G-20-Gip­fel zwi­schen Him­mel und Höl­le

Mit War­nun­gen an Trump und eu­ro­päi­scher Rü­cken­de­ckung stimmt die Kanz­le­rin auf das bri­san­te Tref­fen ein

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Kris­ti­na Dunz

Ber­lin. An­ge­la Mer­kel fa­ckelt dies­mal nicht lan­ge. Gleich zu Be­ginn ih­rer Re­gie­rungs­er­klä­rung stellt sie den USPrä­si­den­ten an den Pran­ger. Oh­ne Do­nald Trump ges­tern Mor­gen im Bun­des­tag na­ment­lich zu er­wäh­nen, mahnt sie: „Wer glaubt, die Pro­ble­me die­ser Welt mit Iso­la­tio­nis­mus und Pro­tek­tio­nis­mus lö­sen zu kön­nen, der un­ter­liegt ei­nem ge­wal­ti­gen Irr­tum.“Al­le wis­sen, wer ge­meint ist. In Sa­chen Pa­ri­ser Kli­ma­schutz­ab­kom­men wird sie noch bis­si­ger. Trump will die USA aus dem gro­ßen Ab­kom­men zu­rück­zie­hen. Sei­ner An­sicht nach sind nicht die Men­schen am Kli­ma­wan­del Schuld. Mer­kel sagt: „Wir kön­nen und wer­den nicht dar­auf war­ten, bis auch der Letz­te auf der Welt von den wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen des Kli­ma­wan­dels über­zeugt wer­den konn­te.“Das Ab­kom­men sei nicht ver­han­del­bar. Hört sich ein biss­chen wie die War­nung an ei­nen dum­men Schü­ler an.

En­de nächs­ter Wo­che kom­men die Staats- und Re­gie­rungs­chefs der stärks­ten Wirt­schafts­mäch­te der Welt zum G-20-Gip­fel nach Ham­burg. Es ist ein Welt-Er­eig­nis, das ein Licht auf Deutsch­land und sei­ne Re­gie­rungs­che­fin wirft. Fragt sich nur, ob es strah­lend oder düs­ter wird. Mer­kel ist die Aus­rich­te­rin, aber in der Hand hat sie es nicht al­lein, ob der Gip­fel ein Er­folg wird oder schei­tert. Wird die Han­se­stadt von ge­walt­tä­ti­gen De­mons­tran­ten an­ge­zün­det? Frönt Trump sei­ner Ab­schot­tungs­po­li­tik? Spal­tet Kreml­Chef Wla­di­mir Pu­tin den Wes­ten wei­ter? Wird das Ab­schluss-Kom­mu­ni­qué das Pa­pier nicht wert sein? Dann sieht es für Mer­kel kurz vor der Bun­des­tags­wahl nicht ro­sig aus. Der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan, der gern mit Na­zi-Vor­wür­fen ge­gen Deutsch­land pro­vo­ziert, sorgt schon jetzt für Är­ger. Er be­an­tragt ei­nen Auf­tritt vor An­hän­gern in Deutsch­land am Ran­de des Gip­fels. Die Bun­des­re­gie­rung un­ter­sagt das, weil es nicht auch noch da­für ge­nü­gend Po­li­zei­kräf­te zur Ab­si­che­rung ge­be und ein sol­cher Auf­tritt „nicht in die po­li­ti­sche Land­schaft“pas­se.

Rei­ßen sich die Spit­zen­po­li­ti­ker aus ins­ge­samt über 30 Län­dern und In­sti­tu­tio­nen an­ge­sichts der Kri­sen auf die­ser Er­de nächs­te Wo­che aber am Riemen, prä­sen­tiert sich Ham­burg als Tor zur Welt und be­geis­tert nicht nur mit sei­ner Elb­phil­har­mo­nie, son­dern auch mit Tau­sen­den fried­li­chen De­mons­tran­ten – dann wird Mer­kel ver­mut­lich wie­der „Füh­re­rin der frei­en Welt“ge­nannt. Sie ver­sucht seit Mo­na­ten, Bünd­nis­se zu schmie­den – un­ab­hän­gig von den USA.

So auch ges­tern Mit­tag. Sel­ten gab es im Kanz­ler­amt ei­nen sol­chen Auf­tritt: Mer­kel, EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker, EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk, Spa­ni­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy, Frank­reichs Staats­prä­si­dent Emmanuel Macron, Ita­li­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni, der nie­der­län­di­sche Re­gie­rungs­chef Mark Rut­te und die nor­we­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Er­na Sol­berg sit­zen in ei­ner Rei­he und be­schwö­ren die eu­ro­päi­sche Ei­nig­keit. Al­le zu­sam­men wer­ben für ein Eu­ro­pa, das ge­eint ist durch ge­mein­sa­me Wer­te.

Über al­lem schwebt den­noch die Sor­ge, dass das Tref­fen durch Aus­schrei­tun­gen von Gip­fel-Geg­nern über­schat­tet wird. „Wel­co­me to Hell“(Will­kom­men in der Höl­le) ist zum Bei­spiel ein Mot­to von De­mons­tran­ten, die sich an­ti­ka­pi­ta­lis­tisch nen­nen.

Mer­kel ver­sucht, Bünd­nis­se zu schmie­den

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