face­book oder Ins­ta­gram hübsch in­sze­niert. Die schöns­ten Bräu­te hei­ra­ten ih­re adret­ten Prin­zen, na­tür­lich in pit­to­res­ker Ku­lis­se, pro­fes­sio­nell ab­ge­lich­tet.

Wahr­schein­lich ist die­ser un­be­ding­te Wunsch nach dem Be­son­de­ren ein Zei­chen der Zeit. In ei­ner im­mer hek­ti­scher und un­si­che­rer ge­wor­de­nen Welt sehnt

sich der Mensch nach et­was, das er fest­hal­ten kann. Et­was, das er sich in sei­ne Er­in­ne­rung zu­rück­ho­len kann, wenn ihn der All­tag nach den Flit­ter­wo­chen wie­der fest im Griff hat.

Das ist na­tür­lich völ­lig le­gi­tim – so­lan­ge da­bei nicht ver­ges­sen wird, wor­um es hier ei­gent­lich geht. Ei­ne Hoch­zeit ist kein Event. Hier bin­den sich zwei Men­schen (im bes­ten Fall) für den Rest ih­res Le­bens an­ein­an­der. Das ist wun­der­bar, aber das ist auch nicht im­mer ein­fach. Für man­chen kommt nach dem gro­ßen Hoch­zeits­tau­mel der tie­fe Fall, der har­te Auf­prall auf dem Bo­den der Rea­li­tät.

Des­we­gen gilt es, wäh­rend der Hoch­zeits­pla­nun­gen auch im­mer wie­der in­ne­zu­hal­ten und sich selbst zu fra­gen, was man da ei­gent­lich tut – und wo­für. Ist es das al­les wert und will man das am En­de auch wirk­lich? Geht es nicht an man­chen Stel­len auch ei­ne Num­mer klei­ner? Denn am En­de sind es doch oh­ne­hin an­de­re Din­ge, die im Ge­dächt­nis hän­gen blei­ben. Nicht un­be­dingt der Wal­zer, die Tor­te oder das Feu­er­werk. Son­dern die klei­nen Din­ge und Mo­men­te, die kein Event­pla­ner vor­her­se­hen kann.

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