Der Hil­fe­ruf

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD WINDSCHEID

Ita­li­ens Re­gie­rungs­chef Pao­lo Gen­ti­lo­ni schlägt Alarm: Wenn die EU-Part­ner nicht mehr So­li­da­ri­tät in der Flücht­lings­fra­ge zeig­ten, wer­de er die ita­lie­ni­schen Hä­fen schlie­ßen. Noch ist es nicht so­weit, aber der Hil­fe­ruf aus Rom stieß auf of­fe­ne Oh­ren. Beim Vor­be­rei­tungs­tref­fen in Ber­lin für den G-20-Gip­fel An­fang des kom­men­den Mo­nats an der El­be si­gna­li­sier­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel Un­ter­stüt­zung. Wäh­rend die Tür­kei vom Flücht­lings-De­al mit der Eu­ro­päi­schen Uni­on in Mil­li­ar­den­hö­he pro­fi­tiert, geht Ita­li­en leer aus.

Die auf ho­her See aus ih­ren see­un­tüch­ti­gen Boo­ten ge­ret­te­ten Flücht­lin­ge kom­men in­zwi­schen fast al­le in ita­lie­ni­schen Hä­fen an. Dort müs­sen sie ver­sorgt und auf an­de­re Ein­rich­tun­gen ver­teilt wer­den. Auch die Bun­des­ma­ri­ne be­tei­ligt sich an die­sem hu­ma­ni­tä­ren Ein­satz, der da­für sor­gen soll, dass das Mit­tel­meer nicht er­neut zu ei­nem Mas­sen­grab wird. Die Be­rich­te über die vie­len Er­trun­ke­nen hat­ten die Men­schen in der EU wach­ge­rüt­telt und zu ei­nem Um­den­ken

ge­führt. Aus dem ur­sprüng­li­chen Ab­schre­ckungs- wur­de ein Ret­tungs­ein­satz. In­zwi­schen steigt die Zahl der Hil­fe su­chen­den von Wo­che zu Wo­che, die in Ita­li­en um Asyl nach­su­chen. Frank­reichs neu­er Prä­si­dent Emmanuel Macron hat al­ler­dings recht, wenn er dar­auf hin­weist, dass nur ein klei­ner Teil der Flücht­lin­ge wirk­lich An­spruch auf Asyl hat. Vie­le se­hen in der EU das ge­lob­te Land, in dem Milch und Ho­nig flie­ßen. Wer kei­nen An­spruch auf po­li­ti­sches Asyl hat, muss künf­tig kon­se­quen­ter ab­ge­scho­ben wer­den. Dies gilt auch für die­je­ni­gen, die al­le ih­re Pa­pie­re weg­wer­fen, um den Be­hör­den Nach­for­schun­gen zu er­schwe­ren oder gar un­mög­lich zu ma­chen.

Schon in der Ver­gan­gen­heit war die Ver­tei­lung der Flücht­lin­ge auf die Mit­glieds­län­der kein Ruh­mes­blatt für die EU. Die ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten wei­gern sich wei­ter ka­te­go­risch, ih­ren Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men. Aber So­li­da­ri­tät darf kei­ne Ein­bahn­stra­ße sein – al­le sind ge­for­dert.

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